Daniel Westland – Schwarze Schwäne (Buch)

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Daniel Westland - Schwarze Schwäne (Buch)Mit „Schwarze Schwäne“ versucht sich Daniel Westland, der eher als Sachbuchautor und als Co-Autor für Jan Hofer, Dieter Kronzucker oder Ralph Caspers bekannt ist, nach „Polsprung: Die Welt spielt verrückt“ zum zweiten Mal als Erschaffer eines Öko-Thrillers. Bei der 22-jährigen Jennifer Meyer wurde eine seltene vererbbare Autoimmunkrankheit namens Seibel-Thyreoiditis diagnostiziert, die dafür sorgt, dass ihr Blut Antikörper gegen die eigene Schilddrüse bildet, so dass der Hormonhaushalt immer mehr außer Kontrolle gerät. Folge: Langsamer aber sicherer Tod. Bereits ihr Vater erlag dieser Krankheit, und ihr selbst bleiben vielleicht noch sechs Monate Lebenszeit.

Dennoch lässt sie sich nicht entmutigen und jobbt in den Semesterferien ihres Biomathematikstudiums in der Wuppertaler Zweigstelle einer Organisation namens RISK, welche sich weltweit mit Risikoforschung beschäftigt. In Brasilien soll zur selben Zeit, gesteuert vom geldgierigen Weltkonzern GlobalENJ, recht bald das neuartige Kraftwerk GAIA3000 in Betrieb genommen werden, das Energie durch Bioetech-Nanoelemente erzeugt. Jennifer ahnt noch nichts, recherchiert für RISK, versucht gemeinsam mit ihrem Bruder gar die GlobalENJ-Datenbank zu hacken, und traut ihren Augen nicht – nachdem sie immer mehr Puzzlestücke findet, die eine lang befürchtete These unterstützen, dass die Menschheit nicht mehr viel Zeit hat und in kaum mehr als fünfzig Jahren aussterben wird, errechnet sie die fehlerfreie Todesformel.

Geht der Nanoelemente-Reaktor ans Netz, wird eine Art Schmetterlingseffekt ausgelöst, was bedeutet, dass die Nahrungskette in den nächsten Jahrzehnten Stück für Stück zerstört wird. Bei der GlobalENJ wurde bemerkt, dass ein Brute Force-Hackversuch vorgenommen wurde, und bald kommen sie Jennifer auf die Spur. Mit allen Mitteln versucht der Konzern, sie an der Veröffentlichung der Daten zu hindern, und so kämpft sie nicht nur um ihr Leben, sondern um das Überleben des Menschen.

Die Idee hinter diesem Thriller ist absolut brillant, und auch an Spannung mangelt es nicht, doch es gibt so einige Dinge in diesem Buch, die indiskutabel sind. Ob das nun auf Westlands Mist gewachsen ist oder ein übereifriges Lektorat zu viel Hand angelegt hat – darüber kann man nur spekulieren. Jedenfalls werden beispielsweise extrem viele Ausrufezeichen- und Fragezeichen-Sätze zur Schilderung diverser Emotionen platziert („Blöder Mist!“; „Was sollte sie jetzt tun?“; „Oh nein!“), was definitiv nicht in ein an sich „erwachsenes“ oder „jugendliches“ Buch passt und einen infantilen „Menno!“- und Mit-dem-Fuß-auf-den-Boden-Stampf-Effekt mit sich zieht.

Dasselbe gilt auch für gelegentliches „Bumm!“ und „Peng! Peng!“, doch den gröbsten Schnitzer hat sich Westland – oder eben das Lektorat – damit geleistet, dass im gesamten Buch „Thyreoiditis“ statt „Thyreoditis“ (also ohne das erste „i“) geschrieben ist, was schlichtweg falsch ist. Das wäre so, als schriebe man in einem Roman „Asteroden“ statt „Asteroiden“ – und das ist gerade bei jemandem, der Sachbücher mit wissenschaftlichem Hintergrund geschrieben hat, ein absolutes No-go. Stilistisch unschön ist auch, dass statt „jemandem/n“ oder „niemandem/n“ stets „jemand“ beziehungsweise „niemand“ verwendet wird.

Doch auch jenseits dieser Blüten macht der Autor keine glückliche Figur. So wirken die Dialoge der generell sehr gut skizzierten Charaktere oftmals sehr aufgesetzt, was irgendwie das Gefühl hervorruft, dass dieses Buch eigentlich ein Sachbuch hätte werden sollen und nun mit der Brechstange „romanisiert“ wurde. Auch wirkt die Geschichte zum Ende hin etwas stark konstruiert und überhastet auf ein gewollt fulminantes Finale hingebogen, was beim Leser anhand der Fragwürdigkeit ein „Ja nee, ist klar!“ hervorruft und die Spannung blitzartig verpuffen lässt. Schade, denn inhaltlich hätte „Schwarze Schwäne“ unglaublich viel Potenzial gehabt.

Cover © script5

  • Autor: Daniel Westland
  • Titel: Schwarze Schwäne
  • Verlag: Script5
  • Erschienen: 2012
  • Einband: Klappenbroschur
  • Seiten: 368
  • ISBN: 978-3-8390-0140-0

Wertung: 7/15 dpt

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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