Tom Angleberger – Star Wars Wookiee: Zwischen Himmel und Hölle (Buch)

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Tom Angleberger - Star Wars Wookiee: Zwischen Himmel und HölleNachdem der schrullige Dwight Tharp samt Origami-Yoda von der Schule verwiesen wurde, ist es auf der McQuarrie Middle School ganz schön langweilig geworden, zumal generell sämtliche Star-Wars-Origami-Figuren dort strikt verboten sind. Niemand mehr kann das weise gefaltete grüne Ding mehr um Rat fragen, und es gibt an der Schule keine echten Rätsel mehr. Tommy und die vielen anderen Mitschüler sehen sich mit quälender Ereignislosigkeit konfrontiert, und selbst Dwights Erzfeind Harvey weiß nichts mehr mit sich anzufangen. Sara allerdings lässt sich vom Verbot der Faltkunst nicht beirren und bringt einen Origami-Chewbacca, den sie den Glücks-Wookiee nennt, mit an die Schule – angeblich ein Geschenk von Dwight. Ebenfalls mit von der Partie: Han Falzo, der das Gebrüll des haarigen Himmel-und-Hölle-Verschnitts übersetzt. Schnell nimmt Wookiee Yodas Platz als Ratgeber für die Schüler ein, wenn auch eher heimlich. Es wird langsam wieder aufregend an der McQuarrie, und die Hoffnung wächst, dass der furchtbar normal gewordene Dwight von der Tippett Academy wieder zu seiner alten Bildungsstätte zurückkehrt.

Nach dem ersten Teil “Yoda ich bin! Alles ich weiß!” enttäuschte der Zweitling “Darth Paper schlägt zurück” ein wenig. Zwar hatte auch jenes Werk aus Anglebergers Feder diesen speziellen Charme, doch es ließ durchaus etwas an Frische vermissen. Die Befürchtung, dass es sich langsam ausgeknickt hat, war demnach nicht gerade gering. Doch mit dem neuesten Streich wird diese innere Unruhe mit einem Wisch vom Tisch gefegt, denn in “Star Wars Wookiee – Zwischen Himmel und Hölle” geht es teilweise wieder ganz schön schräg zu, und auch die Überraschungsfrequenz ist deutlich gestiegen.

Wie in den beiden Vorgängerwerken auch hat Tommy zahlreiche Fallstudien angelegt, in der verschiedene Mitschüler ihre Ereignisse schildern, die dann von Tommy kommentiert werden – und auch Harvey kritzelt seine gewohnt ätzenden Kommentare mit hinein. An der Struktur der Bücher aus der Origami-Yoda-Reihe hat sich demnach inhaltlich und optisch nichts geändert, jeder Schüler hat seinen eigenen Schrifttyp und seine eigenen schreiberischen Eigenarten, und auch die zahlreichen, vom US-amerikanischen Autor selbst gezeichneten comicartigen Bilder wurden einmal mehr liebevoll in den gesamten Text integriert, sodass sich der Fan nicht umgewöhnen muss.

Die Charaktere erwachen durch diese Individualisierung regelrecht plastisch zum Leben, was die empathische Ader des Lesers ohne Umwege anspricht. In nullkommanichts gelingt es dem sich durch die Seiten blätternden Zuschauer, sich in die Welt der einzelnen Jungs und Mädels, die allesamt im jungen Teenageralter zwischen etwa der sechsten und der achten Klasse sind, hineinzuversetzen. Jeder trägt sein eigenes großes oder kleines Päckchen, jeder ist auf seine Weise etwas mehr oder weniger Nerd. Und gerade letztere Tatsache wird in Anglebergers Origami-Romanen auf eine angenehme nichtvollkornkekspädagogische Art und Weise thematisiert, ohne dass mit dem erhobenen Zeigefinger gewedelt wird oder der jüngere Leser sich irgendwie in “Da, schau, genau so, dies ist gut, das ist nicht gut”-Manier umhergeschubst fühlen muss.

“Star Wars Wookiee – Zwischen Himmel und Hölle” besticht durch viele kleine Details mit nachhaltiger Wirkung, durch Herzenswärme, durch Gefühlschaos, durch nicht aufgesetzt wirkende Coolness, durch einen strammen Spannungsbogen und interessante Verästelungen, vor allem aber durch die ganz und gar nicht vorhersehbaren Wendungen. Dieses Buch zu lesen ist ein wenig wie in die sich in intensivem Umbau befindlichen Gehirne Frühjugendlicher zu schauen, welche vom großen Kind langsam aber sicher zu Heranwachsenden werden. Erfreulich ist auch, dass Angleberger nicht einfach auf leicht zu konsumierende Kost setzt, an deren Ende jeder Episode alles wieder so ist, wie man es sich wünscht, sondern die Fäden einfach so spinnt, wie es ihm gerade im Sinn steht.

Bis hier hin: Alles wunderbar.

Ein Manko ist allerdings – zumindest für die linguistisch empfindlichere Spezies – wiederholt die manchmal holprige Übersetzung, bei der man die Englischfähigkeiten der jungen Leser sehr wahrscheinlich unterschätzt. Offensichtlich hat man aus einem vermutlichen Slimetrooper oder Snot-Trooper (in Anlehnung an die originale Star-Wars-Figur “Stormtrooper”) einen Rotztruppler gemacht, und aus “Han Foldo” (in Anlehnung an – richtig! – “Han Solo”) hat man einen “Han Falzo” werden lassen. Das wirkt oftmals unbeholfen und mit der Brechstange auf Verständlichkeit getrimmt. Da wäre es vielleicht hilfreicher gewesen, eine Art Glossar an den Anfang oder das Ende des Buches zu setzen, damit man auch als Unwissender nachvollziehen kann, welche Origamifigur von welcher Originalfigur inspiriert wurde und welche Eigenschaften sie besitzen.

Mit dem dritten Origami-Yoda-Buch nimmt Tom Angleberger wieder mächtig Fahrt auf und führt die Realisierung seiner originellen, zuweilen skurrilen Vision eines Kinderbuchs konsequent fort. Ohne Effekthascherei, dafür mit einer stimmigen und eben coolen Mischung aus Text, Bild, realem Leben und Sonderbarem. Nichts ist einfach, nichts erledigt sich problemlos von selbst. Also was tun: Nichts? Auf keinen Fall. Etwas? Ja, aber kommt man denn alleine drauf? Fragen wir die Gefalteten. Das sei auch dem Übersetzer zu empfehlen, damit er weiß, was er in Zukunft eventuell besser machen kann.

Cover © Baumhaus/Lübbe

  • Autor: Tom Angleberger
  • Titel: Star Wars Wookiee: Zwischen Himmel und Hölle
  • Originaltitel: The Secret Of The Fortune Wookiee – An Origami Yoda Book
  • Verlag: Baumhaus/Lübbe
  • Erschienen: 10/2012
  • Seiten: 208
  • Einband: Hardcover
  • ISBN: 978-3-8339-0098-3
  • Sonstige Informationen: Teil drei der Origami-Yoda-Reihe

Wertung: 11/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris’ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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