Anthony E. Zuiker & Duane Swierczynski – Level 26: Dunkle Offenbarung (Hörbuch, gelesen von Udo Schenk)

0

Anthony E. Zuiker & Duane Swierczynski - Level 26: Dunkle OffenbarungCSI-Schöpfer Zuiker und sein Co-Autor Swierczynski läuten mit “Dunkle Offenbarung” den finalen Teil der originellen Trilogie ein. Leider, denn nach dem mehr als soliden Teil “Dark Origins” und dem stark abfallenden Nachfolger “Dunkle Prophezeiung” hat das Duo mit vorliegendem Thriller noch einmal alle Trümpfe ausgespielt.

Einer der besten Ermittler, Steve Dark, geht einmal mehr auf die Jagd nach einem Serienmörder, der die Skala der gängigen Kriminal-Levels von 1 (Zufallstäter, zum Beispiel Ladendiebstahl) bis 25 (Schlächter und Folterer) sprengt. Labyrinth, so dessen Name, kündigt seine brutalen, in verschiedenen Ländern begangenen Taten durch Rätsel an, und er weiß genau, wie er Dark an der Nase herumführen kann – und mit ihm auch das Team, das ihm zur Seite gestellt wird.

Nie bekommt man diesen rätselhaften Menschen zu sehen – man hört zwar seine Stimme, liest seine Nachrichten, nimmt ihn im Internet und in zahlreichen anderen Medien wahr. Seine Identität und sein Gesicht bleiben jedoch ein Mysterium, und so schickt die Angst, Entsetzen und Schrecken verbreitende, sowohl von schwindelerregendem Intellekt und unfassbarem Wahnsinn erfüllte Person seine Verfolger und potenziellen Opfer ihrerseits in ein Labyrinth – selten passte das an sich abgedroschene Sprichwort “nomen est omen” besser als zu diesem Psychopathen. Doch Dark und Konsorten lassen sich nicht entmutigen und gehen nötigenfalls in diesem dynamischen Irrgarten auch einmal ein paar Schritte zurück, um eine andere Route einzuschlagen. Die Überraschungen, die sich auf der Suche offenbaren, lassen den Spannungsbogen hierbei niemals erschlaffen – ganz im Gegenteil: Fast droht die Schnur zu reißen.

Die Opfer der ziemlich üblen Hinrichtungen sind allerdings nie unschuldige Menschen, sondern solche, die alles andere als eine weiße Weste tragen – sie selbst sind Straftäter, denen die Apparate Gerechtigkeit noch nicht das Handwerk gelegt haben. Hierdurch stellt man sich als Zuhörer häufig die Frage, ob Labyrinth wirklich so sehr das Böse verkörpert oder ob man ihm gegenüber gar Sympathien pflegen mag, da er schlichtweg “böser als die Bösen” sein muss, um die Welt zu etwas Besserem werden zu lassen. Somit tappen nicht nur die Protagonisten, Antagonisten, Nebendarsteller und Statisten durch die wirren unsichtbaren Gänge, die aus Labyrinths Gehirn heraus auf den Erdball und in die Gehirne der anderen gezeichnet werden, sondern auch der, der “Dunkle Offenbarung” durch die Kopfhörermembranen schallen lässt.

Wie auch bei Teil eins und zwei der Trilogie handelt es sich bei diesem Finale um einen eigenständigen Fall, doch ein paar Rückbezüge auf die vergangenen Fälle, die die Storyline sehr unterstützen, ließen sich offensichtlich nicht vermeiden – was gut ist, denn so lassen sich viele von Steve Darks Gedankengängen erst hierdurch vollends nachvollziehen, auch was die emotionalen Faktoren und unorthodox erscheinenden Handlungen betrifft. Und letztendlich wirft auch die Vergangenheit einen großen Schatten auf sein Leben, was Darks Seeleninneres nicht unwesentlich aufwühlt.

Auffällig ist, dass die Ereignisdichte in “Dunkle Offenbarung” deutlich höher ist. Auch die zahlreichen Perspektivwechsel – allen voran der Wechsel vom Erzählstil seitens des Teams in der dritten Person zur sehr direkten Egoperspektive von Labyrinth – machen einen besonderen Reiz aus. Ebenfalls trägt die ungewohnte Komplexität dieses Romans viel zur Begeisterung bei, was sehr erfrischend ist, wenn man die beiden eher linear verlaufenden Vorgänger zum Vergleich heranzieht. Ein hoher Qualitätssprung hat obendrein bei den Cyberbridges, wie gewohnt auf www.level26.com zu finden, stattgefunden, denn die insgesamt acht Filme entsprechen erstmals hundertprozentig der Professionalität der Marke CSI und sind enger als zuvor mit der Geschichte verwoben. Konnte man auf “Dunkle Prophezeiung” und “Dark Origins” die Videos noch auslassen, so sei hiermit ausdrücklich empfohlen, sich beim dritten Teil auch wirklich jeden Clip anzusehen, denn erst dadurch wird das Puzzle durch die fehlenden Teile vervollständigt – speziell den achten und letzten, der der erzählten Story des (Hör-)Buches folgt und den endgültigen Abschluss mit sich bringt.

Erschien Vorleser Udo Schenk (Synchronstimme für Ralph Fiennes, zum Beispiel als Lord Voldemort in den “Harry Potter”-Filmen, unter anderem auch für Michael Emerson (“Lost”), Kevin Bacon, Gary Oldman und Brad Dourif) im zweiten “Level 26”-Krimi fast ein wenig herzblutarm, so liefert er auf vorliegender Sechsfachscheibe seinen wohl besten Job ab. Gerade was die diversen Klangfarben seiner doch sehr speziellen Stimme angeht, bemüht sich Schenk um Glaubwürdigkeit der einzelnen Charaktere sowie um Variabilität, und wie schon in “Dark Origins”, wo er, als er den Killer Sqweegel sprach, zu Höchstform aufgelaufen war, brilliert er auch dieses Mal besonders dann, wenn er in die Rolle des Bösen schlüpft. Kaum einer mimt in Hörbüchern Psychopathen besser als er – dieser Stimme zwischen Wahnsinn, Reibeisen und Quäken, zwischen Witzfigur und dem, der nach Deinem Leben trachtet, ist so speziell, so vereinnahmend, dass es beinahe schon verstört. Und das ist gut so, denn es passt perfekt zu dem, was ihm Swierczynski und Zuiker als Vorlage unters Mikrofon geschoben haben.

Abschließend lässt sich feststellen, dass “Dunkle Offenbarung” – aus rein subjektiver Sicht, versteht sich – der gehaltvollste und qualitativ stärkste Teil der Trilogie ist – und der am leidenschaftlichsten vorgetragene.

Cover © Lübbe Audio

  • Autor: Anthony E. Zuiker, Duane Swierczynski
  • Titel: Level 26: Dunkle Offenbarung
  • Originaltitel: Level 26: Dark Revelations
  • Übersetzer: Alexander Lohmann
  • Verlag: Lübbe Audio
  • Erschienen: 10/2012
  • Sprecher: Udo Schenk
  • Spielzeit: 422 Minuten auf 6 CDs
  • ISBN: 978-3-7857-4689-9
  • Sonstige Informationen: Bearbeitete Fassung, Teil drei einer Trilogie

Wertung: 12/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris’ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
∇ mehr über Chris Popp/Kontakt


Kommentare sind gesperrt.

Du möchtest nichts mehr verpassen?
Dann abonniere unseren Newsletter!

Anthony E. Zuiker & Duane Swierczynski R…

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
0