Laila Lalami – Das Dream Hotel (Buch)

KI, Überwachungsstaat, Vorratsdatenspeicherung, Algorithmus, Register für psychisch Erkrankte sowie trans und nonbinäre Personen … alles Schlagwörter, mit denen wir uns seit Jahren beschäftigen – nicht zuletzt, weil die Nutzung bzw. die Konzepte dahinter, immer wieder in der Kritik stehen.

In „Das Dream Hotel“ von Laila Lalami, welches zeitlich vermutlich in den 2030er bis 2040er Jahren spielt, ist die Kritik scheinbar ungehört geblieben. Gesichtserkennung per KI zur Verbesserung der Sicherheit im öffentlichen Raum ist Gang und Gäbe. Menschen werden danach kategorisiert, wie hoch ihr Risiko ist, eine Straftat zu begehen, und das Einpflanzen von Neuroprothesen zur Verbesserung des Schlafs, und damit gesteigerter Produktivität, ist der neuste Trend. Was nur im Kleingedruckten steht: der sogenannte „Dream Saver“ sorgt nicht nur dafür, dass jede Person nach nur fünf Stunden Schlaf genauso erholt und fit ist wie nach acht Stunden, sondern er speichert auch die Träume der Nutzenden und wertet diese inhaltlich aus.

Das wird der Protagonistin Sara zum Verhängnis, denn nachdem einer ihrer Träume vage Auskunft darüber gibt, dass sie ihrem Mann etwas antun will, landet sie im sogenannten Dream Hotel – einer forensischen Beobachtungseinrichtung für alle die, deren Risikoeinschätzung zu hoch ist, und die zusätzlich auch noch davon träumen (nicht metaphorisch, sondern wortwörtlich) eine Straftat zu begehen. Durch überangepasstes Verhalten, Fleiß und Dienst nach Vorschrift, beabsichtigt Sara, ihren Risikowert schnellstmöglich wieder zu senken und entlassen zu werden. Als dies immer wieder scheitert, wird ihr klar, das Anpassung und möglichst große Konformität nicht zielführend sind …

Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen verschlungen! Nicht ohne den ein oder anderen Schauer, weil ich das, was Lalami beschreibt als gar nicht so unrealistisch für unsere Zukunft halte. Zumindest, was die Bewertung von Menschen nach Risikowerten angeht und die maximale Überwachung, die unter dem Deckmantel der öffentlichen Sicherheit agiert. Aber auch die Privatisierung von öffentlichen Einrichtungen, denen es aber letztendlich um die eigene Gewinnmaximierung geht, zeichnet sich für mich jetzt schon ab, wenn wir in Richtung der Finanzierung von Krankenhäusern schauen.

„Das Dream Hotel“ ist gesellschaftskritische near future fiction mit dystopischen Elementen. Teilweise wird es auch als literarische Science Fiction bezeichnet, allerdings fehlte mir dafür doch oft die Science: ich hätte zum Beispiel gerne mehr darüber erfahren, wie der Dream Saver tatsächlich funktioniert und wie die Übertragung der Träume funktioniert. In dem Fall bleibt Lalami sehr vage und fokussiert sich eher auf die Beziehungen der Charaktere untereinander und die menschenunwürdigen Zustände.

Auffällig fand ich den Spannungsbogen des Buches. Dieser beginnt mit Saras Festnahme recht weit oben und steigert sich dann langsam. Manchmal wissen wir als Lesende nicht, was nun Traum und was Saras Realität ist, das fand ich enorm gut geschrieben. Auf dem eigentlichen Höhepunkt fällt er dann aber rapide ab und verläuft quasi im nichts. Ich fand das Ende nicht per se schlecht, hätte mir aber einen etwas längeren und spannenderen Showdown gewünscht.

Somit ist „Das Dream Hotel“ für mich ein wichtiges Buch, das zum Nachdenken anregt, und sich sehr gut anbietet, um darüber zu diskutieren. Ein bisschen mehr Detailverliebtheit hätte ihm aber nicht geschadet.

Wertung: 11/15 dpt

  • Autor: Laila Lalami
  • Titel: Das Dream Hotel
  • Originaltitel: The Dream Hotel
  • Übersetzer: Michaela Grabinger
  • Verlag: Kein & Aber
  • Erschienen: 10/2025
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 496
  • ISBN: 978-3-0369-5083-9
  • Sonstige Informationen:
  • Produktseite
  • Erwerbsmöglichkeiten
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