Dagmar Maria Toschka – Alte Anker rosten nicht

Gefangen auf einem Flusskreuzfahrtschiff

Alte Anker rosten nicht
© Gmeiner

Linda Weißenberg erhält zum Geburtstag von ihrem Mann Adrian eine Kreuzfahrt geschenkt, wobei dieser womöglich etwas falsch verstanden hatte.

„Mensch, Maike, ich träumte von romantischen Abenden mit Blick auf türkisblaues Wasser, bunten Schirmchencocktails in der Hand und einer lauen Karibikbrise im Haar. Diese Reise geht von Köln nach Straßburg. Demnach steht uns eine Woche auf grauem Flusswasser bevor, mit einem Regenschirm in der Hand und einer rheinischen Schlechtwetterfront im Haar.“

Für ihren Mann springt kurzerhand ihre Cousine Maike ein, denn zuhause wütet seit dem Geburtstag ein wilder Orkan, der Lindas bisheriges Leben in den Abgrund zu reißen droht. Erst heiratet völlig überstürzt Tochter Floriane, um genau so schnell mit ihrem Mann ans andere Ende der Welt zu fliegen, und dann erwischt Linda ihren Adrian auch noch in einer recht eindeutigen Situation mit Florianes neuer Schwiegermutter. Auf dem Flusskreuzfahrtschiff „River Diamond“ soll ein wenig Zerstreuung her, während Linda mit dem Schicksal hadert und nicht weiß, wie es weitergehen soll, zumal sie als Hausfrau und Mutter bislang von ihrem Mann finanziell abhängig war. Gemeinsam mit der leicht ordinären Enni werden Kekse konsumiert, die nicht nur die üblichen Zutaten enthalten, sowie reichlich dem Alkohol zugesprochen. Als der attraktive Gunnar Behorn auf das Damentrio aufmerksam wird, glaubt Enni, ihren Traummann gefunden zu haben. Doch dieser scheint sich nur für Linda zu interessieren, worauf diese gegen 19 Uhr in dessen Kabine landet.

Am nächsten Morgen wird sie von der Polizei geweckt, denn Gunnar ging in der Nacht über Bord. Da er noch weitere Damen zu einem Stelldichein eingeladen hatte, erscheint es naheliegend, dass sein Abgang nicht freiwillig erfolgte. Die „River Diamond“ muss zurück nach Köln-Deutz, wo sie im Hafen liegt, bis die Ermittlungen von Kommissar Raimund Golt abgeschlossen sind. So wird das Schiff zu einer Art Luxusgefängnis für mehrere Passagiere, die sich zu allem Überfluss ihrer kompletten Kleidung entledigen müssen, damit diese kriminaltechnisch untersucht werden können.

Eine Hausfrau will ihr Leben zurück und ihre Unschuld beweisen

„Alte Anker rosten nicht“ bietet ein eher ungewohntes Setting und wartet zunächst mit einigen recht skurril erscheinenden Figuren auf. Derweil betrinken sich Linda, Maike und Enni ordentlich, bevor sie auf Gigolo Gunnar hereinfallen, der sich an die Frauen heranmachte, um seiner Ex-Frau, die die Rezeption des Schiffes leitet, einmal mehr eins auszuwischen. Die polizeilichen Ermittlungen finden am Rande statt, da der Fokus auf Ich-Erzählerin Linda liegt. Diese hat sich ihr Leben lang um den Haushalt, ihren Mann und vor allem ihre Tochter gekümmert. Das monotone Familienleben liegt nun gründlich in Scherben, was dazu führt, dass sie über ihre Zukunft ganz neu nachdenken muss. Da sie bisher immer nur für andere da war, aber nie an sich selber dachte, eine etwas schwierige Situation.

Linda, die Protagonistin, sinniert also über ihr bisheriges Leben, ihren frustrierten Ehemann und die geliebte Tochter, die sie von einem Tag auf den anderen Richtung Australien verließ. Dabei ergeht sich Linda in einer triefenden Mischung aus Unbeholfenheit und Selbstmitleid, welches durch etliche Wiederholungen ihrer Gedankengänge ein wenig anstrengend ist und die gutmütige Frau des Öfteren unsympathisch wirken lässt.

Es kommt zu einigen seltsam-lustigen Vorfällen an Bord des Schiffes, wobei das Verhalten nahezu aller Beteiligten ein hohes Maß an Fantasie erfordert, um dieses nachvollziehen zu können. So müssen, wie erwähnt, alle Verdächtigen ihre gesamte Kleidung abgeben, so dass ihnen nur noch der Bademantel aus ihren Kabinen bleibt. Wer sich an solchen arg konstruierten, um nicht zu sagen unrealistischen Szenen, aus denen sich dann natürlich weitere skurril anmutende Begebenheiten ergeben, nicht stört, mag zugreifen. Das teils banale Geschwätz von Linda nervt zwar mit zunehmender Dauer, aber die eine oder andere (unfreiwillige) Situationskomik gleicht dies mitunter aus. Und siehe da: Die bislang in ihrer Ehe gefangene Linda findet plötzlich andere Männer attraktiv. Ob wohl einer von ihnen Gunnars Mörder ist?

  • Autorin: Dagmar Maria Toschka
  • Titel: Alte Anker rosten nicht
  • Verlag: Gmeiner
  • Umfang: 281 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: April 2021
  • ISBN: 978-3-8392-2852-4
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite 


Wertung: 10/15 dpt


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