Das war 2014 – Dominik Nüse-Lorenz

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Dominik Nüse-LorenzEin altes Jahr geht, ein neues selbiges kommt… und eh man sich versieht, ist das neue Jahr schon wieder ein paar Tage alt. Allerhöchste Zeit also für einen kurzen Rückblick auf 2014.

Es war ein ziemlich seltsames und für mich noch nicht wirklich greifbares Jahr. Man sagt ja so schön, im Rückblick würde man das Leben verstehen – es braucht aber wohl noch etwas Zeit. Zwischen sehr schlimmen persönlichen Ereignissen gab es zum Glück auch ein paar korrigierende und ausgleichende glückliche Momente, die sich hoffentlich als weitaus nachhaltiger herausstellen werden. Das wird das neue Jahr und die vielen weiteren neuen Jahre zeigen.

Auf das Weltgeschehen, das mich als eher aufmerksamen Beobachter im zurückliegenden Jahr mehr als einmal kopfschüttelnd, zweifelnd und ratlos zurückgelassen hat, muss in diesem Rückblick nicht eingegangen werden. Doch wünsche ich mir angesichts von nationalen wie internationalen Krisen und dumpfsinnigen Ereignissen einfach etwas mehr Aufmerksamkeit, Empathie, Demut und sehr viel weniger Hysterie!

Doch auch in den eher unglücklicheren Momenten hat sich gezeigt, dass Musik und Literatur neben lieben Menschen und natürlich auch Ärzten eine durchaus heilende Wirkung haben – können. So hat mich über mehrere Wochen hinweg der imposante Back-Katalog von Rush enthusiasmiert. Das ist für mich immer noch und immer wieder sowohl rhythmische wie melodiöse Perfektion bei gleichzeitigem Maximum an Emotionalität und Spielfreude. Und ganz nebenbei gehört für mich Neil Peart nicht nur zu den signifikantesten Drummern der Rockgeschichte, sondern auch zu den eigenwilligsten Textern. Großartig – und mein ganz persönliches Rock-Götter-Dreigestirn! Neben diesen ollen Kamellen – die Phrase passt irgendwie ganz gut zum „Dreigestirn“ – haben mich 2014 drei neue Alben nachhaltigst umgehauen:

  • Opeth – Pale Communion
  • Robert Plant – Lullaby and… the Ceaseless Roar
  • Pain of Salvation – Falling Home

Daneben entdecke ich unbewusst, aber inzwischen lässt sich da fast sagen Jahr um Jahr, je ein King Crimson-Album. 2014 war für mich das Jahr von „Larks‘ Tongue in Aspic“.

Literarisch kamen für mich die großen, euphorisierenden und begeisternden Bücher erst so richtig gegen Jahresende.

  • „Die Ermordung Margret Thatchers“ von Hilary Mantel
    Ja, Lesen ist nicht nur Wohlfühlgedöns und wohlfeiler Leibensrat, sondern will sich hin und wieder auch hart aber erarbeitet werden. Ein schmaler und dabei großartiger Erzählband!
  • „Punk is Dad“ von Roddy Doyle
    Was mit Menschen passiert, die plötzlich mit einer Krebsdiagnose konfrontiert werden, das illustriert sehr eindrucksvoll die US-Serie (natürlich!) Breaking Bad – doch so ein plötzlich und konkret endlich gewordenes Leben kann auch etwas weniger crank verlaufen. Und genau diese Perspektive zeigt der Ire Roddy Doyle. Ein Buch mit einigen emotionalen Achterbahnfahrten aber eben auch einem erfrischenden, herben Humor. Unbedingt lesenswert!
  • „Das Kraus Projekt“ von Jonathan Franzen
    Anfangs von der Literaturkritik als Family-Man und handzahmer Autor missinterpretiert, zeigt Franzen in seinen Essays und seinem letzten Roman, dass er mehr kann und über weitaus mehr Facetten verfügt als Wohlfühlbuchhändler und Wohlfühlfeuilletonisten ihm gemeinhin zugestehen wollen. Dieses öffentliche, differenzierte und meistens mega-kluge Denken, das der Autor in diesem Band zelebriert, ist schlichtweg umwerfend.

Adolph Muschg, Hans Magnus Enzensberger oder auch Thomas Pynchon haben hier mit ihren Essays („Im Erlebensfall“ CH Beck), autobiographischen Notizen („Tumult“, Suhrkamp Verlag) und einem wieder einmal epochalen Roman („Bleeding Edge“ Rowohlt Verlag) ebenfalls bei mir punkten können.

Fragen, die mich heute, im Februar und im Sommer 2015 beschäftigen werden:

  1.  Zertrommelt der ansonsten so herausragende Manu Katché das geniale „Red Rain“ in der aktuellen Live-Veröffentlichung?
  2. Warum ist Namensfindung so schwer?
  3. Wann wird meine Promotion fertig?

Daneben freue ich mich auf all die Bücher, die ich entweder selbst entdecke oder auf die ich durch die erfrischenden und klugen Rezensionen meiner Mit-Nerds gestoßen werde! Die Vorschauen lassen ja erahnen, dass es da durchaus einiges zu entdecken gilt und gibt.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen, die ihr diesen Rückblick bis hierher gelesen habt, ein gutes, gesundes und glückliches 2015!

 

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Über den Autor

Dominik Nuese-Lorenz

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Dominiks Nerd-Schreibtisch

Als gebürtiger Freiburger und aufgewachsener Rheinländer bin ich inzwischen seit doch einigen Jahren im Dreieck Bamberg-Bayreuth-Nürnberg gelandet. Nach fast zehn Jahren als Pressepsprecher eines Kinder- und Jugendbuchverlages kam 2012 die Zeit, in der ich meine angedache Doktorarbeit endlich realisieren wollte und beschäftige mich daher gerade mit – grob gesagt – Postnationalen Entwürfen der deutschen Gegenwartsliteratur.

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Das war 2014 – Dominik Nüse-Lorenz

von Dominik Nuese-Lorenz Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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