
Mit ihrem Essay „Die Puppe“ liefert Autorin Tanja Raich einen ebenso unterhaltsamen wie klugen Beitrag zur Publikationsserie „Dinge des Lebens“, erschienen im Residenz Verlag.
Puppen sind eines der ältesten Gegenstände der Menschheit und haben bis in die heutige Moderne hinein nichts von ihrer Faszination verloren. Ausgehend von eigenen Kindheitserinnerungen nähert sich die Autorin dem Kulturgegenstand über das vielleicht weit verbreitetste Bild: Mädchen mit Puppe.
Raich beginnt mit einem historischen Rückblick. Sie nennt mit Käthe Kruse und den „Baby Born“-Puppen von Zapf prominente Beispiele. Raich analysiert die Funktion des Spiels im Hinblick auf ihre gesellschaftsformende Bedeutung. Puppen dienen und dienten dazu, Rollenbilder zu definieren und zu festigen.
Das Spiel mit den Puppen ist der kleine Vorgeschmack auf das
Leben als Frau. Denn es gibt eine Sache, die doch sonderbar ist. Mit Puppen
spielen immer noch hauptsächlich Mädchen.
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Die Puppe wirkt als erzieherisches Instrument, welches die Mädchen auf die Carearbeiten im patriarchalen System vorbereitet.
Mit „Barbie“ erhielt das Spiel mit der Puppe eine weitere Dimension, denn Barbie lieferte den Mädchen von Beginn an geschlechterstereotypische und rassistische Schönheitsideale. Mit der Erfindung der „Queens of Africa Dolls“ von Taofick Okoya und der Anti-Barbie“ durch Nickolay Lamm entstanden erfolgreiche Gegenentwürfe.
Die Frage nach dem Verhältnis zwischen Puppe und Frau zieht sich wie ein roter Faden durch Raichs Betrachtung. Kritisch zeigt sie auf, wie Frauen puppenhafte Eigenschaften zugewiesen werden und wurden, um sie gesellschaftlich zu degradieren. Immer wieder erzeugt die Puppe das Bild einer „idealen Frau“.
Raich füttert ihren Text mit interessanten Anekdoten und aktuellen Bezügen, so z.B. mit der skurrilen Puppenliebe Oskar Kokoschkas, dem erschütternden Fall von Gisèle Pelicot und der Biografie von Niki de Saint Phalle, um nur einige zu nennen. Im lockeren Plauderton spricht sie über Sexpuppen, Matrjoschkas und Muñecas quitapenas, sogenannte Sorgenpüppchen. Man staunt, wie viel Wissenswertes Raich auf nur ca. 60 Seiten platziert, wobei sie Zusammenhänge übersichtlich darstellt und ihre Ausführungen nie überfrachtet wirken lässt.
Das schmale Büchlein garantiert großes Lesevergnügen und einen reichen Zugewinn an Wissen.
Klare Leseempfehlung!
- Autorin: Tanja Raich
- Titel: Die Puppe
- Verlag: Residenz Verlag
- Erschienen: März 2026
- Einband: Gebundene Ausgabe
- Seiten: 64 Seiten
- ISBN: 978-3701736539

Wertung: 14/15 dpt







