Ellen Dunne – Die schlafenden Hunde von Dublin (Buch)

Irland pur. Zumindest von der dunklen Seite.

Nach fast einjähriger Auszeit in Irland steht Kriminalhauptkommissarin Patrizia „Patsy“ Logan vom Fachdezernat für vorsätzliche Tötungsdelikte in München vor ihrer Rückkehr. Diese dürfte nicht leicht werden, denn ihr früherer Partner ist jetzt ihr Chef, wurde bei der Beförderung vorgezogen. Zunächst gibt es im Polizeipräsidium jedoch eine Lesung, denn ein Kollege hat seinen ersten Thriller auf den Markt gebracht. Bei einem anschließenden Beisammensitzen erfährt Patsy, dass Fergal Massey in einem Vorort von Dublin aus nächster Nähe erschossen wurde. Der über Siebzigjährige ist der älteste Pub-Betreiber der Stadt, vor allem aber der einst beste Freund von Patsys Vater Arthur, der vor drei Jahrzehnten verschwand. Angeblich ist er im Sommer 1993 in Irland von einer Klippe gesprungen, nachdem er zuvor eine schwere Depression hatte.

„Auf dem Papier sieht es aus wie ein Streit im Drogenmilieu. Dealer haben eine kurze Lunte, da eskaliert oft was.“

„Ist das eure offizielle Ermittlungslinie?“

„Du hältst es für Bullshit, oder?“

Warum reiste Fergal, der München seit Ewigkeiten nicht mehr verlassen hatte, nach Dublin? Wie kommen Ecstasy-Pillen und Kokain in seine Manteltaschen? Aber vor allem, warum hat er Patsy als Testamentsvollstreckerin ernannt und diese nebst ihrer Mutter und den jüngeren Geschwistern als maßgebliche Erben eingesetzt?

Ein Foto von damals zeigt neben Patsy die drei besten Freunde: Arthur, Fergal und Mannix, der dritte im Bunde, der später in den berüchtigten Rabbit-Clan einheiratete, wo er mit etlichen ungesetzlichen Machenschaften in Kontakt kam; eine langjährige Gefängnisstrafe inklusive. Patsy reist zu Fergals Beisetzung nach Dublin, wo sie ihren Freund Ben wiedersieht, mit dem sie einst gemeinsam ermittelte. Ausgerechnet für Fergals Todeszeitpunkt ist Ben Patsys amouröses Alibi. Vor der Trauerfeier trifft Patsy auf Mannix und andere Personen, die im Leben ihrer Familie und besonders in Arthurs Leben wichtige Rollen spielten. Wird sie endlich erfahren, was mit ihrem Vater damals geschah? Und vielleicht auch, wer Fergal ermordete oder ermorden ließ?

Fünfter Band der Patsy-Logan-Reihe

Ellen Dunne, in Salzburg geboren, in der Nähe von Dublin lebend, ist mit ihrer Patsy-Logan-Serie im deutschsprachigen Raum keine Unbekannte. „Die schlafenden Hunde von Dublin“ ist der fünfte und vermutlich letzte Band der Reihe, denn – kein großer Spoiler – hier erfährt Patsy endlich, was mit ihrem Vater damals geschah. Es wäre ein passender Abschluss, was aber nichts heißen muss, denn etliche Serien gingen in den letzten Jahren aufgrund ihres Erfolges sozusagen in die Verlängerung.

„Egal, er will ihnen nicht mit heruntergelassenen Hosen begegnen. Fast ist er schon hinter der Wand hervor und auf den Platz getreten, da fällt ihm ein: Auch die Briten sind hier nur in der Luft unterwegs. Der Boden gehört den Feinden. Den Paramilitärs. Scheiße, denkt er noch, und dann geht es los.“

Die Handlung wird überwiegend von Patsy erzählt, dazwischen Rückblenden in die Jahre 1989 bis 1993. Selbstredend gibt es ein Wiedersehen mit zahlreichen bekannten Figuren, Kenntnisse der Vorgängerromane wären nicht schlecht, sind aber keineswegs zwingend. Wer Romane mag, die sehr eng an dem Protagonisten orientiert sind, damit man mit diesem mitfiebern kann, ist hier bestens aufgehoben. Gleiches gilt für Irland-Fans, denn die Autorin kennt natürlich ihre Wahlheimat sowie deren Geschichte ausgezeichnet und führt ihre Leserschaft bevorzugt in die schmutzigen Teile von Dublin.

Viel soll nicht vorweggenommen werden, aber über Mannix und den Rabbit-Clan gibt es ebenso wie über Bens Vater Dallas schnell Bezüge zum organisierten Verbrechen, dessen Bekämpfung sich Ben bei der DOCB, der Abteilung für Drogendelikte und Organisierte Kriminalität, verschrieben hat. Organisierte Kriminalität, Irland, da fehlt noch was und ja, natürlich gibt es auch Einblicke in die Geschichte der IRA, die mit Arthurs – sagen wir – Abgang eng zusammenhängt. Zu jener Zeit kämpfte Dallas noch für die IRA, nach einer langjährigen Haftstrafe und der Begnadigung durch das Karfreitagsabkommen, ist er nun geläutert. So gibt sich auch Mannix, aber kann man überhaupt aussteigen, damals wie heute?

In der zweiten Romanhälfte, dann kommen die IRA und die damaligen Geschehnisse ins Spiel, nimmt der Roman spürbar Fahrt auf und die abschließenden Antworten auf die Fragen bezüglich Fergals seltsamen Verhalten, enthalten einige Überraschungen und bedrückende Einblicke in die großen Themen: Liebe und Macht, Vertrauen und Verrat, Gier und Gewalt. Nicht nur für Irlandfans zu empfehlen, wenngleich „Die schlafenden Hunde von Dublin“ vor allem eine – irgendwie doch – sympathische Liebeserklärung an die Stadt enthält. Trotz all der dunklen Seiten.

  • Autorin: Ellen Dunne
  • Titel: Die schlafenden Hunde von Dublin
  • Verlag: Haymon
  • Umfang: 336 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Februar 2026
  • ISBN: 978-3-7099-7981-5
  • Produktseite

Wertung: 12/15 dpt

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