Der Literaturpodcast „Autorinnen im Porträt“ rückt in jeder Episode eine Schriftstellerin in den Fokus. Dabei schauen wir auf das Leben der Autorin und auf ihr Werk. Wer wir sind? Mariann Gáborfi und Sarah Teicher aus Leipzig. Wir sind auch Redakteurinnen bei Booknerds.de und haben deshalb beschlossen, zu dem im März 2022 gegründeten Podcast eine begleitende Kolumne zu schreiben. (Alle Folgen der Kolumne im Überblick.)
Wenn in der japanischen Literatur der 1980er Jahre ein Name wie ein Versprechen aufleuchtet, dann ist es Banana Yoshimoto. Dass die Autorin mit bürgerlichem Namen Mahoko Yoshimoto heißt, ist ein Detail, das nicht nur für biografische Fußnoten taugt: Ihr Pseudonym „Banana“ hat sie sich während ihrer Studienzeit gegeben – leicht, verspielt, international verständlich. Und doch steckt hinter dieser scheinbar harmlosen Wahl eine Selbstinszenierung, die zu ihrer Literatur passt: zugänglich, freundlich und zugleich eigensinnig.

Berühmt wurde Yoshimoto mit ihrem Debüt Kitchen (1988), welches 1994 im Diogenes Verlag in einer Übersetzung von Wolfgang E. Schlecht erschien und das auf eine leise Weise zu einem Kultbuch wurde. Darin entfaltet sie, was ihre Texte bis heute auszeichnet: die Fähigkeit, den Alltag mit feinen, fast unsichtbaren Fäden an das Magische zu knüpfen – ohne Kitsch, ohne Übertreibung, ohne jemals ins Sentimentale zu kippen. Stattdessen schafft sie es, dass eine ganz gewöhnliche Nudelsuppe Trost spendet, dass eine Küche zum Zufluchtsort wird, dass Trauer und Verlust nicht nur schwere Themen sind, sondern Momente, in denen Wärme und Zärtlichkeit wachsen können.
In unserer Folge von Autorinnen im Porträt sprechen wir ausführlich über genau diesen besonderen Zauber. Wie Yoshimoto es schafft, ihre Figuren in alltäglichen Begebenheiten zu verankern – beim Kochen, beim Essen, beim Zusammensein – und doch eine Ebene zu öffnen, die fast schwebend wirkt. Ihr „magischer Realismus“ ist kein Spektakel, sondern ein vorsichtiges, tröstliches Leuchten. So kann eine Nudelsuppe zu einem Symbol für Nähe werden, ohne je zur bloßen Allegorie zu erstarren.
Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Bodenständigkeit und poetischer Überhöhung, die Yoshimoto weltweit so viele Leserinnen und Leser finden lässt. Ihre Bücher zeigen, dass man das Außergewöhnliche nicht im Fremden suchen muss, sondern mitten im Gewöhnlichen finden kann – in der Küche, am Esstisch, im Gespräch mit Menschen, die bleiben, wenn andere gegangen sind.
Banana Yoshimoto erinnert uns daran, dass Literatur nicht laut sein muss, um zu wirken. Manchmal reicht eine Schale Nudeln, ein kleiner Trost, ein Augenblick der Nähe – und die Welt bekommt wieder eine magische Tiefe.
Und damit entlasse ich euch nur allzu gerne mit einem wohlig warmen Gefühl in den Spätsommer samt ein bisschen Hunger auf ein Süppchen oder vielleicht auch auf das ein oder andere Buch dieser großartigen Autorin!
Eure Mariann
P.S.: Autorinnen im Porträt findet ihr auch auf Instagram und Facebook. Wir freuen uns auf euch!







