Roddy Doyle – LOVE (Buch)

© GOYA Verlag

In dem Roman „Love“ des Schriftstellers Roddy Doyle beschreiben sich Davy und Joe bei nicht nur einem Glas Bier die Liebe und wie sich diese in all ihren Facetten auf den Hauptteil ihres Lebens auswirkt.

Dublin ist die Hauptstadt Irlands und nur allzu bekannt für ihre wohlgenährte Dichte an Pubs. In genau so einen verschlägt es auch die alten Freunde Davy und Joe. Diese treffen sich nach langer Zeit wieder und beginnen da anzusetzen, wo sie vor vielen Jahren aufgehört haben, nämlich beim nächsten Pint.

Davy, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, ist wie sein Freund Joe um die sechzig Jahre alt und kann zu Beginn nicht mehr klar sagen, ob er Joe überhaupt noch als Freund bezeichnen kann, schließlich sind ihre Treffen mit den Jahren mehr als sporadisch geworden. Beide befinden sich im fortgeschrittenen Alter und bemerken, dass es wieder einmal länger als gedacht her ist, dass sie sich das letzte Mal sahen. Nachdem jedoch das erste Glas geleert und das Geplänkel über Familie ausgetauscht ist, werden die beiden Freunde redselig und sie beginnen in Erinnerungen zu schwelgen. Die Gespräche werden mit jedem Glas eindringlicher und auch das ein oder andere Geheimnis kommt zum Vorschein. Besonders beeindruckt waren beide damals von der hübschen Jessica, die sich, wie auch Davy und Joe, oft in ihrem Stamm-Lokal aufhielt. In der Gegenwart sind beide Männer längst verheiratet und doch kommen sie immer wieder auf diese eine Frau zu sprechen, die ihnen auch nach so langer Zeit einfach nicht aus dem Kopf zu gehen scheint. Der Grund scheint der zu sein, dass Jessica die beiden Männer an ihre vergangenen Jugendtage erinnert, als sie sich auf der Suche nach sich selbst befanden und mit einer ungemeinen Neugier auf das weibliche Geschlecht auf Abenteuer aus waren:

Deshalb waren wir gekommen. Um den Absprung zu schaffen. Um der Musik gerecht zu werden, die wir hörten, und den Büchern, die wir lasen. Um breite Straßen entlangzulaufen statt Sträßchen, einen richtigen Fluss zu überqueren, in den Pubs zu sitzen, in denen Behan und Flann O`Brien gesessen hatten, um Frauen zu finden, die uns sähen, uns verstünden und festhielten oder Dinge mit uns anstellten.

Doyle lässt seine Figuren pathetisch über ihre damaligen Entscheidungen sinnieren und auch über das Verhältnis zu ihren Ehefrauen tauschen sie sich eingehend aus. Joe gesteht Davy dabei auch ein Geheimnis, ohne zu wissen, dass auch Davy ein solches hütet. In ihren Ausführungen werden sie teilweise so energisch, dass es fast den Anschein hat, dass sie sich am liebsten, wie zwei Jungen raufen würden, was nicht zuletzt dem steigenden Alkoholpegel zuzuschreiben ist. An anderer Stelle sind sie komplett einer Meinung und Davy erinnert sich, warum der Kontakt zu Joe doch nie ganz abgerissen ist.

Ich kannte Joe – vielmehr, ich dachte, ich würde ihn kennen. Wir hatten den Abend mit seiner Geschichte begonnen, wir würden ihn mit seiner Geschichte beenden.

Als Davy plötzlich einen Anruf aus dem Hospiz erhält und er daraufhin sofort los muss, erfährt die Freundschaft der beiden Männer einen neuen Auftrieb und sie lernen sich noch einmal auf einer neuen Ebene kennen, die ihnen aus ihrer Jugend noch nicht bekannt war.

Roddy Doyle beschreibt in seinem Roman „Love“ eine Männerfreundschaft, die ihre Ecken und Kanten hat und in ihrer Gesamtheit nicht stabil ist. Lediglich einzelne Pfeiler, die sich in den sporadischen mit Bier durchtränkten Treffen der beiden wiederfinden, halten diesen Begriff aufrecht und lassen beim Lesen durchblicken, warum es diese Freundschaft immer noch gibt. Wenn es zu einer solchen Zusammenkunft kommt, werden die Gedanken von Joe und Davy mit Hilfe von mehreren Glas Bier aufgerüttelt und an vielen Stellen mit der entsprechenden Rhetorik nonchalant formuliert. Das kommt vor allem durch die langen Dialoge zum Ausdruck, die sich durch das komplette Buch ziehen und welche in sich kurz und nicht selten schnoddrig geprägt sind. An einigen Stellen wirkt das sehr angestrengt, vor allem, wenn die beiden zum dritten Mal streitend um das gleiche Thema kreisen. So entsteht das Gefühl, es wäre von Vorteil, sie würden sich, zwischen dem ein oder anderen Bier, ein Glas Wasser gönnen, um ihrer Gedanken wieder Herr zu werden. Dadurch hat der Roman seine Längen, die sich erst gegen Ende verlieren. Denn dort wird ersichtlich, dass auch die Liebe in der Gegenwart, in all ihren Facetten nicht minder spannend ist als die Liebe, die die zwei Männer in ihrer Vergangenheit so stark geprägt hat.

Wer sich dem ein oder anderen Gläschen beim Lesen und auch den flapsig gehaltenen Dialogen zugewandt fühlt, die sich an jeder Ecke des Romans finden lassen, ist gerne eingeladen sich dieser Lektüre zu widmen.

  • Autor: Roddy Doyle
  • Titel: LOVE  – Alles was du liebst
  • Originaltitel: LOVE
  • Übersetzerin: Sabine Längsfeld
  • Verlag: GOYA
  • Erschienen: 2021
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 352
  • ISBN:978-3-8337-4335-1
  • Erwerbsmöglichkeiten


Wertung: 8/15 dpt

 


2 Kommentare
  1. Vielen Dank für Ihre Rezension. Ist wirklich sehr gut geschrieben und ich musste an manchen Stellen schmunzeln. Das habe ich ähnlich empfunden und war mir anfangs nicht sicher, ob ich es lesen soll. Mir wurde bei dem Buch etwas zu viel über den Konsum von Bier als über die Liebe geredet, aber das ist ja immer subjektiv.

Schreibe einen Kommentar

Hinweis: Mit dem Absenden deines Kommentars werden Benutzername, E-Mail-Adresse sowie zur Vermeidung von Missbrauch für 7 Tage die dazugehörige IP-Adresse, die deinem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, in unserer Datenbank gespeichert. E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden selbstverständlich nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Du hast die Option, Kommentare für diesen Beitrag per E-Mail zu abonnieren - in diesem Fall erhältst du eine E-Mail, in der du das Abonnement bestätigen kannst. Mehr Informationen finden sich in unserer Datenschutzerklärung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ähnliche Beiträge

Du möchtest nichts mehr verpassen?
Abonniere unseren Newsletter!

Total
1
Share