Jane Harper – Der Sturm (Buch)            

Mörderische Ruhe am Strand von Evelyn Bay auf Tasmanien

Der Sturm
© Rütten & Loening

Kieran kehrt mit Freundin Mia und der drei Monate alten Tochter Audrey zurück nach Evelyn Bay auf Tasmanien, wo er seiner Mutter Verity eine Woche lang beim Umzug helfen will, da der demente Vater Brian in einem Heim untergebracht werden soll. Am ersten Abend gibt es ein freudiges Wiedersehen mit seinen alten Freunden Ash und Sean sowie Olivia. Man feiert im einzigen Lokal, dem Surf and Turf, in dem die junge Kunststudentin Bronte kellnert. Die Stimmung ist gut, erhält aber einen empfindlichen Dämpfer als Kieran mitbekommt, wie Liam, der in der Küche arbeitet, Bronte erzählt, dass Kieran ein Mörder sei, der sogar seinen eigenen Bruder Finn auf dem Gewissen habe. Das zweite Opfer war Toby, Liams Vater und Seans Bruder.

Der Vorfall ist zwölf Jahre her. Damals gab es einen verheerenden Sturm der zwei Todesopfer in Evelyn Bay forderte; eben Finn und Toby, die versuchten, Kieran zu retten. An jenem verhängnisvollen Tag verschwand auch die damals vierzehnjährige Gabby in den Fluten, die jüngere Schwester von Olivia und beste Freundin von Mia. Zwei Tage nach dem Sturm wurde ihr Rucksack ans Ufer gespült, die Suche eingestellt.

Eigentlich soll man die Vergangenheit ja ruhen lassen, was aber in einem kleinen Ort, in dem sich alle kennen, schwer umzusetzen ist. Die Runde der Freunde löst sich spätabends auf und schon am nächsten Morgen ist es mit der Ruhe vorbei. Kieran stößt am Strand auf eine Gruppe Menschen, die dort auf eine leblose Person blicken: Bronte.

Sie müssen mir nicht sagen, was die Verbindung ist. Das weiß jeder. Es ist derselbe Strand. Dieselbe Jahreszeit. Derselbe Polizeibeamte sogar. Ich bin also sicher, dass der Sergeant hier Ihnen alles über die Tage damals erzählen kann. Was geschehen ist und was nicht. Er weiß das.

Detective Inspector Sue Pendlebury aus Hobart übernimmt die Ermittlung, an ihrer Seite Sergeant Chris Renn, der schon damals am Fall der vermissten Gabby mitarbeitete. Schnell gibt es erste Gerüchte. Die Außenkamera des Surf and Turf zeigt, dass nach Schließung des Lokals Bronte mit Liam in dessen Wagen wegfuhr. Und auch Brian, Kierans dementer Vater, wurde in der Nacht gesehen. So wie damals, wo er Gabby am Strand traf, kurz bevor diese für immer verschwand.

Altbewährtes Erfolgsrezept von Jane Harper

Ein aktueller Mord, es stellt sich heraus, dass Bronte im Meer ertränkt wurde, und ein Verbrechen vor langer Zeit wollen aufgeklärt werden. Für Fans von Jane Harper ein aus ihren vorhergehenden Werken bekanntes Muster. Bisher erschienen drei Werke der in Manchester geborenen Autorin in deutscher Sprache und bereits ihr Debüt „Hitze“ (gewann unter anderem den „Gold Dagger“) setzte ein großes Ausrufezeichen. Es folgte Band zwei mit Aaron Falk („Ins Dunkel“) und der erste Stand-alone „Zu staub“. Ihr vierter Roman „Der Sturm“ ist ebenfalls ein Einzelwerk und bietet alles, was man als Fan der Autorin erwarten darf. Einen unüblichen Mordfall, eine sympathische Hauptfigur, einen aktuellen sowie einen alten Fall, deren Ereignisse vielleicht zusammenhängen, mit Tasmanien ein ungewohnter Handlungsort, dazu einige Verdächtige sowie ein womöglich überraschendes Ende.

Harper erzählt in ruhigem Tonfall. Wer Tempo oder gar Action erwartet ist hier im falschen Buch. Zunächst werden die wichtigsten Personen ausführlich vorgestellt und deren Freundschafts- und Verwandtschaftsverhältnisse aufgedröselt. Sean und Toby waren Brüder, ebenso wie Kieran und Finn. Doch anders als Liam, hat Sean Kieran nichts vorzuwerfen. In der aktuellen Situation ersucht er vielmehr Kieran um Hilfe als es um ein vermeintliches „Alibi“ für Liam geht. Während Sean versucht seinem Neffen beizustehen, kämpft Verity für Brian, der immer wieder mit denkwürdigen Äußerungen für Aufsehen sorgt, wobei man allerdings nie sicher sein kann, ob sich diese auf Personen und Ereignisse der Gegenwart oder der Vergangenheit beziehen.

Große Wendungen, von der Auflösung abgesehen, geschehen nicht. Jane Harper lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen, Schauplatz und Personen sind für sie das Wichtigste. Stimmungsvoll und ab und an dann doch mal bedrohlich, mäandert die Handlung vor sich hin. Verständlicherweise erfordert zudem die drei Monate alte Audrey die erhöhte Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Etwas enttäuschend wird der Handlungsort beschrieben, dem Jane Harper üblicherweise ebenfalls große Bedeutung beimisst. Natürlich, das (fiktive) Evelyn Bay wird umfassend beschrieben. Ein versunkenes Schiff in der Bucht, ein sehenswertes Denkmal für die Überlebenden einer früheren Schiffskatastrophe, ein Aussichtspunkt sowie ein nicht ungefährliches Höhlensystem prägen die Gegend. Das Surf and Turf sowieso. Allerdings liegt die Evelyn Bay auf der Insel Tasmanien und diese wird so gut wie gar nicht vorgestellt. Dabei gäbe es zu dem australischen Bundesstaat einiges zu berichten.

Kurzum: Wer subtile Spannung mag, ist hier genau richtig!

  • Autorin: Jane Harper
  • Titel: Der Sturm
  • Originaltitel: The Survivors. Aus dem Englischen von Matthias Frings
  • Verlag: Rütten & Loening
  • Umfang: 396 Seiten
  • Einband: Hardcover
  • Erschienen: September 2022
  • ISBN: 978-3-352-00968-6
  • Produktseite


Wertung: 13/15 dpt


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