Ein Polizistenmörder in Brunate?

Der tote Carabiniere
© Kampa Verlag

Mit der Standseilbahn ist es eine kurze Fahrt von Brunate runter nach Como, wo Marco Pellegrini als Commissario bei der Polizia di Stato arbeitet. Doch an diesem frühen Morgen ist es eine noch kürzere Fahrt, denn die Bahn scheint nach einigen Metern auf ein Hindernis gefahren zu sein. Bei diesem handelt es sich um den Dorfpolizisten Salvatore Bianchi, der etliche Meter mitgeschleift wird. Jede Hilfe kommt zu spät, doch war Bianchi womöglich schon vorher tot? Stürzte er von einer Straßenbrücke auf das Gleis oder wurde er von dieser gar gestoßen? Pellegrini, der in der Bahn saß und den Toten wie jeder andere in Brunate seit ewigen Zeiten kannte, ist zur Untätigkeit verdammt, denn ein toter Carabiniere ist nun mal ein Fall für die Carabinieri und somit für Maggiori Felipe Visconti, den Pellegrini allerdings für einen aufgeblasenen Volltrottel hält.

„Was fällt Ihnen ein, da einfach runterzugehen? Das ist ein Tatort! Hat man Ihnen denn gar nichts beigebracht?“

„Ein Tatort? Dann gab es ein Fremdverschulden? Vielleicht eine Amok laufende Bergbahn?“

„Sind Sie noch ganz bei Trost?“

„Nicht weniger als Sie. Ich verstehe nicht, warum Sie von einem Tatort sprechen. Bisher ist es der Fundort einer Leiche.“

Ermittlungen finden erkennbar nicht statt, Pellegrini verzweifelt mehr und mehr und nutzt die Gelegenheit, ein paar freie Tage in der elterlichen Bar della Funicolare auszuhelfen, die sich unmittelbarer Nähe der Bahnstation befindet. So hat er immerhin eine gute Gelegenheit, den Einheimischen beim caffè zuzuhören und natürlich ist hier der Tod von Bianchi das Thema…

Zweiter Fall für den eigenwilligen Pellegrini

Commissario Pellegrini ist ein eigenwilliger Kauz, der sich gegenüber seinen Mitarbeitern gerne distanziert zeigt, in der Familie als schwarzes Schaf gilt und gelegentlich zu cholerischen Anfällen neigt. Aber er ist auch ein guter Zuhörer, was ihm im vorliegenden Fall zupasskommt, denn von den zuständigen Carabinieri kommt derweil rein gar nichts. Da Pellegrini als Commissario arbeitet und den Toten seit Jahrzehnten kannte, ist es zudem glaubhaft, dass er sich zunehmend in den Vorgang einschaltet, zumal später ein weiterer Polizist in Brunate zu Tode kommt. Da Pellegrini offiziell nicht ermitteln darf, führt er vorsichtige Gespräche und greift hier und da was auf. Motive oder gar Verdächtige finden sich allerdings nicht und so kommt die Aufklärung des Falles ebenso plötzlich wie im Ergebnis unerwartet daher.

Der Schreibstil des Autors ist allerdings kurzweilig und recht unterhaltsam, die Geschichte bietet zudem viel Atmosphäre und italienisches Flair. Ein nicht unerheblicher Teil der Handlung spielt in besagter Bar della Funicolare, was erklärt, warum zahlreiche caffè getrunken und cornetto gegessen werden. Neben dem eher dünnen Krimiplot gibt es Einblicke in das angespannte Arbeitsklima auf Pellegrinis Questura in Como sowie in das noch angespanntere Verhältnis zu seiner Familie, vor allem zu seiner Mutter.

Trotz leidlich überschaubarem Spannungsbogen ein netter Mix für zwischendurch oder als Einstimmung für den nächsten Italientripp zu empfehlen.

Autor: Dino Minardi
Titel: Der tote Carabiniere
Verlag: Kampa
Umfang: 253 Seiten
Einband: Taschenbuch
Erschienen: Februar 2020
ISBN: 978-3-311-12010-0
Sonstige Informationen:
Produktseite 

Wertung:  10/15 dpt 


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