Brenna Yovanoff – Schweigt still die Nacht (Buch)

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Brenna Yovanoff - Schweigt still die Nacht (Buch)Wer ist Mackie Doyle? Oder besser gefragt: Was ist er? In einer amerikanisch-provinziellen Kleinstadt namens Gentry wächst jener junge Mann auf, er, der schon seit jeher etwas anders war. Seine schwarzen Augen. Seine körperlich extremen Reaktionen auf Metall und auf Blut. Sein ganzes Wesen. Es war demnach mehr als logisch, dass er in seiner Schule schon früh den Ruf eines Freaks hatte – und der verfolgt ihn auch weiterhin. Es dauert nicht lange und Mackie erfährt, dass er nicht von dieser Welt stammt, sondern aus der Unterwelt, tief unter der Erde, wo wandelnde Tote, nach Verwesung stinkend, ihr „Leben“ leben.

Diese Unterwelt wird von einer grausamen Herrscherin angeführt und diese ordnete an, in regelmäßigen, großen Abständen ein Baby zu opfern und dieses durch ein Kind aus der Unterwelt der bodenlosen Tümpel zu ersetzen. Angetrieben vom Drang, einfach nur ein normaler Mensch zu sein, muss sich Mackie dem Abenteuer unter der Erde stellen und erfährt Dinge, die so nicht zu erwarten gewesen wären. Zudem stellt sich beim Wandeln seines neuen Pfades auch die Frage, wer nun Freund oder Verbündeter und wer das genaue Gegenteil ist.

Nun mag der Leser denken, dass es sich bei „Schweigt still die Nacht“ um einen profanen Urban-Mystery/Fantasy-Roman für Jugendliche handelt, doch die Befürchtung zerschlägt sich rasch. Klar, ein bisschen Romanze ist auch in diesem Buch zu finden, doch das war es dann auch schon mit Klischees, denn diese Story ist sehr häufig um einiges gruseliger, ekliger und blutiger als das Gros der derzeit beliebten Genrevertreter – und anstatt Hochglanz-Schlüpferstürmerbilder in den Kopf zu transportieren, arbeitet die junge Schriftstellerin mit deutlich anderen Stilmitteln.

So sind die Charaktere um einiges merkwürdiger, cooler, sonderbarer; und das ist letztendlich authentischer und „glaubwürdiger“ (ja, klar, eigentlich ein Widerspruch in dieser Romansparte!) als so manches, was derzeit unter anderem auch das audiovisuelle Licht der Welt erblickt hat. Trotz aller Bildhaftigkeit und vieler Verflechtungen meistert Yovanoff es sehr gut, das Ganze flüssig lesbar zu halten. Und trotz aller Spannung lässt sich „Schweigt still die Nacht“ sehr entspannt lesen – immer mit kleinen Pausen zwischendrin, damit das bisher Gelesene sich erst mal setzt.

Cover © script5

  • Autor: Brenna Yovanoff
  • Titel: Schweigt still die Nacht
  • Originaltitel: The Replacement
  • Übersetzer: Sandra Knuffinke, Jessika Komina
  • Verlag: script5
  • Erschienen: 01/2011
  • Einband: Hardcover mit Schutzumschlag
  • Seiten: 368
  • ISBN: 978-3-8390-0127-1

Wertung: 11/15 dpt

(Rezension wurde vom Autor überarbeitet und ursprünglich im noisyNeighbours-Magazin, Ausgabe 35, veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle für die Gestattung der Übernahme des Artikels!)

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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Brenna Yovanoff – Schweigt still die Nacht…

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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