Augenlose Leichen und eine geheimnisvolle Stiftung

Noora Yun Sande ist nach ihrem letzten Einsatz noch nicht wieder fit und arbeitet in Teilzeit mit ihrer Kollegin Josefine Skog an dem Iselin-Hanssen-Fall, der eigentlich als abgeschlossen gilt. Die junge Frau wurde entführt und misshandelt, der vermeintliche Täter ist tot. Allerdings hat ihr Partner und Chef Jakob Weber vom Nordland Polizeidistrikt noch Zweifel und verdächtigt den frauenfeindlichen Soziopathen Stein-Jarle Lie als Täter. Dessen letzte Freundin Veronika Paulsen wird im Stillen Tal von Bodø ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden. Armann Femris übernimmt den Fall, denn Weber muss auf die Halbinsel Kjerringøy, wo drei Frauen in einem Privathafen der Meile-Stiftung eine augenlose Leiche gefunden haben. Zu viel Arbeit für zu wenig Leute, daher entschließt sich Weber auch Noora in die Ermittlung einzubinden.
„Um das mal zusammenzufassen. Sollte es ein Mord und kein Selbstmord sein, können wir davon ausfegen, dass der Täter sie kannte.“
Die Zeit drängt, denn bald wird die Presse von den Todesfällen erfahren, doch der Geschäftsführer der Stiftung, die vor Ort eine Suchtklinik für Reiche betreibt, zeigt sich wenig kooperativ. Überhaupt ergeben sich bezüglich der Klinik, ihren Patienten und Methoden etliche Fragen. Zwei Morde und der alte Entführungsfall, wenig konkrete Spuren, keine Zeugen und zu allem Überfluss auch noch reichlich private Probleme treiben das Ermittlungsteam.
Zweiter Fall für Jakob Weber aus Bodø
Nach „Kalt wie die Luft“ ist der vorliegende Band der zweite der Nordland-Reihe von des vor allem in Norwegen sehr bekannten Ørjan Nordhus Karlsson. Wie schon beim ersten Band ist „Dunkel wie die Nacht“ ebenfalls ein zweifelhafter Buchtitel für einen Krimi, aber erneut wird packende Krimiaction der mitunter härteren Gangart geboten. Handlungsorte dieses Nordic Noir sind Bodø und die kleine Halbinsel Kjerringøy, die mit ihrer rauen Natur und den markanten Bergen fasziniert. Allerdings bietet diese auch einige Versteckmöglichkeiten, was es für Weber und sein Team nicht einfacher macht. Von den Einheimischen ganz zu schweigen.
Der Aufbau ist aus dem Vorgänger bekannt. Zahlreiche Kapitel orientieren sich abwechselnd an den handelnden Figuren, vorrangig den Polizisten. Schnell kommt es zu zwei Verbrechen, deren Zusammenhang zunächst offenbleibt. Stein-Jarle Lie gerät einmal mehr ins Visier der Ermittler und setzt zugleich am Ende des Romans bezüglich des Entführungsfalles einen gekonnten Cliffhanger, so dass man auf den dritten Band „Still wie der Schnee“ (angekündigt für Februar 2027) gespannt sein darf.
„Das Entfernen der Augen sieht fast nach einer Mafiamethode aus. Als hätte da jemand ein Exempel statuieren wollen. Verrätern wird in den Mund geschossen. Wer den Chef bestiehlt, kriegt die Hände abgehackt, und schläfst du mit seiner Tochter, schneidet man dir den Schwanz ab und steckt ihn dir in den Mund. Wie im Mittelalter, aber als Abschreckung effektiv.“
Die privaten Probleme der Ermittler werden angerissen, wobei vor allem Jakob Weber im Mittelpunkt steht, der erst vor einem halben Jahr erfuhr, dass er mit Ola André einen Halbbruder hat. Zudem wäre da noch die platonische Beziehung zu der Journalistin Sigrid, die nicht nur zu beruflichen Konflikten führt. Der Tod seiner geliebten Lise hindert Weber sozusagen am nächsten Schritt. Auch die anderen Ermittler haben ihre Sorgen, wobei diese insgesamt in einem wohltuend vertretbaren Maße erwähnt werden. Sprich, der Autor hält den Krimiplot jederzeit im Blick.
- Autor: Ørjan N. Karlsson
- Titel: Dunkel wie die Nacht
- Originaltitel: Natten reiser alene. Übersetzt von Maike Dörries und Günther Frauenlob
- Verlag: Pendragon
- Umfang: 368 Seiten
- Einband: Taschenbuch
- Erschienen: Juli 2026
- ISBN: 978-3-86532-964-6
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Wertung: 12/15 dpt







