„Space for Art“ – und die Frage, wer Platz auf einer Bühne bekommt (Konzert)

Newcomer haben es nicht einfach: Fehlende Ressourcen, fehlende Netzwerke und fehlende Publicity sorgen dafür, dass man kaum Auftritte bekommt. Deswegen sind Veranstaltungen wie “Space for Art” am 5. September im “Alter” in Mannheim für Künstler*innen Gold wert – aber nicht nur für die.

Raum für Experimente. Der Tag ist schön, die Temperatur angenehm. Es sind schon einige Menschen auf der Schotterfläche vor dem blauen Containerkonstrukt, mit integrierter Bühne und Bar, die zusammen zum “Alter” Mannheim werden. Vor uns wird noch eifrig an der Technik hantiert – wahrscheinlich ist sie auch der Grund dafür, dass das Konzert zwei Stunden verspätet losgeht. Kinder hüpfen auf einem Trampolin oder wuseln durch die Gegend, Erwachsene stehen mit Getränken in der Hand in Grüppchen und unterhalten sich ausgelassen. Die Stimmung ist gut und es ist offensichtlich, dass der “Alter” für viele ein zweites Wohnzimmer in Mannheim ist. Einige freuen sich schon auf das kommende Konzert und sind neugierig, was passieren wird.

Hart umkämpfte Branche. Veranstalter und Musiker Coljo, der auch hinter dem jetzt zum zweiten Mal stattfindenden Konzert “Space for Art” steht, sagt, dass es “Glücksache” ist, Fuß in der Musikbranche zu fassen. “Die Szene ist überflutet [mit anderen Musiker*innen]. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und die Promotion ist um einiges schwieriger geworden, weil Social Media-Trends sich monatlich ändern und auch die Crowd eine immer kürzere Aufmerksamkeitsspanne hat”.  “Niemand interessiert sich für dich ohne Reichweite” meint er weiterhin, “damit nicht immer das gleiche ‘Mainstram-Zeug’ gehört werde muss” braucht es deswegen Veranstaltungen, die aktiv Newcomer*innen eine Bühne bieten.

Das ist auch der Gedanke hinter “Space for Art”, einem Konzertkonzept, das 2025 gegründet wurde. Hier soll ein Ort geschaffen werden, bei dem Menschen raus aus ihren Zimmern kommen, und sich mit anderen Musikfans austauschen, wünscht sich Coljo. Gerade Zuhörer*innen sollen so neue Musiker*innen kennenlernen und entdecken, dass es auch neue Musik gibt, die hörenswert ist. Aber auch Musiker*innen sollen die Gelegenheit nutzen, um ihre eigenen Netzwerke auszubauen, erste Bühnenerfahrung zu sammeln und sich zu professionalisieren.

Wie Rike van Kleef in ihrem Buch “Billige Plätze – Gender, Macht und Diskriminierung in der Musikbranche” schreibt, haben insbesondere Frauen und Queers Startschwierigkeiten in der Musikbranche – egal ob vor oder hinter der Bühne. Umso schöner war es deswegen, dass so viele Frauen und queere Menschen im Line Up und später auf der Bühne vertreten waren.

Music for Misfits. Dass die Musikbranche so undurchlässig ist, ist schade. Musik war schon immer ein Zuhause für die, die sonst nirgendwo dazugehörten. “Künstler sind immer komisch!” meint Coljo, “Deswegen sind auch so viele in der Musikszene, um sich dort auszuleben, selbst zu verwirklichen und andere, ähnlich Tickende kennenzulernen.” 

Nach den Startschwierigkeiten. Das Line Up kann sich sehen lassen: Zwischen Dreampop, Hip Hop und Art Punk, mal mit sehr vielen technischen Spielereien oder ganz klassisch als Live-Band, haben die Newcomer mal etwas unbeholfen aber immer absolut sympathisch gezeigt: “The kids are allright”. Die Stimmung war ausgelassen, die Soundqualität durchgehend professionelle und bei einigen Musiker*innen – darunter insbesondere “Die Schlawiner” – konnte man gar nicht glauben, dass es sich um das erste richtige Konzert handelte.

Natürlich lief nicht alles perfekt. Gerade am frühen Nachmittag ist es schwierig, eine kleine Crowd zum Tanzen zu animieren und es braucht Erfahrung, wie man Pausen zwischen Songs füllen kann, ohne sich zu verplappern. Je dunkler es aber wurde, desto mehr Menschen kamen und alles andere wurde zum Selbstläufer. Von Anfangs 30 waren es bis zum Abend mehr als 200 Menschen, die gemeinsam feierten und tanzten.

Space for Art. Es braucht viel mehr Platz für Experimente, wie sie der “Alter” zusammen mit Coljo vollkommen ehrenamtlich geschaffen haben. An solchen Orten treffen Menschen aufeinander, die sich sonst niemals begegnet wären, sich über ihre Leidenschaft austauschen und Dinge entdecken, über die sie sonst niemals gestolpert wären. So entstehen Räume, die zeigen: Egal was gerade passiert, es gibt doch sehr viel Schönes, auf das man sich freuen kann.

Hier findet ihr Squeb, eine Plattform, auf der über ähnliche Veranstaltungen berichtet wird: Squeb

Hier findet ihr noch Coljo: Coljo

Und besucht gerne mal den Alter in Mannheim!

Teile diesen Beitrag:
Schreibe einen Kommentar

Hinweis: Mit dem Absenden deines Kommentars werden Benutzername, E-Mail-Adresse sowie zur Vermeidung von Missbrauch für 7 Tage die dazugehörige IP-Adresse, die deinem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, in unserer Datenbank gespeichert. E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden selbstverständlich nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Du hast die Option, Kommentare für diesen Beitrag per E-Mail zu abonnieren - in diesem Fall erhältst du eine E-Mail, in der du das Abonnement bestätigen kannst. Mehr Informationen finden sich in unserer Datenschutzerklärung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ähnliche Beiträge

Du möchtest nichts mehr verpassen?
Abonniere unseren Newsletter!

Total
0
Share