Prime Cut
© Knaur

Alan Carter – Prime Cut (Buch)

 

Actionreicher Auftakt der Cato-Kwong-Reihe

An seinen letzten großen Einsatz mit seinem früheren Chef, Detective Inspector Mick Hutchens, jetzt Leiter der Kripo in Albany, erinnert sich Philip „Cato“ Kwong höchst ungern, denn während Hutchens relativ weich fiel, wurde Kwong zurückgestuft und vom Morddezernat zum Viehdezernat versetzt. Hätte er mal besser keine Beweise manipuliert. Doch ein menschlicher Torso am Strand vom Hopetoun bringt Kwong zurück ins Spiel. Aufgrund hohen Personalmangels bittet ihn Hutchens, zumindest vorübergehend die Ermittlungen vor Ort zu übernehmen. Der Tote könnte durchaus Opfer eines Haiangriffes gewesen sein, gäbe es nicht eine eindeutige Spur im Halsbereich.

„Haiangriff?“

„Damals in Kapstadt habe ich einige Opfer gesehen, ja, diese Verletzungen sind typisch für Haiangriffe.“

„Sieht aus, als hätten sie die glatt abgebissen.“

„Schon möglich. Aber ich würde mir eher Gedanken um die Wunde am Hals machen.“

„Wieso?“

„Im Vergleich zu den sonstigen Löchern und Rissen ist sie sehr sauber. Sieht aus, als hätte jemand die Wirbelsäule mit einer scharfen Klinge durchtrennt. Entweder hatte unser Hai tadellose Tischmanieren … oder aber jemand hat diesem armen Mann den Kopf abgeschnitten.“

Kwong leitet ein kleines Team, welches zunächst nicht von der Stelle kommt, da die Identität des Opfers völlig unklar bleibt. Da es sich um einen Chinesen handeln könnte, führt eine erste Spur zu einer neuangelegten Nickelmine, der das bis dato beschauliche Hometoun einen großen Boom zu verdanken hat. Dort lässt sich gutes Geld verdienen, wenngleich nicht alle davon profitieren. Gerade die chinesischen Arbeiter leben unter höchst unwürdigen Umständen. Vermisst wird jedoch niemand. Als nach einigen Tagen ein an den Ermittlungen beteiligter Polizist ermordet wird, kommt Bewegung in die Sache. Hutchens persönlich erscheint vor Ort, um mit großer Mannschaft pressewirksam die Ermittlungen an sich zu reißen. Kwong ahnt Böses.

Derweil wird der frühere Detective Sergeant Stuart Miller an seinen grausamsten Fall erinnert. 1973 ermordete Davey Arthurs in Sunderland, England, seine Frau und seinen Sohn mit einem Stromschlag. Zusätzlich erschlug er beide. Jetzt stolpert Miller über einen Zeitungsartikel, in dem ein alter Fall aus Australien aus dem Jahr 1981 erneut aufgerollt wird. Der Verdächtige Derek Chapman soll damals seine Frau sowie die drei Kinder auf die gleiche Weise wie Arthurs ermordet haben.

Preisgekröntes Krimidebüt aus Down Under

Australien als Krimischauplatz ist längst keine Seltenheit mehr, zumal die illustre Schar der Autorinnen und Autoren überzeugt. Allen voran wäre wohl Garry Disher zu nennen, nachdem die frühere „Nummer Eins“ Peter Temple verstarb. Paul Cleave (gut, Neuseeland) und David-Whish-Wilson sind zu nennen und natürlich Candice Fox. Alan Carter, für „Prime Cut“ in 2011 mit dem Ned Kelly Award for Best First Fiction ausgezeichnet, reiht sich hier mühelos ein. Erst kürzlich erschien übrigens sein neuester Roman „Doom Creek“, der in Neuseeland spielt.

Zurück zu „Prime Cut“. Der packende, mitunter etwas Überladene und im Stile eines hardboiled geschriebene Krimi überzeugt in mehreren Hinsichten. Da wäre die schon angesprochene Landschaft, gelegen am Südpolarmeer, die der Autor bestens kennt und eindrucksvoll vorstellt. Überzeugend sind die detaillierten Einblicke in die Arbeit der Polizei sowie in die Situation der Minenarbeiter, bei der sich auffällige Parallelen zeigen. Korruption und Rassismus seien als Beispiel genannt, denn das die Polizei nicht immer sauber arbeitet, war ja bereits die Ausgangslage des Romans.

„Ausbeutung, skrupellose Bosse, fehlende Handys, schwachsinnige Geständnisse. Niemand interessiert sich auch nur die Bohne für diese verdammte Chen-Geschichte – außer dir. Warum schicken wir diese verlogenen Streithähne nicht einfach nach Hause und legen die Sache zu den Akten?“

Cato fiel keine Antwort ein, in der nicht weltfremde Begriffe wie Wahrheit, Gerechtigkeit, richtig und falsch vorgekommen wären.

In dieses düstere, oft gewalttätige Setting passt die Hauptfigur, die eigentlich ein gutes Herz hat, allerdings eben auch mindestens einmal deutlich gegen die Vorschriften verstieß. Eine Charakterschwäche mit Tendenz der Verantwortung zu entfliehen, die Cato bis heute behalten hat; auch bei seinen missglückten Beziehungen. Apropos Cato: Es ist eine Reminiszenz an den legendären Diener von Inspector Clousseau.

Auch wenn „Prime Cut“ erstmals 2015 in Deutschland erschien (die vorliegende Rezension bezieht sich auf die vollständige Taschenbuchausgabe aus 2018), hat dieser nichts von seiner Stärke verloren. Im Gegenteil: Nach wie vor ein „dreckiger“ Tipp!

  • Autor: Alan Carter
  • Titel: Prime Cut
  • Originaltitel: Prime Cut. Aus dem Englischen von Sabine Schulte
  • Verlag: Knaur
  • Umfang: 395 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: August 2018
  • ISBN: 978-3-426-51959-2
  • Produktseite 


Wertung: 13/15 dpt


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