Robert Thorogood – Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar (Buch)

Das wohl ungewöhnlichste Ermittlertrio

Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar
© KiWi

Judith Potts, 77 Jahre alt und noch immer recht rüstig, liebt es nackt in der Themse zu schwimmen, zumal ihr Grundstück in Marlow einen direkten Wasserzugang hat. Eines Abends ist die Situation beim Schwimmen aber gänzlich anders, denn Judith ist fest davon überzeugt, vom Grundstück ihres Nachbarn Stefan Dunwoody einen Schuss gehört zu haben. Sie alarmiert die Polizei, die nach kurzer Suche ergebnislos abrückt. Am nächsten Morgen ruft Detective Sergeant Tanika Malik aus Maidenhead an, um mitzuteilen, dass es sich um einen Fehlalarm handelte. Alles somit gut? Für Judith keineswegs, denn sie hat den Schuss ja gehört und begibt sich auf dem Nachbargrundstück selber auf Spurensuche und entdeckt wenig später die Leiche von Dunwoody. Ein Kopfschuss, doch Malik schließt einen Suizid nicht aus. Dabei benötigt Judith nur kurze Zeit um den Mörder zu ermitteln. Denn im Internet stößt sie auf einen Artikel, wonach Dunwoody am Rande einer Regatta vor sechs Wochen einen heftigen Streit mit Elliot Howard, dem Leiter des örtlichen Auktionshauses, hatte.

Elliot muss befürchtet haben, ins Gefängnis zu kommen. Also hat er Stefan umgebracht, um ihn zum Schweigen zu bringen.“
„Brillant! Elliot ist also der Mörder, er muss es einfach sein! Obwohl er es nicht sein kann.

Judith will den Mordfall aufklären, schreckt dabei auch nicht vor einem Gespräch mit Howard, dem vermeintlichen Mörder, zurück und erhält Unterstützung von ungewohnter Seite. Als sie Howards Alibi überprüft lernt sie Becky „Becks“ Starling kennen, die Frau des Pfarrers, die sich zunächst vor ihr in einem Schrank versteckt. Wenig später macht Judith nach einem Mord an dem Taxifahrer Iqbal Kassam Bekanntschaft mit Suzie Harris, die Iqbals Dobermann als Hundesitterin ausführte. Da sowohl Dunwoody wie auch Iqbal mit der gleichen Waffe, einer deutschen Luger aus Weltkriegszeiten, erschossen wurden, muss sich DS Malik eingestehen, dass wohl doch ein Mörder sein Unwesen treibt. So etwas hat es in der Kleinstadt Marlow noch nie gegeben. Judith, Suzie und Becks fühlen sich derweil herausgefordert und lösen den Fall mit ihren ganz eigenen Methoden.

Hirn aus, dann geht’s wieder

Der erste Teil der „Mrs-Potts-Mordclub-Reihe“ verlangt einem zu Beginn einiges ab. DS Malik vermutet im Fall Dunwoody einen Selbstmord, obwohl in der Nähe des Tatortes keine Tatwaffe gefunden wird. Für Judith steht derweil Howard als Dunwoodys Mörder fest; was stört da schon der Fakt, dass er zur Tatzeit bei einer Chorprobe war, die von zwanzig Personen, darunter Becks, bestätigt wurde. Zudem belegt eine Videoaufzeichnung, dass er die gesamte Zeit anwesend war. So muss man angesichts der „Logik“, mit der hier an die Ermittlungen herangegangen wird – teils auch im weiteren Verlauf -, durchaus mehr als einmal tief durchatmen. Gleichwohl lohnt sich die Ausdauer, denn trotz des skurril anmutenden Einstiegs lohnt die Lektüre durchaus.

Diese Filmaufnahme beweist, dass er nicht der Mörder sein kann, aber er ist definitiv in Stefans Mord verwickelt. Irgendwie ist es ihm gelungen, an zwei Orten gleichzeitig zu sein. Oder er hat einen Killer angeheuert.

Eine 77-jährige Frau, die hauptberuflich Kreuzworträtsel erstellt, täglich ihre Ration Whisky benötigt und in einem Haus lebt, dessen Zustand einem Messie zur Ehre reichen würde, wächst über sich hinaus; mit eigenwilligen Rückschlüssen, unterstützt von zwei ebenfalls bemerkenswerten Frauen. Becks, eine höchst neurotische Person und Suzie, die über einen ausgeprägten Freiheitsdrang verfügt.

Ist das Whisky?“
„Ich glaube, der ist so billig, den sollte man lieber „Scotch“ nennen.

Mit zunehmender Handlung obsiegt der Wille zum Erfolg, da kann man schon mal tödliche Gefahren ausblenden und einem potentiellen Mehrfachmörder direkt ins Gesicht sehen oder wie Suzie mutig in die Themse springen, obwohl sie gar nicht schwimmen kann. Es ist eine aberwitzige Geschichte, die dennoch spannend ist und einige überraschende Wendungen, nicht nur im Verhalten ihrer Hauptfiguren, parat hat. So entwickelt sich „Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar“ mehr und mehr zu einer lesenswerten und durchaus amüsanten Lektüre, die einige Verdächtige aufweist und damit den Spannungsfaktor konstant hochhält. Am Ende präsentiert Robert Thorogood ein Lösungsmuster, welches zwar nicht neu ist, von ihm aber um eine nette Pointe verfeinert wurde. Trotz des gewöhnungsbedürftigen Auftakts eine Empfehlung für Fans britischer Krimikost.

  • Autor: Robert Thorogood
  • Titel: Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar
  • Originaltitel: The Marlow Murder Club. Aus dem Englischen von Ingo Herzke
  • Verlag: KiWi
  • Umfang: 413 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Februar 2022
  • ISBN: 978-3-462-00198-5
  • Produktinformation


Wertung: 11/15 dpt

 


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