Dirk van den Boom – Eine Reise alter Helden. Die neunte Expansion, Band 01 (Buch)

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Dirk van den Boom - Eine Reise alter Helden. Die Neunte Expansion, Band 01 (Buch)Pur – Klassisch – Direkt

Ein Buch, bei dem man sich während der Lektüre vergewissern muss, ob der Einband nicht doch Stahl genietet ist und die Seiten nicht nach Schmiermittel oder heißer Elektronik riechen – Dirk van den Booms „Eine Reise alter Helden“ ist so ein Exemplar. Der Roman bildet den Auftakt zur neuen Science Fiction-Reihe des Wurdack Verlags, „Die Neunte Expansion“ (D9E). Mit Zukunftstechnik im used-look, atmosphärischen Schwingungen zwischen „Alien“ und „Firefly“ sowie  harten Charakteren, die bis ins Mark mariniert sind mit einem Sud aus Heldentum, Schroffheit, Kampfeswillen und Selbstvertrauen, stellt sich die Frage, ob die Story noch Biss hat oder dem Leser nur weichgekochtes Aufgewärmtes

Hintergrundinformationen zur Reihe „Die Neunte Expansion (D9E)“

Die D9E-Reihe ist als Shared-Universe konzipiert. Der Wurdack-Verlag plant jährlich vier Bände, in denen verschiedene Autoren einen gemeinsamen Weltentwurf mit eigenen Charakteren und Plots vorantreiben. Dirk van den Boom durfte in das große Szenario einführen, das er selbst mitentwickelte. Darin geht es um das absurde Alien-Volk der Hondh und die Menschen, die in ferner Zukunft große Teile der Milchstraße besiedelt haben. Über Jahrhunderte hinweg herrschte Krieg zwischen der Terranischen Hegemonie und den Hondh, die noch kein Mensch von Angesicht zu Angesicht gesehen hat. Währenddessen und auch nach der Niederlage gegen die Aliens hat sich die Menschheit technologisch eher zurückentwickelt. Die Hegemonie existiert nicht mehr. Lediglich eine menschliche Verwaltungsregierung wurde auf der Erde eingesetzt, um die Gesetze der dauer-abwesenden Besatzungsmacht einzuhalten sowie Produktion und Abgaben für die hohen Tributforderungen sicherzustellen. Erdlinge und andere Menschen im Machtbereich der Hondh sind glücklich, sehr zufrieden mit dem Status Quo und leben ein Leben ohne Krieg, Kriminalität und Waffen.

Dirk van den Boom ist für deutschsprachige Military Science Fiction bekannt, was in diesem Fall bedeutet, dass er das Szenario nicht nur wunderbar einleitet, sondern auch spannend kontrastiert. Mit „Eine Reise alter Helden“ beginnt die Geschichte noch in der Phase des Kriegs, gute fünfhundert Jahre vor dem eigentlichen Szenario von D9E. Die Menschheit ist ausgelaugt. Generationen von Kindern kennen nur noch den Kriegszustand. Ressourcen sind knapp. Technik ist alt. Ingenieure verstehen nicht wirklich, was ihre Kollegen vor etlichen Dekaden in Zeiten des Friedens entwickelten. Alles ist Flickwerk. Die Soldaten sind Dank ihrer Enhancements in Körper und Gehirn bessere Kämpfer, aber wandelnde Tote, weil die Kriegstechnik den Körper belastet, ihn im schlimmsten Fall sogar schon zu Lebzeiten für alle anderen Tätigkeiten außerhalb des Dienstes unbrauchbar macht.

Lieutenant-Commander Thrax und Lieutnant Skepz haben das Kommando über die Interceptor, ein Kriegsraumschiff der Hegemonie mit Minimalbesatzung, als ihr Verbund von den Hondh angegriffen wird. Sie entkommen nur knapp dem Feind, der mit einer letzten Attacke auch noch den Überlicht-Antrieb des Kreuzers zerstört. Die Crew beschließt, sich in Stasis-Kammern zu konservieren und den fünfhundert Jahre dauernden Flug bis zur Erde anzutreten. Doch was sie nach dieser Zeit auf ihrem Heimatplaneten erwartet, kann den kriegsgewohnten Vollblutsoldaten nicht gefallen. Die Hondh haben den Krieg gewonnen. Die Menschen sind glücklich und verdächtig friedlich. Teile der Crew sind froh über diese Entwicklung und gehen augenblicklich in Ruhestand. Aber Thrax und seine Offiziere wollen endlich das Rätsel um die Hondh und ihre Expansionspolitik lösen. Sie trauen dem Frieden nicht und benutzen ihre überlegene, aber veraltete Technik, um eigene Untersuchungen anzustellen. Dabei treffen sie nicht nur auf eine Splittergruppe Gleichgesinnter, sondern erfahren, dass es auch menschliche Siedlungen auf Planeten außerhalb des Machtbereichs der Hondh gibt, in denen die Zeit nicht stehen geblieben ist. Vor allem das Den-Haag-Institut auf dem Planeten Sisyphos scheint sich für das Geheimnis der Aliens und die alten Kriegshelden aus der Vergangenheit zu interessieren.

Was Dirk van den Boom in diesem Serien-Auftakt schreibt, ist pure, harte und direkte Science Fiction. Man kann das beinahe klassisch nennen. So muss eine Reihe starten. Und bedenkt man diesen Rahmen, ist es unsinnig, über einige Wiederholungen und unnötige Sätze zu sinnieren. Es gibt zwar qualitativ schmerzende Serien-Romane, bei denen man auf jeder Seite merkt, dass hier einfach nur Papier gefüllt werden musste, aber „Eine Reise alter Helden“ gehört definitiv nicht dazu. Die Story bietet genug Material und hat neben ihrer interessanten Atmosphäre vor allem durch die geschickt reflektierte Auseinandersetzung mit Krieg und Frieden einiges zu bieten. Das D9E-Setting ist breit angelegt. Ein großes Universum mit vielen unterschiedlichen Welten, Völkern, Binnendifferenzierungen und Technologiegefällen hält der Wurdack-Verlag bereit. Man darf gespannt sein, wie die Idee eines absurden Alienvolks diese Bühne bespielen wird.

Cover © Wurdack

Wertung: 12/15 dpt


Über den Autor

Christian Bischopink


Christians Nerd-Schreibtisch

Aktuelle und ewige Lieblingszitate:

»I’ve seen things you people wouldn’t believe. Attack ships on fire off the shoulder of Orion. I watched C-beams glitter in the dark near the Tannhauser Gate. All those moments will be lost in time like tears in rain. Time to die.«
(Roy Batty, „Blade Runner“)

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Dirk van den Boom – Eine Reise alter Helde…

von Christian Bischopink Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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