Aus dem Rotlichtmilieu ins noble College

Der Tod ist mein Nachbar
© Unionsverlag

Der Rektor des ehrwürdigen Londsdale College, Sir Clixby Bream, soll endgültig in den Ruhestand gehen, so dass ein Nachfolger zu finden ist. Denis Cornford und Julian Storrs sind die beiden einzigen Kandidaten und während sich beide in Zurückhaltung üben, ziehen deren – ehemals im Rotlichtmilieu tätigen – Ehefrauen im Hintergrund alle Register. Derweil wird am Bloxham Drive, einer nicht ganz unproblematischen Sozialsiedlung die neunundzwanzigjährige Rachel James durch einen Schuss durch ihr Küchenfenster tödlich getroffen. Chief Inspector Morse und Detective Sergeant Lewis übernehmen die Ermittlungen und finden heraus, dass Rachel ein Verhältnis mit Storrs hatte. Aber auch ihr Nachbar, der zwielichtige Journalist Geoffrey Owens, macht sich verdächtig. Unterlagen, die sich Morse ganz und gar nicht legal beschafft, legen den Verdacht nahe, dass er womöglich Storrs erpresst haben könnte.

Neuübersetzung aus dem Unionsverlag

Colin Dexter (1930-2017) schuf mit der Figur des besserwisserischen und trinkfesten Morse einen legendären Ermittler, wenngleich der ganz große Durchbruch in Deutschland wohl erst durch die Verfilmungen („Inspector Morse“, „Der junge Inspector Morse“ und „Lewis – Der Oxford-Krimi“) gelang. In den 1990er Jahren erschienen seine Bücher im Rowohlt Verlag, so auch der vorliegende zwölfte von insgesamt dreizehn Romanen. Jetzt erscheint „Death is Now My Neighbour“ (deutsche Erstveröffentlichung: 1997) im Unionsverlag in neuer, frischer Übersetzung und spielt in wenigen Szenen auf den Vorgänger „Die Töchter von Kain“ an.

„Soll ich ihnen alles sagen, was wir wissen?“

„Dazu werden Sie nicht lange brauchen.“

„Ich brauche also nichts zurückzuhalten?“

„Herrgott, Lewis, das hört sich ja an, als ob wir etwas hätten, das wir verbergen könnten. Wenn es so ist, warum sagen Sie es mir nicht als Erstem?“

Ansonsten – wen wundert’s – bleibt Dexter seinem Erfolgskonzept treu. Will heißen, dass Morse sich gegenüber Lewis und anderen mürrisch und schroff verhält, zumeist undankbar ist und natürlich alles besser weiß. Letzteres führt, seine Fans kennen es, dazu, dass er voreilig falsche Rückschlüsse zieht, die oft auf an den Haaren herbeigezogenen Theorien fußen, die selbst Lewis nicht nachvollziehen kann. Fairerweise muss man hinzufügen, dass Lewis nicht der klügste Ermittler der Thames Valley Police in Kidlington ist, wenngleich zum Finale der entscheidende Tipp immer von ihm kommt. Ein Tipp, den allerdings nur Morse mit seinem verqueren Denken auf Anhieb erkennt. Die Kreuzworträtsel der Times lassen grüßen.

„Haben Sie nicht eben behauptet, dass die beiden unter einer Decke stecken?“

„Dass ich es für möglich halte, habe ich gesagt. Ich denke ja nur laut, Lewis. Einer von uns muss schließlich die Denkarbeit leisten. Und ich bin ziemlich kaputt und mit Bier beträchtlich unterversorgt. Da müssen Sie schon ein bisschen Nachsicht walten lassen.“

Morse ist aber nicht nur mies gelaunt, sondern bringt seinen Denkapparat regelmäßig mit reichlich Bier und Whisky in diversen Pubs ans Laufen. In Kombination mit zahlreichen Zigaretten führt dies einmal mehr zu einem unerwarteten Krankenhausaufenthalt. Anders als üblich aber hat Morse dieses Mal sogar Glück mit den Frauen oder besser gesagt nur mit einer, womit das Buch letztlich ausklingt.

Für Fans der Reihe eine große Lesefreude, für alle anderen Krimifans bietet die Neuübersetzung eine gute Gelegenheit, einen großen Krimiautoren kennenzulernen. Britischen Humor gibt’s gratis dazu.

  • Autor: Colin Dexter
  • Titel: Der Tod ist mein Nachbar
  • Originaltitel: Death is Now My Neighbour. Aus dem Englischen von Ute Tanner
  • Verlag: Unionsverlag
  • Umfang: 315 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Februar 2021
  • ISBN: 978-3-293-20843-8
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite 

Wertung:  12/15 dpt


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