Meike Stoverock – Tod im Museum (Buch)


Klassischer Locked-Room Mystery mit tierischem Meisterdetektiv und deutlicher Gesellschaftskritik

Tod im Museum © Hobbit Presse

Skarabäus Lampes Vater Archibald ist anscheinend während seiner Arbeit als Archäologe verstorben, ganz friedlich an seinem Schreibtisch im Nationalmuseum. Es geschah in einer Zeit schwerer Unruhen in Überstadt. Die Arbeiter sind nicht länger bereit, den Infektionen fördernden Verfall ihres Viertels hinzunehmen. Sie kämpfen für gesündere Lebensbedingungen und eine Sanierung ihrer Wohnungen. Doch der Stadtrat von Überstadt finanziert lieber eine prunkvolle neue Eingangspforte für das Nationalmuseum. Was die Protestbewegung genau vor diese Tür führt, ausgerechnet an dem Tag, an dem sich Überstadt und die internationale Archäologen-Szene von einem ihrer renommiertesten Vertreter verabschieden wollen.

Skarabäus Lampe sorgt dafür, dass die Trauerfeier etwas bescheidener ausfällt, als Direktorin Mahlzeit sie eigentlich geplant hatte. Trotzdem erscheint eine erlesene Auswahl an Gästen: die acht engsten beruflichen und privaten Kontaktpersonen des Verstorbenen aus Politik und Wissenschaft. Unter ihnen befindet sich Prof. Dr. Barnabas Nkolo, Vorsitzender der Archäologischen Gesellschaft. Gerade als der kleine Mull mit der Laudatio auf seinen berühmten Kollegen beginnt, bricht er auf dem Rednerpult zusammen. Tot. Skarabäus Lampe und Partner Teddy ahnen, dass beide Wissenschaftler keines natürlichen Todes verstorben sind und sich ein Mörder – oder eine Mörderin – unter ihnen befindet. Sie riegeln das Museum ab und folgen einer Duftspur in zuckerwatterosa und schnittblumengrün hinein in ein Locked-Room Mystery. Dessen Geheimnisse stellen selbst die cleversten Spürnasen vor Herausforderungen.

Ein absolut einmaliges Ensemble

Hase und Meisterdetektiv Skarabäus Lampe hatte in „Das Strahlen des Herrn Helios“ seinen ersten literarischen Auftritt und löste souverän das Rätsel um den Mord an Zirkusdirektor Helios. Phantastik- und Krimi-Fans begeisterten sich gleichermaßen für den etwas schrulligen und überaus klugen Detektiv, der Gerüche mit Farben assoziiert. Gemeinsam mit der guten Fee im Haus, Huhn Helene, wohnt Skarabäus im Bürgerviertel der Überstadt. Gelegentlich schlägt Partner Straßenkater Teddy sein Nachtlager dort auf, vor allem dann, wenn es im Hafen gerade ungemütlich wird. Ebenfalls zum Stammensemble dieser Buchreihe gehören der Anwalt und Fisch von Oben mit seiner Assistentin, dem Fingertier  Fräulein Pantanananarabi. Dazu kommen der Hund Inspektor Sutton, sowie Clan-Verbrecherin und Eidechse Miniko. Jede und jeden zeichnen tiertypische und individuelle menschliche Eigenarten aus, wodurch es immer wieder zu skurrilen oder verstörenden Interaktionen kommt, unfreiwillig oder gewollt.

Es wird persönlicher

Für den Detektiv war der Vater wie der Mond. Es war wissenschaftlich erwiesen, dass es ihn gab, aber man konnte ihn nur bei gutem Wetter in der Ferne sehen. Skarabäus Lampe hatte sich daran gewöhnt, dass sein Vater nur in einem sehr großen Orbit um ihn kreiste. Das war einfach eine physikalische Tatsache.« <span class="su-quote-cite">Seite 25</span>

In „Tod im Museum” steht Skarabäus Lampe nicht nur als Detektiv im Mittelpunkt, sondern auch als Familienmensch und trauernder Sohn. Wir erfahren Details über seine nicht gerade glückliche Kindheit, in der er zunächst von seinem Vater zu Ausgrabungen mitgeschleppt wurde. Schließlich trennten sich ihre Wege, Vater und Sohn verloren den Kontakt zueinander. Und nun lernt Skarabäus seinen Vater nach dessen Tod erneut kennen, was keine angenehme Erfahrung ist. Ohnehin zeichnet sich ab, dass Skarabäus trotz seiner brillanten Fähigkeiten keineswegs der unanfechtbare Held der Buchreihe ist. Sondern seine Schwachstellen und dunklen Flecken auf der Seele hat.

Der Plot könnte einem Krimiklassiker entstammen. Hatten wir es schon in „Das Strahlen des Herrn Helios“ mit einem Whodunit zu tun, kommt in „Tod im Museum“ noch ein Locked-Room Mystery Schauplatz hinzu. Und was für einer. Ein Museum voller seltsamer, archäologischer Artefakte mit noch seltsameren Laborutensilien. Ein Ort wie aus einem Exit-Spiel, mit Akteuren, die es toternst meinen. Eingefleischten Fans der Whodunit-Krimis sei diese Reihe (es kommen hoffentlich noch mehr Bände) ausdrücklich empfohlen. Denn sie bringt alles mit, was an dem Genre Spaß macht. Lesende schlüpfen selbst in die Rolle des Detektivs, beobachten und analysieren die Protagonist:innen auf verräterische Verhaltensweisen, stellen Hypothesen über den Tathergang auf und lassen sich überraschen.

Was für Ideen!

Obendrauf kommen hier die faszinierenden, phantastischen Ideen, mit denen die Autorin ihr Setting ausstattet. In „Das Strahlen des Herrn Helios“ faszinierten Fledermäuse als Äquivalent einer Drohnenüberwachung, in „Tod im Museum“ kommen Liebesläuse anstelle elektronischer Wanzen zum Einsatz. Die lebendigen Lauschinstrumente haben allerdings ihre Eigenarten:

Vorsichtig öffnete er das Kästchen, und die drei Läuse warfen ihm leidenschaftliche Blicke zu.

»Sie sind wunderschön, mein Herr.«

»Ihre Wimpern sind wie Goldfäden.«

»Ich würde sterben für ein Lächeln von Ihnen.« <span class="su-quote-cite">Seite 206</span>

Und wollen obendrein mit Blut bezahlt werden.

Fazit

Die einzige Kritik ist, dass sich das Tempo der Geschichte teilweise etwas arg zäh bewegt. Aus „Das Strahlen des Herrn Helios“ hatte ich etwas mehr Dynamik in Erinnerung. Auch zeichnet sich in „Tod im Museum“ recht schnell ab, wer hinter den Morden steckt. Das schmälert das Lesevergnügen jedoch kaum. Denn es macht einfach Spaß, Skarabäus und Teddy über die Schultern zu schauen und mitzuerleben, wie sie den Täter – oder die Täterin – unaufhaltsam einkreisen. Besonders gelungen sind die Gespräche mit den Verdächtigen, die verblüffende Absonderlichkeiten und Geheimnisse offenbaren. Nicht zuletzt streift die Geschichte eine Reihe von gesellschaftspolitischen Miseren, wie die Kluft zwischen Arm und Reich und eine an Kolonialisierung erinnernde kulturelle Ausbeutung. Und eine weitere Ungerechtigkeit, die ich lieber nicht nenne, um Spoiler zu vermeiden. Meike Stoverocks bildlicher und nah an den Figuren erzählender Stil trägt ein Übriges zum Lesevergnügen bei. Bitte noch mehr davon!

  • Autorin: Meike Stoverock
  • Titel: Tod im Museum
  • Teil/Band der Reihe: Band 2 der Skarabäus Lampe Fantasy-Krimi Reihe
  • Verlag: Hobbit Presse / Klett Cotta
  • Erschienen: 08/2023
  • Einband: gebunden mit Schutzumschlag
  • Seiten: 272
  • ISBN: 978-3-608-98706-5
  • Sonstige Informationen:
  • Produktseite “Tod im Museum” bei der Hobbit Presse

Wertung: 12/15 dpt


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