Neil Gaiman – Sternwanderer

Coverbild: Sternwanderer (c) Eichborn

„Er war einmal ein junger Mann …“

Schon mit diesem ersten Satz besteht kein Zweifel daran, in welches Genre der Roman einzuordnen ist. Gaimans 1998 erstmalig erschienener Roman „Sternwanderer“ ist ein Märchen durch und durch, inklusive des traditionellen Plots: Gaimann schickt seinen Protagonisten Tristran in die Welt hinaus. Der junge Mann will, um das Herz seiner Angebeteten zu erobern, einen Stern finden und ihr zu Füßen legen. Die Mutprobe wird zum erwarteten Abenteuer, in dessen Verlauf der Held zum Mann reift. Allerhand Gefahren begegnen ihm, meist in Gestalt von Hexen und anderen dunklen Figuren. Magische Kräfte gehören zum guten Ton. Es wird gezaubert und verzaubert und am Ende siegt das Gute über das Böse. Der Held findet nicht nur sein Glück sondern auch seinen Platz im Leben.

Gaiman schöpft aus der ganzen Palette märchenhafter Ausstattung. Als Ausgangsort dient ihm ein fiktives englisches Dorf namens Wall, dessen namengebende Mauer die reale Welt von der Zauberwelt trennt. Die Vorstellung von einer Parallelwelt, die neben der unseren existiert und deren irrationale Einflüsse in unser aller Leben hineinreichen, trägt die Geschichte.

Das Märchen, welches Gaiman erzählt, ist nicht besonders originell in seinen Handlungsmustern. Der Autor bedient sich vertrauter Motive, die er ein wenig neu variiert und arrangiert. Die Grundhandlung bleibt dadurch weitestgehend vorhersehbar, auch die Spannung erhebt sich selten über den Durchschnitt. Dass der Fantasy-Klassiker sich trotzdem einer so großen und seit Jahrzehnten ungebrochenen Beliebtheit erfreut – sogar zur Hollywood-Verfilmung  hat der Roman es geschafft – liegt eher am charmanten Erzählton des Autors.

Gaiman verhindert mit leisem Humor und ironischem Augenzwinkern, dass jedwedes märchenhaftes Pathos in Kitsch verrutscht. Seine Figuren sind – aller magischen Eigenschaften zum Trotz – von menschlicher Wesensart.

Die Zauberwelt, die Gaiman seinen Lesern vorhält, ist ein Spiegel, der menschliche Fehler und Schwächen, aber auch Träume und Wünsche als phantastische Bilder zurückwirft. So überführt Gaiman den ursprünglichen Sinn des Märchens in seine Geschichte und transformiert die traditionelle Form in eine moderat modernisierte Version.

  • Autor: Neil Gaiman
  • Titel: Sternenwanderer
  • Originaltitel: Stardust
  • Übersetzer:  Christine Strüh
  • Verlag: Eichborn
  • Erschienen:  Februar 2022
  • Einband:  Broschiert
  • Seiten: 240 Seiten
  • ISBN:  978-3847901037


Wertung: 11/15 dpt


Schreibe einen Kommentar

Hinweis: Mit dem Absenden deines Kommentars werden Benutzername, E-Mail-Adresse sowie zur Vermeidung von Missbrauch für 7 Tage die dazugehörige IP-Adresse, die deinem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, in unserer Datenbank gespeichert. E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden selbstverständlich nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Du hast die Option, Kommentare für diesen Beitrag per E-Mail zu abonnieren - in diesem Fall erhältst du eine E-Mail, in der du das Abonnement bestätigen kannst. Mehr Informationen finden sich in unserer Datenschutzerklärung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ähnliche Beiträge

Du möchtest nichts mehr verpassen?
Abonniere unseren Newsletter!

Total
6
Share