Mehr als 50 Verlage auf Eigeninitiative vom 18. bis 20. März in Leipzig – eine alternative Buchmesse entsteht

Klein aber fein: Über 50 Verlage präsentieren sich nun doch in Leipzig zum buchmesse_popup

Nach der offiziellen Absage der Leipziger Buchmesse 2022 am 9. Februar, dem dritten Jahr in Folge, sprachen sich viele Stimmen der Buchbranche gegen die Entscheidung aus. Unter anderem die “Verlage gegen Rechts”1 veröffentlichten einen Statement zur Absage der Leipziger Buchmesse. Darin heißt es.

Die Absage der Leipziger Buchmesse ist nicht nur für Verlage, Autorinnen und die Region Leipzig ein ökonomischer Verlust, sie ist ein schwerer Schlag gegen die Kulturlandschaft und zeugt von gesellschaftspolitischer Kurzsichtigkeit. Büchermacherinnen bestellen die Felder Sprache, Erzählung, Bildung, Wissen, Weltwahrnehmung, Geschichte. Ohne ihre idealistische Hingabe veröden diese Felder und werden zu Monokulturen profitorientierter Bewirtschaftung. Bibliodiversität bedarf kulturellen Verantwortungsgefühls, publizistischer Vielfalt und des solidarischen Miteinanders. Die Leipziger Buchmesse ist ein Ort, dies zu zeigen und zu feiern, und Motor zugleich, sie ermöglicht Begegnungen und Entdeckungen, die nicht einem unmittelbaren Verwertungszwang unterworfen sind. Offener Brief zur Absage der Leipziger Buchmesse 2022

Und auch der Verlag danube books fand in seinem Newsletter klare Worte:

Damit die Unabhängigen nicht zwischen den Konzernverlagen zerrieben werden, wird es Zeit für eine Messe ausschließlich der unabhängigen Verlage, bei der die Literatur im Vordergrund steht. Newsletter von danube books, 10.02.2022
Hielt der Verlag nach eigener Aussage doch am Tag der Absage der Messe noch an seiner Buchung fest und stand damit nicht alleine da: Einen Tag vor dem Messe-Aus veröffentlichte die Kurt-Wolff-Stiftung2 das Ergebnis einer tagesaktuellen Kurzumfrage, laut derer 85% der unabhängigen Verlage im Freundeskreis der Stiftung ebenfalls an ihrer Buchung als Teilnehmer auf der Messe festhielten3 Diese Zahl mag überraschen, da Buchmessedirektor Oliver Zille am Tag danach die Absage der Messe unter anderem mit “personellen Engpässen bei sehr vielen Aussteller:innen4 begründete.

Der Unmut über die Absage der offiziellen Buchmesse trägt nun Früchte:
Vom 18. bis 20. März 2022 findet die buchmesse_popup im “Werk 2 – Kulturfabrik e. V.” in Leipzig statt. Über 50 Verlage präsentieren dort ihre aktuellen Titel. Mit dabei sind u. a. die Aufbau Verlage, C.H.Beck, Hanser, Jung und Jung, Kampa, Kanon, Katapult, Klett-Cotta, Kunstmann, Mare, Matthes & Seitz, Schöffling, Suhrkamp/Insel, Verbrecher, Voland & Quist und Wagenbach.
Zusätzlich werden einige Lese-Veranstaltungen in den zugehörigen Räumlichkeiten der “Cammerspiele” angekündigt, die an das ebenfalls abgesagte Event “Leipzig liest” erinnern. Der Besuch der Popup-Buchmesse ist aktuell unter der 2G+ Regelung möglich. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite der Veranstaltung.

“Die Initiative ist als einmaliges Ereignis gedacht. Sie richtet sich nicht gegen die etablierte Messe. Und sie richtet sich auch ausdrücklich nicht gegen die Verlage, die aus nachvollziehbaren Gründen ihre Teilnahme an der Leipziger Buchmesse abgesagt haben.”, betont Tom Kraushaar von Klett-Cotta in der aktuellen Pressemitteilung zum Event. Die Idee der Alternativ-Veranstaltung ins Leben gerufen haben Leif Greinus vom Verlag Voland & Quist und Gunnar Cynybulk vom Kanon Verlag:

Nach der Absage der hochgeschätzten Leipziger Buchmesse wollten wir nicht untätig bleiben. Unser aller Autor:innen und ihre Bücher brauchen die positive Energie, die von Leipzig im Frühjahr ausgeht.Die Initiatoren der 'Buchmesse Popup'

Diese erfreuliche Meldung für alle Fans der Leipziger Buchmesse wird sicherlich für große Resonanz sorgen. Bleibt abzuwarten, wie mit dem Besucherstrom angesichts der aktuell geltenden Sicherheitslage umgegangen werden kann.


Verwendete Fußnoten im Text:
  1. Ein Aktionsbündnis gegen rassistisches, antifeministisches und homofeindliches Gedankengut aus über 80 Verlagen, 200 Einzelpersonen und Initiativen()
  2. Die Kurt-Wolff-Stiftung wurde zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene im Jahr 2000 von unabhängigen Verlegerinnen und Verlegern sowie dem damaligen Kulturstaatsminister Dr. Michael Naumann gegründet. Der Name der Stiftung erinnert an den bedeutenden Verleger des deutschen Expressionismus, der von 1887 bis 1963 lebte und mit dem Kurt Wolff Verlag unter anderem in Leipzig wirkte. Mehr dazu auf der Webseite der Stiftung.()
  3. vgl. hierzu das Statement auf der Webseite vom 8. Februar.()
  4. vgl. hierzu die Booknerds-News vom 10. Februar()
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