Yvonn Spauschus & Moussa Mbarek – Das Warten auf Leben: Von Menschen und Papieren (Buch)

Kunst als Ausweis eines Lebens

Der im Mirabilis Verlag erschienene Kunstband „Das Warten auf Leben“ stellt Leben und Werk des bildenden Künstlers Mousse Mbarek in den Mittelpunkt.

Als Tuareg gilt Mbarek als staatenlos. 2015 floh er aus Libyen nach Europa und schließlich nach Deutschland. Seitdem kämpft er – bisher vergeblich – um das Recht dauerhaft in Deutschland bleiben zu dürfen. Das Warten auf die Papiere, die ihm dieses Recht gewähren, ist für ihn zum Warten auf Leben geworden.

Zunächst lässt der Verlag die Kunst Mbareks für sich selbst sprechen. Achtzehn auf Hochglanzpapier abgebildete Fotografien dokumentieren einen beeindruckenden Querschnitt aus dem Schaffen des Künstlers in den Jahren von 2017 bis 2022.

Durch die Bilder erzählt Mbarek seine eigene Geschichte. Er zeigt uns seine Heimat: Ein Land geprägt durch die Wüste, sein Volk, dessen kulturelle Identität bedroht ist, und sein verzweifeltes Ringen um elementare Menschenrechte.

Die dargestellten Werke spiegeln die Vielseitigkeit seiner Techniken: Zu sehen sind Linol- und Holzschnitte, Aquarellmalereien, Monotypien in Öl und Pastell, aber auch eine Arbeit in Acryl und Lack auf Metall.

Begleitet werden die Abbildungen durch Texte der Kuratorin und Kunstagentin Yvonn Spauschus, die in der zweiten Hälfte des Buches auch über ihre persönliche Beziehung zum Künstler und zu dessen Biografie Stellung nimmt.

Spauschus berichtet fast zurückhaltend. Ihre Sätze sind klar. Sie vermeidet jede Theatralik und stellt sich dabei selbst völlig in den Hintergrund. Das Porträt, welches dadurch entsteht, zeigt uns einen Künstler, der nur das Eine will: An einem Ort sein dürfen, an dem er der Mensch sein darf, der er ist. Aber die Bürokratie steht diesem eigentlich grundsätzlichen Menschrecht entgegen.

„Die Entscheidung, ob Moussa jemals dieses Stück Papier in den Händen halten wird, das ihn als einen Menschen ausweist, der irgendwo dazugehört, liegt in den Händen der deutschen Behörden. Diese Behörde hat nun entschieden, dass er das Erbe seiner Eltern weiterführen soll. Ein Mensch, der zu keinem Staat gehört, keinen Schutz hat. (..) Ein Mensch, der unsichtbar ist und dazu verdammt, ein einsames rechtloses Leben in einer ihm verschlossenen Welt zu führen.“ Seite 71

Spauschus‘ Fazit der aktuellen Faktenlage ist ernüchternd. Ohne Staatszugehörigkeit gibt es keinen Pass. Ohne Pass stehen die Aussichten auf eine dauerhafte Anerkennung schlecht. Es ist ein Teufelskreis, verursacht durch menschliche Willkür. Dem Betroffenen wird dadurch ein Stück seines Lebens geraubt. Die eigene Zukunft zu planen, zu reisen, zu heiraten, den Wohnort selbst zu bestimmen etc. ist ohne gültige Papiere nicht möglich.

Das bemalte, künstlerisch bearbeitete Papier wird zum Dokument, zum eigentlichen Ausweis der Identität, das der Künstler selbst erzeugt. Die Kunst überwindet im Namen der Menschlichkeit die Bürokratie. Allerdings kann sie das nur in einem idealisierten eigens für sie geschaffenen Raum.

„Wenn ich ein Maler wäre, würde ich ein Papier bemalen.
Ein buntes Papier, das alle Träume zum Leben erweckt.
Menschen machen Papier.
Und Papiere machen Menschen.“

„Warten auf Leben“ ist weitaus mehr als ein Künstlerbuch. Es ist das Sichtbarmachen eines Menschen, der sich alleine durch seine Kunst Aufmerksamkeit verschafft.
Und es ist ein Appell für mehr Menschlichkeit in unserer Bürokratie.

  • Autor: Yvonn Spauschus (Autorin) und Moussa Mbarek (Illustrator)
  • Titel: Das Warten auf Leben
  • Verlag: Mirabilis Verlag
  • Erschienen:  Juni 2022
  • Einband: Gebundene Ausgabe
  • Seiten: 80 Seiten
  • ISBN: 978-3947857173


Wertung: 12/15 dpt


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