Connie Willis – Dunkelheit (Buch)

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Connie Willis - Dunkelheit Cover © Cross CultZeitreisen sind ein beliebtes Motiv der Science Fiction. Es gibt jede Menge Romane und Filme, die sich mit der Möglichkeit befassen, der vierten Dimension quasi ein Schnippchen zu schlagen. Und diese Thematik taucht immer wieder auf, auch in aktuellen Büchern.

Ein Vertreter dieser Erzählungen ist „Dunkelheit“, der aus der Feder von Connie Willis stammt. Es handelt sich hierbei um den Auftaktband eines Zweiteilers, der im Februar dieses Jahres mit „Licht“ fortgesetzt wurde. Schade ist dabei, dass die deutschen Titel einfallslos klingen, da im Englischen ihr richtiger Titel „Blackout“ bzw. „All Clear“ heißen. Was vor allem im Kontext des Plots durchaus clevere Namen sind.
Die Autorin wurde 1945 in Denver, Colorado, USA geboren. Seit 1978 ist sie als Schriftstellerin aktiv und mit dem früheren Physik-Professor Courtney Willis verheiratet. Ein Teil ihrer Geschichten dreht sich um das Thema Zeitreisen, bzw. die Erlebnisse von Geschichtsstudenten an einer entsprechenden Fakultät der Universität von Oxford. Sie hat im Laufe ihrer Karriere viele Preise gewonnen, darunter den Hugo- und den Nebula-Award für den Zweiteiler „Dunkelheit“ und „Licht“.

Im Jahr 2060 werden von der historischen Fakultät in Oxford erfolgreich Zeitreisen zur Erforschung der Vergangenheit angewandt. Doch in der letzten Zeit herrscht das reinste Chaos, da viele geplante Reisen verlegt wurden beziehungsweise andere vorgezogen wurden. Und so landet Michael Davis, der ursprünglich Pearl Harbor beobachten wollte, ausgerechnet im Saltram-on-Sea des Jahres 1940 und wird unfreiwillig in die Ereignisse rund um Dünkirchen verwickelt.

Er ist nicht der einzige Zeitreisende, der sich in diesem Zeitraum befindet. Auch seine Kolleginnen Polly Churchill und Merope Ward befinden sich im England des Jahres 1940. Alle drei müssen feststellen, dass sie aus irgendwelchen Gründen nicht mehr zurück in das Jahr 2060 können. Ihre Vermutungen und Befürchtungen sind, dass eine ihrer Aktionen unfreiwillig dafür sorgte, dass sich die Zeit verändert hat.
Der Zweite Weltkrieg wurde und wird vor allem hier in Deutschland aus allen nur erdenklichen Facetten beleuchtet. Dazu zählen auch die Ereignisse in Großbritannien, das die Nazis ursprünglich zur Aufgabe bomben wollten. Am Ende kam es anders als geplant. Doch vor allem in den ersten Jahren des zweiten Weltkriegs war es in England quasi Alltag, auf die Verdunklung (Im Englischen „Blackout“) zu achten, bei dem entsprechenden Alarm in die Luftschutzbunker zu gehen und am Ende auf die Entwarnung (Im Englischen „All Clear“ zu warten).

In diese Ära setzt die Autorin ihre Protagonisten aus und hat viel Vergnügen daran, den mentalen Unterschied zwischen den Zeitreisenden und den Menschen jener Zeit aufzuzeigen. Denn der könnte größer nicht sein.

Was die Reisenden eint, ist die ständige Befürchtung, dass sie durch ihre Aktionen etwas im Ablauf der Zeit geändert haben könnten. Vor allem Michael Davis hat diese Furcht, da er bei der Evakuierung der gestrandeten Soldaten in Dünkirchen aktiv mitgeholfen hatte. Etwas, was er im Grunde genommen nicht tun sollte, da dieses Ereignis ein temporaler Brennpunkt ist und die Zeitreisenden sich deshalb davon fernhalten sollten.

Doch wurde die Zeit wirklich verändert? Oder handelt es sich dabei nur um Hirngespinste der Betroffenen? Connie Willis verzichtet auf eine eindeutige Antwort. Sie belässt es beim Ungefähren und präsentiert wiederholt potentielle Argumente, wieso es den Zeitreisenden nicht möglich war, an dem Punkt, wo der Übergang zwischen ihrer aktuellen und der anderen Zeit, ihre Rückreisemöglichkeit zu finden. Mal sind entweder Menschen in der Nähe, ein anderes Mal ist der Ort gleich ganz versperrt, weil dort Artillerie aufgestellt wurde.

Und so sorgt die Autorin für viel Spannung. Wiederholt baut sie ihren Protagonisten Hindernisse auf, die sie überwinden müssen, nur um am Ende dann festzustellen, dass ihr jeweiliges Vorhaben, sei es die Rückreise oder das Treffen anderer Zeitreisender, nicht so einfach ist, wie gedacht.

Der krasse Gegensatz sind da die jeweiligen Bewohner, mit denen die Reisenden sich auseinandersetzen müssen. Sie sind fast schon typische Vertreter des britischen Understatements, deren größte Sorge nicht etwa ist, dass sie durch den Krieg sterben. Sondern vielmehr der Gedanke, welches Theaterstück sie aufführen können oder welchen Streich sie als Nächstes machen können. Oft genug sind diese Menschen Grund für einiges an Humor, den die Autorin gezielt einzusetzen weiß.

Trotzdem ist dieses Buch alles, nur nicht komisch. Connie Willis, die erneut unter Beweis stellt, wie akribisch sie das jeweilige Szenario, über das sie schreibt, recherchiert, präsentiert eine Story, die ihre düsteren Momente hat. Etwa, wenn man mitkriegt wie ein Großvater mit seinem Enkel bei dem Versuch, Soldaten aus Dünkirchen zu evakuieren, ums Leben kommt. Oder aber, wenn eine Grippewelle dazu führt, dass Kinder sterben oder schwer erkranken. Und über allen steht natürlich die legitime Frage, ob die Zeit sich wirklich verändert hat?

Einen Nachteil hat die Konzentration auf die Protagonisten. Der technische Aspekt kommt zu kurz. Es wird über Sachen wie ein „Sicherheitsnetz“ geredet. Doch wie genau das funktioniert, oder wie die Zeitreise an sich vonstattengeht, darüber kann man nur spekulieren. Vermutlich präsentiert kriegt man das benötigte Wissen, wenn man die anderen Geschichten dieses Universums gelesen hat. Nur leider sind diese entsprechenden Romane bereits vor Jahren in anderen Verlagen erschienen und dementsprechend nur noch antiquarisch erhältlich.

Cover © Cross Cult

  • Autor: Connie Willis
  • Titel: Dunkelheit
  • Originaltitel: Black Out
  • Übersetzer: Claudia Kern
  • Verlag: Cross Cult
  • Erschienen: 12/2016
  • Einband: Broschiert
  • Seiten: 640
  • ISBN: 978-3-95981-168-2
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

    Wertung: 13/15 dpt

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Über den Autor

Götz Piesbergen

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Ich darf mich vorstellen? Wunderbärchen! :D

Mein Name ist Götz Piesbergen, wobei ich in den Weiten des World Wide Web auch noch ein paar andere Pseudonyme verwende. Ich bin ein Vielschreiber und Vielleser, der quasi alles verschlingt, was Buchstaben hat (hmm, lecker! :D). Und da ich zu den Leuten gehöre, die ihre Meinung im Netz gerne kundtun, bespreche ich auch die Sachen, die ich lese oder zocke oder sehe.

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Connie Willis – Dunkelheit (Buch)

von Götz Piesbergen Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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