Yola Stahl – Eine Blume aus Gift und Eisen (Buch)

Yola Stahls Bücher erregen Aufmerksamkeit, und das nicht nur wegen der außergewöhnlichen Veredelung und Gestaltung, sondern auch wegen des Inhalts! Nicht umsonst ist „Eine Blume aus Gift und Eisen“ für den diesjährigen Phantastikpreis (SERAPH) nominiert, der zur Buchmesse in Leipzig verliehen wird.

„Eine Blume aus Gift und Eisen“ ist das zweite Buch einer Reihe, die im selben Universum spielt, bei der sich aber jedes Buch unabhängig voneinander lesen lässt, und bei denen man völlig spoilerfrei lediglich Querverweise zu den anderen Büchern erhält.

In Londinium, im Jahre 1890 begegnet die Kriegshexe Nastasia auf einem Ball unverhofft ihrer großen Liebe wieder. Moosblüte ist eine Dryade, und auch nachdem sie sich zum wiederholten Male getrennt haben, stellen beide fest, dass sie zusammengehören und zusammenbleiben wollen. Doch damit das gelingt, sind sie dazu gezwungen, gemeinsam mit anderen Arkanen in den Tower von Londinium einzusteigen und ein wertvolles Artefakt für ihren Auftraggeber zu stehlen. Dabei können sie niemandem trauen, auch nicht ihren eigenen Reihen, und als sie es letztendlich doch tun, erfahren sie einen Verrat, der die gesamte Welt zu vernichten droht.

Hört sich dramatisch an? Ist es auch! Aber auf eine verdammt gute Art und Weise!

Ich lese selten bis nie Romantasy, weil mir die Beziehungen häufig zu klischeehaft und zu toxisch sind und mir das fantastische Worldbuilding oft zu wenig Beachtung findet. Yola Stahl gelingt aber der Spagat, den nur sehr wenige schaffen: Sie schreibt eine dramatische und tragische Liebesgeschichte, in der sich beide oft genug toxisch oder falsch verhalten, dies aber reflektieren. Es wird spicy, aber nie vulgär, peinlich oder abgedroschen, auch wenn mich „Schoßgesträuch“ zum Lachen gebracht hat.

Und gleichzeitig zeichnet sie auf nur 396 Seiten eine fantastische und in sich schlüssige Welt, wie ich sie sonst nur aus mehrteiligen Reihen kenne. Dazu kommt ein Genremix, der mir enorm gut gefallen hat: Ein bisschen Steampunk, ein bisschen (Neuro-)Science Fiction (inkl. magischem Smart-Home xD), ein bisschen Spukhaus-Horror, ein bisschen Actionfilm à la Oceans Eleven und sehr viel düstere Fantasy. Klingt nach viel zu viel für nur ein Buch? Dachte ich auch, die Verknüpfung gelingt ihr aber meisterlich und wird von der Vielfalt an magischen/arkanen Wesen noch getoppt: Dryaden, Kriegshexen, Succubi, Yetis, Merrows, Elfen, Satyre, Selkies, Geister, Alben, Banshees, Fay, Vampire, Harpyien, Werwölfe … Und auch hier, liest es sich nie, als hätte man versucht, möglichst viele Wesen unterzubringen; im Gegenteil jedes hat seinen Platz und fühlt sich beim Lesen sehr natürlich an.

Bezüglich der Wesen kommen wir auch zu einem Punkt, der sehr typisch für die Bücher von Yola Stahl ist: Die Recherche. Wer die Autorin verfolgt, weiß dass sie enorm tief recherchiert, um ihre fantastischen Welten zu erschaffen und um die Illustrationen im Buch zu erstellen. Wer sich so sehr in bestimmte Themen vertieft, vergisst vielleicht hin und wieder, dass andere dieses Wissen nicht teilen. Bezüglich der magischen Wesen hatte ich persönlich da keine Probleme (und diese könnte man auch alle googeln), aber ich hätte mir Erklärungen gewünscht, was z. B. ein Rout ist oder was Fraktale sind, da waren die Google-Ergebnisse nämlich leider eher unzureichend. Das ist aber auch mein einziger Kritikpunkt, der nicht wirklich ins Gewicht fällt.

Letztendlich möchte ich nochmal auf die Gestaltung des Buches eingehen, was ich hier sonst meistens außer Acht lasse. Im Falle von Yola Stahls Büchern finde ich es aber zutiefst beeindruckend, wie man ein Buch mit so viel Liebe zum Detail gestalten kann – und das alles im Selbstverlag! Vom mit Glanzfolie gestalteten und selbst designtem Cover, über den selbst gezeichneten Farbschnitt, die Kapitelzierden und die Illustrationen, die wie Zeitungsausschnitte aus 1890 anmuten und den ein oder anderen feministischen Seitenhieb verstecken.

Mich hat „Eine Blume aus Gift und Eisen“ nachhaltig begeistert und für mich wäre das Buch ein würdiger Seraph-Preisträger!

Wertung: 14/15 dpt

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