Die Vampirschwestern (Spielfilm, DVD/Blu-Ray)

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Die Vampirschwestern - DVD Cover © Sony Pictures Home EntertainmentDass es Vampire unter all diesen normalen Menschenwesen nicht einfach haben, ist kein Geheimnis. Doch auch Halbvampire haben es nicht minder schwer – wie beispielsweise die beiden zwölfjährigen Halbvampirschwestern Silvania (Marta Martin) und Dakaria (Laura Roge). Die sind es gewohnt, in Transsilvanien ihre Blutsaugerseite voll auszuleben, durch die Gegend zu fliegen, übernatürliche Fähigkeiten anzuwenden, das ein oder andere unschuldige Tier auszusaugen oder all das zu tun, was ein Mensch niemals tun würde, weil… ein Mensch so etwas nicht tut. Oder nicht kann. Dumm nur, dass die Eltern (gespielt von Christiane Paul als Menschenmama und Stipe Erceg als Vampirpapa) beschließen, in eine deutsche Kleinstadt zu ziehen, und sowohl Eltern als auch Schwestern stehen nun vor der Herausforderung, ihr Verhalten zumindest außerhalb verschlossener Türen zu verbergen und so zu tun, als seien auch sie ganz gewöhnliche Menschen.

Während Silvania das Menschsein gar nicht mal so übel findet,  ihr Interesse an coolen Outfits, guten Freundinnen und süßen Jungs geweckt ist und sie sich durch die positiven Erfahrungen immer mehr wünscht, ein Mensch zu werden, findet Dakaria es unfassbar fad und öde. Ihr ist dieses Leben als Möchtegernmensch zuwider, und am liebsten würde sie zum Vollvampirtum konvertieren. Aber wenngleich sich die beiden wie ihr Vater möglichst bemühen, sich in der Öffentlichkeit unauffällig zu verhalten, so ist die Familie dem neugierigen und paranoiden Nachbarn Dirk van Kombast (Michael Kessler) suspekt. Ihm wird immer klarer: Nebenan sind Vampire eingezogen. Vampire! Klare Sache für ihn als selbsternannter Vampirjäger: Denen muss der Garaus gemacht werden. Waren sie es doch, die seine Mutter damals die Klapsmühle eingebrockt haben.

Die Vorlage für den Film liefert Franziska Gehm, die mittlerweile zehn „Die Vampirschwestern“-Bände veröffentlicht hat. Es mag sein, dass diese sich sehr unterhaltsam lesen (was der Verfasser dieser Zeilen leider nicht beurteilen, sondern nur vermuten kann), und auch die Inhaltsangabe der audiovisuellen Variante lockt selbst dem größten Griesgram ein flüchtiges Grinsen ins Gesicht: »Och, klingt doch ganz lustig…«

Die Vampirschwestern - Szenenfoto 2 © Sony Pictures Home EntertainmentIn der Verfilmung jedoch offenbaren sich über weite Strecken all jene Symptome der Gebrechen, unter denen der deutsche Film leidet. Zwar lässt der Anfang noch etwas Hoffnung aufkeimen, weil die Kulissen und Bilder schrillbunt beinahe einen richtig international konkurrenzfähigen Eindruck machen, doch bereits mit den ersten Schauspieleinlagen wendet sich das Blatt in Sekundenschnelle. Während die erwachsenen Darsteller noch einigermaßen akzeptabel in ihre Rollen zu schlüpfen wissen, sind die Defizite bei den jungen Akteuren von erschreckendem Ausmaß. Besonders die Nebenrollen sind teilweise schockierend schwach besetzt. Mimentalent? Fehlanzeige. Doch selbst die beiden Darstellerinnen der Schwestern wissen nicht gerade mit Qualitäten zu überzeugen und bewegen sich bestenfalls auf durchschnittlichstem Durchnittsniveau. Fast möchte man behaupten, das drollige, wurm-raupen-artige animierte Viech namens Karl-Heinz sei der qualifizierteste Vertreter des Casts.

Denn gerade bei der Phrasierung der ohnehin schon sehr hölzern gescripteten Dialoge muss man fassungslos die Stirn runzeln und könnte in die Falten derselben ohne weiteres den Inhalt eines kompletten Karteikastens feststecken. Das Gesprochene klingt wie abgelesen, völlig gekünstelt, sodass man manchmal hinsichtlich der Darbietungsqualität glauben mag, man sehe gerade zweitklassige Werbespots für Waschmittel, Margarine und Süßigkeiten. Hinzu kommt, dass die Akustik gerade in geschlossenen Räumen sehr zu wünschen übrig lässt – manches versteht man nur mit viel Mühe, zusammengekniffenen Augen und extrem viel Konzentration, und das verhagelt dem Zuschauer den Spaß doch gewaltig. Wenn nun noch gewollt lässig versucht wird, mit solchen Wörtern wie „flopsen“ (das Hochspringen/fliegen mit abschließendem Kopfüber-von-der-Decke-Hängen)  die Coolnessrezeptoren der Kids anzusprechen, sinkt die Sitzhöhe des Filmsehenden mit dem Qualitätsniveau.

Die Vampirschwestern - Szenenfoto 1 © Sony Pictures Home EntertainmentDoch damit nicht genug der kritischen Anmerkungen, denn neben der löchrigen, inhaltsarmen Story, die auch für einen dreißigminütigen Kurzfilm ausgereicht hätte, sind vor allem die Gags ärgerlich. Die wirken meist arg erzwungen und verkrampft, die Pointen sind vorhersehbar wie der gesamte Film, und bestenfalls Michael Kessler (bekannt aus „Switch“ beziehungsweise „Switch reloaded“ sowie „Schillerstraße“) kann noch halbwegs ansprechende komödiantische Akzente setzen, wobei auch er schon bessere schauspielerische Tage erlebt hat. Das mag allerdings auch an der einseitigen Rolle liegen, die er verkörpert, denn auch ein lieblos platzierter oder flacher Witz wird nicht besser, wenn ihn ein Comedian spielt. Wenn dann noch etwas kinderkompatibilisierter Fäkalhumor dazukommt, ist das nur bezeichnend: Es stinkt zum Himmel.

Doch auch technisch ist resigniertes Seufzen angesagt, denn sowohl die Soundeffekte als auch die visuellen Effekte wirken stellenweise schockierend billig. Bei kurzen Effekteinlagen fällt das noch nicht ganz so sehr auf, doch gerade wenn Personen (oder eben Vampire) durch die Gegend fliegen, steigt der Trash-Faktor doch immens – selbst vor rund dreißig Jahren hatte man so manches besser und glaubwürdiger produziert. Weitere Ärgernisse sind die inflationäre Verwendung von Klischees, Anbiederungen an das Publikum der im letzten Jahrzehnt größten Fantasy/Mystery-Erfolge aus dem Magie- und Vampirgenre, die Banalisierung und die Verlächerlichung des Andersseins und ganz besonders der Verwurstung des Titelsongs als Bonusfeature.

Letztendlich erleben wir ein Baustein-Stückwerk aus marktanalytischen Elementen, das mal leidlich gut, mal wahrlich dilettantisch zusammengesetzt wurde, an seinen eigenen Ansprüchen grandios scheitert und beinahe schon ein wenig wütend stimmt. Letztendlich ist das aber keine Überraschung, denn der deutsche Film ist zur Zeit in einer desolaten Lage – und „Die Vampirschwestern“ spiegelt das lediglich in aller Deutlichkeit wider.

Cover und Szenenfotos © Sony Pictures Home Entertainment

 

  • Titel: Die Vampirschwestern
  • Genre:
    Kinderfilm, Komödie, Fantasy
  • Erschienen: 12.09.2013
  • Label: Sony Pictures Home Entertainment
  • Spielzeit:
    94 Minuten auf 1 DVD
    98
    Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller:
    Stipe Erceg
    Marta Martin
    Christiane Paul
    Laura Roge
    Michael Kessler
    Hans-Peter Deppe
    Richy Müller
    Christian A. Koch
    Jamie Bick
    Jonas Holdenrieder
  • Regie: Wolfgang Groos
  • Produktion: Jakob Claussen, Uli Putz
  • Extras DVD:
    Featurettes (Die Story)

    Musik-Video (Little Sister – Titelsong)
    Kino-Trailer
    Trailer
  • Extras Blu-Ray:
    B-Roll
    Featurettes (Die Story, Dakaria & Silvania, Hinter den Kulissen)
    Filmausschnitte
    Premieren-Clip
    Musik-Video (Little Sister – Titelsong)
    Kino-Trailer
    Trailer
  • Technische Details (DVD)
    Audioformat: Dolby Digital 5.1 (Deutsch)
    Bildformat:
    16:9 Widescreen (1.85:1)
    Untertitel:
    Deutsch
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Audioformat: Dolby Digital 5.1 (Deutsch)
    Bildformat:
    16:9 Widescreen (1.85:1), 1920x1080p, HD
    Untertitel:
    Deutsch
  • FSK: 6
  • Sonstige Informationen:
    Homepage zum Film mit allen Informationen

 

Wertung: 4/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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Die Vampirschwestern (Spielfilm, DVD/Blu-Ray)

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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