Verrat in der Bucht (Film)

1944 erhält eine Spezialeinheit den Auftrag, sich auf der philippinischen Insel Siarago mit einem Doppelagenten (die sich als -agentin entpuppt) zu treffen, um nach einem Informationsaustausch einen kriegsentscheidenden Funkspruch abzusetzen. Acht hartgesottene Marines mit Spezialfähigkeiten und Air Force-Funker James Grenier, dessen Einsatzbefähigung darin besteht, dass der eigentliche Mann am Funkgerät krankheitsbedingt ausgefallen ist. Grenier, gespielt von Robert Mitchums Sohn (unübersehbar) James, ist der Off-Erzähler des Films. Insofern kann man davon ausgehen, dass das Greenhorn die unvermeidlichen Kampfhandlungen durchstehen wird.

Die Überlebenschancen der restlichen Beteiligten sehen schlechter aus, denn im Dschungel warten Teile der japanischen Armee, Panzer und tödliche Fallen, um die harte Männerschar zu dezimieren.
Man schleicht und kämpft sich durchs Gelände, muss erhebliche Widrigkeiten überwinden, um am Ende, gemeinsam mit der aufopferungsvollen Agentin Miyazaki, General Arthurs Kriegsflotte eine sichere Landung gewähren zu können.

“Verrat in der Bucht” ist eine typische Men on a Mission-Mär, wie sie (nicht nur) in den Sechzigern beliebt war. Bekannte Beispiele sind “Die Kanonen von Navarone”, “Das Dreckigen Dutzend”, “Agenten sterben einsam” oder “Stoßtrupp Gold”. Als Kriegsfilme getarnte Abenteuergeschichten, die von ewigen Bewährungsproben unterschiedlicher Charaktere erzählen.

Die Crew von “Verrat in der Bucht” ist besetzt mit den üblichen Stereotypen. An der Spitze steht der harte Sergeant Corey, der das Missionsziel über alles stellt, weswegen er mit dem nachdenklichen Grenier permanent aneckt. Dann gibt es den loyalen Sgt. Wartell, dargestellt von Mickey Rooney. Womit klar ist, wer für die marginale Komik zuständig ist. Zumindest für eine (überflüssige) exponierte Comedy-Einlage mit Handgranaten.

Der Rest der Truppe ist, trotz angeblicher Top-Ausbildung und herausragender Fähigkeiten, kaum mehr als Kanonenfutter. So gibt der eigentliche Anführer Captain Davis bereits nach wenigen Minuten den Löffel ab, damit sich Corey profilieren kann. Es setzt ein paar standesübliche Frotzeleien zwischen dem sanftmütigen Air-Force-Mann Grenier und seinen toughen Kameraden, aber das war es auch schon mit deren aktiven Beteiligung.

Kleiner SPOILER: Zum Sterben dürfen sich die Herrschaften stellenweise recht dämlich anstellen. So befestigt Sprengstoffexperte Private Reynolds eine Ladung Plastiksprengstoff an einem Panzer. Anstatt in Deckung abzuwarten, bist der Panzer explodiert, läuft er lieber übers freie Feld und lässt sich exekutieren. Klarer Fall von Todessehnsucht. SPOILER Ende.

Die japanischen Gegner bleiben völlig einem mörderischen Klischee verhaftet und dürfen gesichtslos töten oder sterben. Lediglich Captain Koyamatsu wird von Miyazaki, die, ebenfalls als wandelndes Abziehbild, in einem “Teehaus” arbeitet, das Attribut “menschliches Schwein” verliehen. Miyazaki bekommt, neben Grenier, immerhin ein paar kritische Charakterzüge und darf darüber räsonieren wie widersinnig es eigentlich ist, dass sie ihr Leben für die USA riskiert, während ihre Familie, daheim in Long Beach, in einem Internierungslager eingesperrt ist. Aber derartige Untertöne werden nicht vertieft, schließlich sind wir auf einer kriegerischen Mission. Und die will erfüllt werden, auch wenn es unnötige Opfer kostet.

TV-Routinier Ron Winstons Inszenierung, an dessen Drehbuch der nicht gänzlich unbekannten Ib Melchior beteiligt ist, bleibt seinem angestammten Medium treu. Er nutzt die Exotik der Originalschauplätze für kaum mehr als halbwegs stimmungsvolle Reisebilder. Die Action ist ruppig, aber die Gewalt nicht sonderlich exzessiv, auch wenn das Blut knallrot fließen darf. Erschütterung angesichts des Kriegsgrauens stellt sich zu keinem Zeitpunkt ein. Wirkt eher wie eine Paintball-Exkursion, die man zufällig in den Dschungel verpflanzt hat.

Ergibt ein Abenteuerfilmchen von der Stange, mit einer der seltenen Hauptrollen James Mitchums und einem Wiedersehen mit Ex-“Wyatt Earp” (und letztes Opfer des Scharfschützen John Wayne) Hugh O’Brian, der als Sergeant Corey seine schablonenhafte Rolle solide runterspielt. Wobei der restliche Cast auch nicht unangenehm auffällt.

Das Bild der Blu ray ist klar und satt konturiert, man kann jede französische Nacht genießen. Als das, was sie ist: Ein mäßig tauglicher Versuch uns sonnenblauen Himmel als Abendstimmung zu verkaufen. Immer wieder ein bisschen surrealistisch.

Fazit: “Verrat in der Bucht” ist ein gediegener Abenteuerstreifen mit fragwürdigem Menschenbild, wenig erhellenden Dialogen und ein bisschen launiger Action. In erster Linie besticht das schmucklos in Szene gesetzte Werk durch seine Bilder aus dem feucht-dampfenden philippinischen Dschungel. Nichts für Feingeister.

Cover © Explosive Media, Koch-Media

  • Titel: Verrat in der Bucht
  • Originaltitel: Ambush Bay
  • Produktionsland und -jahr: USA, 1966
  • Genre:
    Kriegsfilm, Abenteuer, Action
  • Erschienen: 27.05.2021
  • Label: Koch Media
  • Spielzeit:
    105 Minuten auf 1 DVD
    109 Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller:
    Hugh O Brian
    Mickey Rooney
    James Mitchum
    Tisa Chang
  • Regie: Ron Winston
  • Drehbuch: Ib Melchior
    Marve Feinberg
  • Kamera: Emmanuel Rojas
  • Schnitt: John Schreyer
  • Musik: Richard La Salle
  • Extras:
    Trailer, Bildergalerie
  • Technische Details (DVD)
    Video: 
    16:9, 1,85:1
    Sprachen/Ton
    :
    D, GB,
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    16:9, 1,85:1
    Sprachen/Ton
    :
    D, GB, DTS-HD Master Audio 2.0 
    Untertitel:
    D, GB
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite


    Wertung: 8/15 dpt


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