Joner Storesang – Perfect World. Nichts scheint, wie es ist (Buch)

Hollywoodreifer Actionkracher aus dem Ruhrgebiet

Perfect World. Nichts scheint, wie es ist.
© Grafit

Auf dem Weg zur Arbeit will Eva Bellheim, die für den Duisburger Oberbürgermeister Peter Averdunk als Imageberaterin tätig ist, wie gewöhnlich zunächst ihre Kinder, den sieben Jahre alten Marc und die dreizehnjährige Johanna, zur Schule fahren. Sie hatte mit ihrem Mann Daniel die Wagen getauscht, der mit ihrem Volvo beruflich nach München fahren wollte. Bei einer Verkehrskontrolle erfährt Eva, dass der Wagen jedoch in Friemersheim gefunden wurde. In dem Volvo findet die Polizei ein Smartphone, welches nicht Daniel gehört und ein dort gefundener Chatverlauf legt nahe, dass womöglich eine andere Frau im Spiel sein könnte. Viel Zeit nachzudenken hat Eva nicht, denn kurz darauf platzt sie verspätet in eine Pressekonferenz ihres Chefs, in der dieser auf einen vermeintlich großen Spendenskandal angesprochen wird. Sein Konto wurde gehackt und offenbar gab es eine Wahlkampfspende aus China und zwar ausgerechnet von jener Bank, die die Digitalisierung der Stadtverwaltung vorantreiben möchte. Die Parteifunktionäre ziehen die Reißleine, Eva verliert ihren Job.

Verrat. Alles beginnt mit Verrat und es endet mit Verrat.

Der Ehemann ist auf ominöse Weise verschwunden, der gut bezahlte Job ebenfalls weg. Schlechter kann der Tag kaum werden, doch als sie ihre Kinder von der Schule abholen möchte, geht der Alptraum erst richtig los. Von Johanna fehlt jede Spur, eine geplante Entführung von Marc kann Eva nur in letzter Sekunde mit fremder Hilfe vereiteln. Von Daniels bestem Freund erfährt Eva, dass dessen Versicherungsagentur mehr als schlecht lief und stößt in Röttgersbach auf ein Haus, welches Daniel gekauft hat und für einen Neuanfang nutzen wollte. Hier lernt Eva die undurchsichtige Franka Auer kennen, die in Daniels Geheimnisse eingeweiht zu sein scheint. Auch Johanna scheint dieses Haus bestens zu kennen, denn hierhin flüchtete sie. Das Wiedersehen ist von kurzer Dauer, denn von der befreundeten Journalistin Ellie erfährt Eva, dass Daniel offenbar in große Geschäfte mit einer russischen Bank geraten ist, die der Mafia gehört. Wenig später geraten Marc und Johanna dann doch in die Hände skrupelloser Verbrecher. Ausgerechnet Franka, die mit ihrem Partner Hendrik das „Center“ leitet, eine Hilfsorganisation, die besagter Mafia den Kampf angesagt hat, bietet ihre Hilfe an. Doch wenn Eva schon ihren Mann nicht richtig kannte, wem kann sie dann überhaupt noch trauen?

Wendungsreiches Roadmovie mit geballter Frauenpower

Joner Storesang arbeitete anderthalb Jahrzehnte als Drehbuchautor, was, wenn man den Roman liest, keiner besonderen Erwähnung bedarf. Würde man „Perfect World“ verfilmen, man müsste lediglich die Handlung von Duisburg in eine amerikanische Kleinstadt adoptieren. Zunächst reibt man sich gemeinsam mit der Protagonistin die Augen und wundert sich, wie viele Wendungen ein Plot nehmen kann. Im Stile eines Roadmovies ist Eva im weiteren Verlauf viel auf Achse, an ihrer Seite Fanka und Edwin. Drei Personen die Gewalt grundsätzlich ablehnen, es aber unbewaffnet mit einer unbekannten Anzahl bewaffneter und skrupelloser Mafiaschergen aufnehmen, wenn es gilt die beiden Kinder aus der Gefangenschaft zu befreien. Dass sich Eva um ihre Kinder große Sorgen macht ist verständlich und dass sie, da ihr privates Weltbild gerade komplett zerstört wurde, durch den Wind ist und zu irrationalen Handlungen neigt, mag man auch einsehen. Korrektur: Man muss es einsehen oder besser noch, man denkt erst gar nicht darüber nach. Im Roman wird erwähnt, dass den Doppelanschlag auf das World Trade Center auch niemand für möglich gehalten hätte und so können die drei unbewaffneten Helden dann auch zur besagten Befreiungstat schreiten. „Perfect World“ ist ein Roman, da geht alles und – seien wir ehrlich – die „Stirb-Langsam-Filme“ mit Bruce Willis waren doch nicht alle schlecht. Nur als Beispiel. Immerhin, in „Perfect World“ sind ausschließlich die Frauen die Helden.

Sie sollten besser an sich denken. Sie verstehen es immer noch nicht. Männer wie Olschenko werden nicht so reich, indem sie wie Sie einen über vierzig Jahre ausgefeilten Sparkassen-Sparplan verfolgen. Sie gehen Handschlagsbündnisse ein. Mit Leuten, denen niemand jemals begegnen will.

Stellt man Teile des Inhalts und dass Verhalten der Figuren in manchen Situationen einmal zurück beziehungsweise lässt die Logik außen vor, dann ist „Perfect World“ ein grundsolider Actionkracher, der Genrefans begeistern wird. Wie schon erwähnt gibt es zahlreiche Wendungen, gute Cliffhanger, toughe Frauen, jede Menge Verfolgungsjagden sowie Verrat und Verräter wohin man blickt. Wie der Untertitel schon verrät „Nichts scheint, wie es ist.“ Dies gilt auch für die Bezeichnung „Kriminalroman“ auf dem Buchcover.

  • Autor: Joner Storesang
  • Titel: Perfect World. Nichts scheint, wie es ist
  • Verlag: Grafit
  • Umfang: 320 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: April 2022
  • ISBN: 978-3-89425-791-0
  • Produktseite  


Wertung: 10/15 dpt

 


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