psych – Staffel 6 (TV-Serie, 4DVD)

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psych - Staffel 6 DVD Cover © Universal Pictures Home EntertainmentVor nicht allzu langer Zeit wurde bekannt, dass „psych“ nach der achten Staffel eingestellt wird, was gerade für die richtigen Fans der chaotischen Detektivshelfer bitter ist. Daher heißt es: Jede Staffel genießen und hoffen, dass es nach vorliegender sechster Staffel auch die letzten beiden noch über den Teich zu uns schaffen. Wie es aussieht, hatten Universal Pictures Home Entertainment keine Lust mehr, darauf zu warten, bis sich hierzulande ein Fernsehsender dazu erbarmt, die angefangene drittletzte Season noch bis zum Ende auszustrahlen. Denn es ist durchaus zu erwarten, dass „psych“ nach den eingebrochenen Quoten, überwiegend verursacht durch unsinnige Sendezeitenwechsel, schwer nachvollziehbare thematische Platzierungen und Unterbrechungen, im Free-TV erst einmal für lange Zeit auf Eis liegen wird. Was schade ist, da die wohl lustigsten, verrücktesten und (im positiven Sinne) bescheuertsten Möchtegerndetektive, die die Welt je gesehen haben, eine klaffende Lücke in der hiesigen Fernsehlandschaft schließen, nämlich Crime mit einer riesigen Portion Comedy zu versehen. Kein „krasser, böser, schockierender“, sondern schlichtweg Kriminalfälle, die dank des nach eigenen Angaben hellseherischen Detektivs Shawn Spencer (James Roday) und seinem Sidekick Gus (Dulé Hill), eigentlich Pharmavertreter, absurdeste und peinlichste Blüten treiben. Doch nicht nur diese beiden „Helden“ sorgen für Lacher und Fremdscham, denn auch der leitende Detektiv des Santa Barbara Police Department, Carlton Lassiter (Timothy Omundson), welcher verzweifelt versucht, der knallharte Cop zu sein, für den er sich hält, sorgt mitunter für Situationen, bei denen man sich als Zuschauer am liebsten in sich selbst verkriechen möchte.

psych - Staffel 6 Szenenfoto © Universal Pictures Home EntertainmentLetzterer hat ohnehin ein kleines Problemchen hinsichtlich seines Selbstwerts, denn seine reizende Kollegin Juliet „Jules“ O’Hara – die er ständig zu beeindrucken versucht, in der Hoffnung, sie schmachte ihn irgendwann doch einmal bewundernd an – ist nun bekanntermaßen mit Shawn liiert. „Lassie“ hegte ja schon immer einen Groll gegen ihn und hält seine hellseherischen Fähigkeiten (die ja ohnehin keine sind, sondern lediglich einer holmes’schen Auffassungsgabe, einem immensen Gedächtnis und einem ebensolchen Beobachtungsvermögen zu verdanken sind) für Humbug, doch nun quält ihn zusätzlich noch die Eifersucht. „Jules“ selbst ist davon reichlich genervt, amüsiert sich allerdings auch über Lassiters Verhalten, denn ein wenig stolz macht es sie durchaus, dass sie ein solch begehrtes Geschöpf ist. Doch die Fronten sind klar – ihr Herz gehört Shawn, und so sehr sie auch manchmal über diesen spinnerten Kerl den Kopf schütteln muss, so gelingt es ihr, sich bei allem professionell zu verhalten.

In den sechzehn neuen Episoden, die wie immer häufig mit Rückblenden in Shawns und Gus‘ Kinderjahre beginnen, müssen Lassie, Jules, Shawn und Gus mit durchgeknallten Sektengurus, Darth Vader, Superhelden, einem Vampir, spukenden Häusern, irren Buchautoren, Pathologen, Bachelorette-Kandidaten und teilweise auch erschreckend normalen Gangstern fertig werden – und selbst während Shawns und Jules‘ gemeinsamen Kurzurlaubs  tun sich Dinge, die so eigentlich nicht erwünscht waren, sodass auch dort die Arbeit ruft… doch auch die Daheimgebliebenen (Gus, Shawns Vater Henry, Pathologe Woody sowie Lassiter) müssen investigative Wege gehen, denn offenbar geschah vor dem fiesen Hangover, der dank des Partyabends zuvor nun volle Breitseite zuschlug, etwas, was nicht so ganz zu einer gewöhnlichen Feier gehörte.

Möglicherweise ist es subjektives Empfinden, doch die neuen Folgen machen den Eindruck, als hätten die Erschaffer der Serie den Comedyanteil noch einmal einige Umdrehungen nach oben geschraubt, denn an albernen Szenen, peinlichen Situationen, eingangs erwähnten Absurditäten, Slapstick, Nonsens, köstlich übertriebenen Dialogen, Missverständnissen und dergleichen ist diese sechste Staffel kaum zu überbieten. Auch dieses Mal finden sich zwar ein paar ruhigere und ernste Szenen zum Herunterkommen, doch zu fünfundneunzig Prozent der Spielzeit ist „psych“ ein Dauerfeuer der Komik – und genau deswegen perfekte Unterhaltung, die in wohltuendem Kontrast zu den überwiegend mit Negativa und Alibi-Scherzen durchsetzten Crime-Serien steht.

psych - Staffel 6 Szenenfoto © Universal Pictures Home EntertainmentDoch so bekloppt und panne die Episoden zuweilen sind, so durchdacht sind sie auch, und auch die ein oder anderen Wendungen der Fälle überraschen manchmal doch sehr.  Es ist also beileibe nicht so, dass hier schlichtweg eine Aneinanderreihung von Comedy-Elementen zusammengeschustert wurde – ganz im Gegenteil: Praktisch jede Folge wurde liebevoll durchkonstruiert, sodass man als Zuschauer genügend Kopfarbeit geboten bekommt.

Sicherlich hat sich auch bei einer Serie wie „psych“ nach ein paar Staffeln ein gewisses Strickmuster manifestiert, doch das ist nicht weiter tragisch, da sich die Figuren weiterentwickeln und auch mal ihre eigentlichen Pfade verlassen – oder aber bestimmte Dinge etwas deutlicher in den Fokus geraten, so beispielsweise Jules, die ein wenig Vergangenheitsaufbereitung serviert bekommt, spätestens, als ihr Vater unverhofft aufkreuzt. Oder der unter der mangelnden Zuneigung seitens des weiblichen Geschlechts leidende Gus, welcher verzweifelt versucht, eine Dame für sich zu gewinnen. Unbezahlbar hierbei ist der köstlich dämliche Blick, wenn er seinen Charme mal wieder spielen lässt  (oder einen Versuch dessen unternimmt, um es mal treffender auszudrücken…), um sein potentielles Ziel zu beeindrucken. Unbezahlbar ebenfalls, wie Lassiter sich permanent in selbstüberschätzender Manier zum Brot macht. Köstlich, wie Shawn bis auf einige wenige Ausnahmen den anderen seine gefakte Hellseherei (die nichts weiter als scharfes Beobachten und Deduzieren ist) zu verkaufen weiß. Und ganz großartig ist auch Kurt Fuller als Pathologe Woody, der durch seine gruselig-komische Art ganz spezielle Akzente zu setzen weiß. Mittendrin in diesem Haufen männlicher Kindsköpfe: Die Damen, nämlich Chief Vick und eben Juliet O’Hara, die beide versuchen, dem ganzen Affenstall noch ein wenig Seriosität mit auf den Weg zu geben und das Team zu erden. Das bewährte Rezept wurde demnach nicht nur stupide nachgekocht, sondern hier und dort verfeinert, dann und wann gar etwas Neues ausprobiert. Und das bereitet schlichtweg Spaß.

Ananas (© privat)Recht schwierig für die Übersetzer war es offensichtlich, die zahlreichen Wortspiele in die deutsche Sprache zu transportieren – man merkt zwar manchmal deutlich, dass auch hier Grenzen der Kreativität erreicht werden („baking powder“/“bacon powder“ vs. „Backpulver“/“Speckpulver“) und manches Wortspiel schlichtweg nicht übersetzbar ist, doch ansonsten kann man denen, die versucht haben, das Ganze umzutexten, nur lobend auf die Schulter klopfen. Gerade bei deutscher Synchronisation im dialogreicheren Film- und Seriendschungel trennt sich hier die übersetzerische Spreu vom Weizen. Was bei „2 Broke Girls“ nur leidlich funktioniert, funktioniert bei „psych“ fast durchgehend.

Wie in jeder Staffel lassen sich auch in der drittletzten Season einige Gaststars sehen, beispielsweise Jason Priestly („Beverly Hills, 90210“) und Jennifer Finnigan („Close To Home“) als Ganovenpaar, der legendäre William Shatner („Star Trek“, „Boston Legal“) als Jules‘ Vater, Michael Trucco („Fairly Legal“), Cheech Marin vom Chaoskomödien-Duo „Cheech & Chong“, Jaleel White, Danny Glover, Joey McIntyre, Tony Hale, Malcolm McDowel, Mekhi Phifer oder „Buffy“ Kristy Swanson – diese Auftritte werten die einzelnen Folgen angenehm auf, ohne dass sie zur Qualitätssteigerung wirklich notwendig gewesen wären. Man könnte sie sogar eher als ein serientypisches Schmankerl werten, als kleines Gimmick, als „ach, sieh an!“. Als die gelbe Kapsel im Ü-Ei: Sie gehört dazu, aber die Schokolade schmeckt auch ohne.

Cover & Szenenfoto © Universal Pictures Home Entertainment
Ananasfoto © privat

 

  • Titel: psych
  • Originaltitel: psych
  • Staffel: 6
  • Episoden: 16
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2012
  • Genre:
    Comedy, Crime
  • Erschienen: 16.05.2014
  • Label: Universal Pictures Home Entertainment
  • Spielzeit:
    658 Minuten auf 4 DVDs
  • Darsteller:
    James Roday
    Dulé Hill
    Maggie Lawson
    Timothy Omundson
    Corbin Bernsen
    Kirsten Nelson
    Kurt Fuller
    Sage Brocklebank
    Skyler Gisondo
    Carlos McCullers
    und viele Gastdarsteller
  • Regie:
    Steve Franks
    Jennifer Lynch
    David Crabtree
    James Roday
    Mel Damski
    John Badham
    u.a.
  • Drehbuch:
    Steve Franks
    Andy Berman
    James Roday
    Todd Harthan
    Kell Cahoon
    Bill Callahan
    u. a.
  • Musik:
    Adam Cohen
    John Robert Wood

  • Extras:
    Entfallene und erweiterte Szenen
    Montages
    Video- und Audiokommentare
    PsychOut
    Gag Reel
  • Technische Details (DVD)
    Sprachen
    :
    D, GB
    Untertitel:
    D, GB
    Video:
    1,78:1
    Audio:
    5.1 DD
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite beim Label

Wertung: 12/15 dpt

 

 

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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psych – Staffel 6 (TV-Serie, 4DVD)

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 5 min
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