Colin Cotterill – Dr. Siri und der verschwundene Mönch (Buch)

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Trubel in der Geisterwelt
Vientiane, Laos. Ende 1979. Dr. Siri Paiboun ist eigentlich im Ruhestand und hat sich über der Nudelküche von Madame Daeng eingerichtet. Seinen offiziellen Wohnsitz stellt er Obdachlosen und Sonderlingen aller Art zur Verfügung, darunter der thailändische Waldmönch Noo. Dieser verschwindet eines Tages und hinterlässt Siri eine denkwürdige Nachricht. Er bittet ihn, einen anderen Mönch über den Mekong heimlich nach Thailand zu schmuggeln. Einem Abenteuer konnten Siri und Madame Daeng noch nie widerstehen und so lassen sie sich auf das Experiment ein. Nach einer Flucht mit zahlreichen Hindernissen treffen sie den geheimnisvollen Mönch in einem Tempel in Thailand wieder. Der Mönch ist der Sangharaj, der Oberste Patriarch, Chef der laotischen Buddhisten. Dabei wollte dieser gar nicht nach Thailand überlaufen oder ähnliches, sondern vielmehr Siri dorthin locken. Seinem Freund, Abt Rayron, wird nämlich vorgeworfen, drei Menschen ermordet zu haben und Siri soll den Fall lösen.

Derweil suchen Inspector Phosy und Schwester Dtui den verschwundenen Noo. Richter Haeng plagt die Heimsuchung des verstorbenen Genossen Koomki durch dessen Geist und Genosse Civalai wird von hoher Stelle in das kleine Dorf Ban Toop geschickt, wo sich angeblich ein Mann als Reinkarnation Buddhas ausgibt…
„Traue nie den Geistern. Sie kennen keine Skrupel.“

Freunde der amüsanten Dr.-Siri-Paiboun-Reihe wissen, worauf sie sich einlassen. Alle anderen Leser werden zu Beginn des Buches gewarnt: „Der vorliegende Band enthält handlungsbedingt erhebliche Mengen an übernatürlichen Elementen. Wer lieber dröge, durch und durch diesseitige Kriminalromane liest, ist hier definitiv im falschen Buch.“ In Siris Körper treibt Yeh Ming, der Geist eines tausendjährigen Schamanen, sein Unwesen und beschert Siri immer wieder Kontakte zur Anderwelt, wo es einmal mehr ein Wiedersehen mit Tante Bpoo gibt, dem besonders aufdringlichen Geist eines ehemaligen Transvestiten. Siris Ermittlungen im Dreifachmord führen ihn in ein kleines Dorf, wo die Menschen von Geistern besonders arg gebeutelt werden. Land-, Luft- und Waldgeister treiben ihr Unwesen. Animisums, Exorzismus, Teufelsanbetung und der allgegenwärtige Buddhismus geben sich ein buntes Stelldichein. Bei all den übersinnlichen Ausschreitungen verliert nicht nur Siri oft den Überblick. Was ist wahr, was Traum und warum hat Madame Daeng plötzlich einen kleinen Schwanz?

Genau wie Laos erfreute sich Thailand einer Militärregierung. Doch während die Phatet Lao niemandem ein Ende ihrer Führerschaft in Aussicht stellten, konnten zahlreiche thailändische Putschisten es kaum erwarten, die Macht in die Hände einer vertrauenswürdigen Zivilregierung zu legen, sobald dies gefahrlos möglich war. Sprich sobald die fraglichen Offiziere dem Militär den Rücken gekehrt, die Uniform mit einem Maßanzug vertauscht und sich lukrative Ministerposten gesichert hatten. Aus irgendeinem Grund nahm die Bevölkerung so etwas entweder nicht zur Kenntnis oder es war ihr egal.

Man muss den übersinnlichen Part mögen, denn so ausgeprägt war dieser Bereich noch nie. Kurzweilig und amüsant ist „Dr. Siri und der verschwundene Mönch“ allemal, wobei die drei Erzählstränge (Siri und Abt Rayron, Phosy und Dtui auf der Suche nach Noo sowie Civilai und der vermeintlich selbsternannte Buddha) immer wieder wechseln. Da die Geschichte gefühlt jeweils zur Hälfte in Laos und Thailand spielt, werden die Unterschiede der beiden Länder thematisiert. Gleiches gilt für deren Bevölkerungen und der politischen Lagen. Wie gewohnt kommentiert Colin Cotterill diese mit stets ironischen Unterton. Dazu gibt es ein Wiedersehen mit allen bekannten und oben vorgestellten Serienfiguren; Herr Geung und seine Freundin Tukta, beide leiden am Down Syndrom, nicht zu vergessen.

Für Fans der Serie einmal mehr ein Muss. Neueinsteiger sollten mit einem älteren Band einsteigen, da das Überirdische hier ein Tick zu dick aufgetragen ist.

Cover © Goldmann

  • Autor: Colin Cotterrill
  • Titel: Dr. Siri und der verschwundene Mönch
  • Originaltitel: I Shot the Buddha
  • Übersetzer: Thomas Mohr
  • Erschienen: 09/2019
  • Einband: Gebunden
  • Seiten: 412
  • ISBN: 978-3-442-31523-9
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite 
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 11/15 Siris


Über den Autor

Jörg Kijanski

Großer Krimifan seit Jugendzeiten, zudem seit 2005 vor allem als Redakteur für die Krimi-Couch und Histo-Couch tätig. Inzwischen haben sich über tausend Rezensionen angehäuft. Neu seit Sommer 2019 auch bei booknerds.de am Start.

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Colin Cotterill – Dr. Siri und der verschw…

von Jörg Kijanski Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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