One Shot – Mission außer Kontrolle (Film)

“One Shot” bezieht sich nicht nur auf die “Mission außer Kontrolle”, sondern auch auf die formale Gestaltung von James Nunns Film. Seine dritte Zusammenarbeit mit Scott Adkins kommt nämlich (fast) ohne sichtbare Schnitte aus und spielt sich in Echtzeit ab. Wer es überprüfen möchte: Ab einem bestimmten Moment der Handlung brauchen die unterstützenden Hubschrauber laut Ansage 42 Minuten bis zum Eintreffen im Militärgefängnis. Ob es passt oder nicht, verrät Euch das Licht.

Handlungsmäßig reißt “One Shot – Mission außer Kontrolle” keine Bäume aus und strotzt vor Logiklöchern. Das Seal-Team von Scott Adkins aka Lieutenant Jake Harris begleitet die CIA-Analystin Zoe Anderson, um den Insassen Amin Mansur aus einem an der polnischen Grenze gelegenen, offensichtlich Guantanamo nachgezeichneten, Militärgefängnis nach Washington zu überstellen. Dort soll er ein Bombenattentat verhindern.

Doch erst stellt sich Gefängniskommandant Jack Yorke, exponierte Nebenrolle für den ehemaligen A-Lister Ryan Phillippe, quer, dann dringt auch noch eine Söldnertruppe, seltsame Mischung aus finanzorientierten Professionals und islamischen Fanatikern, in die Bastion ein und veranstaltet ein Gemetzel, um Mansur auszuschalten.

Die uniformierten Wärter sind relativ schnell ausgeschaltet, doch die Seal-Einheit um unseren Recken Adkins verschanzt sich und leistet tapfer Widerstand. Allen voran Lieutenant Harris, der seine Schieß- und Kampfkünste unter Beweis stellen darf und dies zielgerichtet, brutal und schnörkellos vollführt. Es wird Verluste auf beiden Seiten geben und manch unerwarteter ist auch darunter. Es folgt “the end of our elaborate plans, the end of everything that stands, the end, no safety or surprise, the end” (THE DOORS).

“One Shot – Mission außer Kontrolle” ist ein Faszinosum. Denn die Inszenierung ist, gerade mit dem überschaubaren Budget eines Direct-To-Video-Titels, höchst kompetent und gelungen. Regisseur Gunn und sein Team beackern das umkämpfte Feld höchst dynamisch, folgen dabei nicht nur Scott Atkins, sondern wechseln stellenweise sogar die Perspektive zu den Terroristen, die das Camp überfallen. Das ist beeindruckend schlüssig und fehlerfrei geraten. Natürlich ist der Film nicht in einem Take gedreht, auch wenn der Regisseur das ironisch in der Bonussektion mehrfach konstatiert, dafür sind die ruppigen, kräftezehrenden und erdigen (Nah)kampfsequenzen viel zu komplex, aber die gesetzten Schnitte sind sehr gut im filmischen Fluss verborgen. Eigentlich ein Fest für Arthouse-Cineasten und akribische Technik-Enthusiasten.

Doch die werden den Film wohl kaum zu Gesicht bekommen. Was schade ist, aber plottechnisch hat der Film wenig zu bieten, ist eine einfache Rein-Raus-Mission mit Handicaps, deren Schwächen in Logik man hinnehmen muss, um ihn goutieren zu können. Nur ein Beispiel: Da verschanzt sich der Trupp mit seinem Objekt der Begierde in einem Bunkerraum und schießt auf alles, was sich bewegt, anstatt einfach ein paar Handgranaten ums Eck zu werfen. Während die Terroristen sich seelenruhig einen explosiven Selbstmordattentäter basteln. Zudem hätte man aus dem Seiteneingang verschwinden können, den Scott Adkins ständig (und Ryan Phillippe gelegentlich) nutzt, um ins Lager zu schleichen und zahlreiche Kombattanten mit Schusswaffen, Messern und per Hand zu eliminieren.

Am interessantesten ist, wie selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass in amerikanischen Stützpunkten gefoltert wird. Da gibt es keine kritische Betrachtung, sondern die bloße Darstellung eines Ist-Zustandes. Vielleicht ist aber genau dies sogar treffende Kritik und der realistischste Aspekt von “One Shot – Mission außer Kontrolle”.

Natürlich geht es dem Film nicht um die realistische Darstellung einer Militäroperation. Hier ist Action angesagt, und die liefert “One Shot” auf beachtliche Weise. Keine ironische Brechung, sondern knochentrockene, derbe und kräftezehrende Kampfhandlungen mit einigen Gewaltspitzen. Scott Adkins ist auch ohne akrobatische Einlagen eine sichere Bank (und als Schauspieler gewohnt solide), aber auch seine Kontrahenten, insbesondere Lee Charles als Drekho, die rechte Hand des Söldneranführers Hakim Charef, sowie dessen Darsteller, der ehemalige MMA-Kämpe Jess Chiaudin liefern mit Bravour ab.

Ebenso nutzt James Nunn den ehemaligen US-Stützpunkt Bentwaters Parks in Suffolk als einzigen Drehort gekonnt und baut die überschaubare Szenerie – ein paar Gebäude, Wälle, Fahrzeuge und Bunker – abwechslungsreich in die Kampfchoreografie ein. Das funktioniert fein, ist cineastisch genussvoll, actionreich und auf finstere Art unterhaltsam. Was Dialoge und Plot angeht, muss man sein Hirn allerdings in einen genügsamen Modus schalten, der demütig viele, viele Fehler verzeiht. Gelingt dies, ist “One Shot – Mission außer Kontrolle” sogar ein Aspirant für Mehrfachsichtungen.

Cover, Fotos © Squareone Entertainment/Leonine Distribution

  • Titel: One Shot – Mission außer Kontrolle
  • Originaltitel: One Shot
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2021
  • Genre: Action, Experiment, Militär-Thriller
  • Erschienen: 27.05.22
  • Label: Squareone Entertainmemnt
  • Spielzeit:
    94 Minuten auf 1 DVD
    98 Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller: Scott Adkins
    Ashley Greene
    Ryan Phillippe
    Emmanuel Imani
    Dino Kelly
    Jack Parr
    Waleed Elgadi
    Terence Maynard
    Jess Liaudin
    Andrei Maniata
    Lee Charles
  • Regie: James Nunn
  • Drehbuch: Jamie Russell
    James Nunn
  • Kamera: Jonathan Iles
  • Schnitt: Liviu Jipescu
  • Musik: Austin Wintory
  • Extras Making of, Featurette, Trailer
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    2,00:1 (16:9 anamorph)
    Sprachen/Ton:
    Deutsch, Englisch, Dolby-Digital 5.1
    Untertitel:
    Deutsch
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    2,00:1 (1080p/24)
    Sprachen/Ton:
    Deutsch, Englisch, DTS-HD Master Audio 5.1
  • Untertitel: Deutsch
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeit


Wertung: 11/15 dpt

 


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