Tom Angleberger – Vorsicht vor Fako Mustacho oder: Wie Jodie-O’Rodeo mit ihrem Wunderpferd (und einem nerdigen Kind) die Präsidentschaftswahlen vor einem verrückten kriminellen Genie mit falschem Bart rettete (Buch)

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Tom Angleberger - Vorsicht vor Fako Mustacho (Buch)Der US-Amerikaner Tom Angleberger dürfte den Kinderbuchkundigen vor allem durch seine Origami-Yoda-Reihe bekannt sein, die es bereits auf drei Teile („Yoda ich bin! Alles ich weiß!“, „Darth Paper schlägt zurück“ und „Star Wars Wookiee – Zwischen Himmel und Hölle“) gebracht hat, doch es scheint ganz so, als wolle sich der Autor nicht auf seinem Erfolg ausruhen, und so erschien beim Knesebeck-Verlag vor einiger Zeit „Horton Halfpott“, welches uns auf das Schloss Eigenbrötl zauberte und sehr stark an alte englische Krimis erinnert. In „Vorsicht vor Fako Mustacho“ landen wir hingegen im modernen Wilden Westen der etwas anderen Art in einer Kleinstadt namens Hairsprinkle.Alles beginnt damit, dass Lenny Flem Junior und sein zwölfjähriger Freund Casper Bengue in „Svens Schnäppchenparadies“ ein wenig Krimskrams und Schnickschnack kaufen wollen. Während Lenny eher auf Dinge stößt und sie sich dann zulegt oder eben nicht, hat Casper, der sich trotz Ersparnissen heute einen Zehner von Lenny leihen muss, schon seit langem einen ganz bestimmten Artikel im Auge, nämlich den „Heidelberg Mustache 7.0“ von der Heidelberg Novitäten-Gesellschaft – ein schweineteurer Zwirbelbart aus echtem Menschenbarthaar, im Supersonderangebot für $129,99.  Der Tag ist gekommen: Er kauft ihn sich, und nur ein wenig später klebt er bereits unter Casper Bengues Nase. Vom Rest der vierhundert Schleifen, die er vor dem Kauf des Bartes noch in der Tasche hatte, will er nun noch in Chaunceys Klamottenladen einen feinen Zwirn erwerben, um wie ein seriöser Mann auszusehen.

Lenny findet das höchst befremdlich, denn mit dem aufgeklebten Bart verändert sich Caspers Art dramatisch. Zuerst behandelt der seinen Freund ziemlich eigenartig und hochnäsig und lässt ihn praktisch fallen wie eine benutzte Serviette, und innerhalb kurzer Zeit ereignen sich im Städtchen – und bald auch außerhalb – zahlreiche Banküberfälle, für die ein sonderbarer kleiner, einen falschen Schnurrbart tragender Mann, der von den Medien Fako Mustacho genannt wird, verantwortlich zeichnet. Mit dem erganuerten Zaster kauft Fako Mustacho eine Firma, die Wahlmaschinen für die kommende Präsidentschaftswahl herstellt, und es ist abzusehen, was dieser mysteriöse Typ im Schilde führt. Auf eigene Faust versucht Lenny nun, diesen Schnurrbartträger aufzuhalten, doch erst als er auf das aus dem Fernsehen bekannte Cowgirl Jodie O’Rodeo trifft und sie die Lage ebenfalls als bedrohlich einschätzt, nimmt die Ganovenjagd Fahrt auf.

Nun erzählen Lenny und Jodie von ebendieser – und was den beiden geschieht, hätten sie selbt in ihren kühnsten Träumen nicht erwartet – denn neben dem Geldraub gibt es noch ein ganz besonderes Problen: Die Menschen sind völlig begeistert von Fako und verhalten sich durch seinen massiven Einfluss, als seien sie einer Gehirnwäsche unterzogen worden. Die Masse wird willenlos und Mustacho buchstäblich hörig. Das Cowgirl und der kleine Nerd müssen sich nun unbequemen Personen stellen, erleben die ein oder andere eklige Angelegenheit und mit viel Kombinatorik und Cleverness agieren, damit die Menschheit nicht komplett den Bach runtergeht und Fako womöglich noch die Welt regiert.

Mit vorliegendem Werk hat Angleberger das wohl abgedrehteste Buch seiner Karriere geschrieben, denn die Figuren sind nicht nur schrullig und schräg, sondern oftmals völlig überzogen skizziert, und die zahlreichen, sehr ansprechend gezeichneten Jen Wang-Illustrationen unterstreichen die Eindrücke, die beim Lesen entstehen, noch einmal mit Nachdruck. Hin und wieder wirkt das Ganze dadurch etwas „over the top“, wobei dies sowohl positiv als auch negativ deutbar ist: Entweder kann man so etwas als gnadenlos bescheuert und übertrieben,  ja gar als völlig an den Haaren herbeigezogen empfinden, oder aber kann man gerade daraus den Charme dieses in über sechzig knackig-kurze Kapitel unterteilten Abenteuers ableiten.

Die Dialoge jedoch wirken durchaus etwas hölzern und unbeholfen, doch das könnte möglicherweise auch an der Übersetzung liegen, die ja bereits bei den Origami-Yoda-Büchern nicht immer die Glücklichste war – gerade, wenn es um Wortspiele geht, ist es nicht immer allzu einfach, diese auch adäquat einzudeutschen oder den Witz in die deutsche Sprache zu transportieren. Auch entsteht manchmal das Gefühl, Angleberger habe sich gelegentlich zu sehr dem Zufall hingegeben, denn oftmals erscheint die Story wie ausgewürfelt drauf los geschrieben – und lediglich das Ende habe festgestanden.  Absurd-witzig und amüsant ist das im Endergebnis allemal und durchaus im grünen Bereich, doch ein wenig fällt „Fako Mustacho“ qualitativ im Vergleich zu den anderen Büchern des rührigen Schriftstellers ab, was bei dem Potenzial, das das Gerüst dieses Buches hergegeben hätte, schon etwas schade ist.

Cover © Knesebeck Verlag

 

  • Autor: Tom Angleberger
  • Titel:
    Vorsicht vor Fako Mustacho oder: Wie Jodie-O’Rodeo mit ihrem Wunderpferd (und einem nerdigen Kind) die Präsidentschaftswahlen vor einem verrückten krimi nellen Genie mit falschem Bart rettete
  • Originaltitel:
    Fake Mustache, or: How Jodie O’Rodeo
    and Her Wonder Horse (and Some Nerdy
    Kid) Saved the U.S. Presidential Election
    from a Mad Genius
  • Illustrationen:  Jen Wang
  • Übersetzer: Karlheinz Dürr
  • Verlag: Knesebeck
  • Erschienen: 19.02.2013
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 264
  • ISBN: 978-3-86873-584-0
  • Sonstige Informationen:
    Erwerbsmöglichkeit

 

Wertung: 10/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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