Lewis – Der Oxford-Krimi – Collector’s Box 1 (Staffel 1-3, 13-DVD-Box)

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Lewis - Der Oxford-Krimi (Collector's Box 1) Cover © edel Motion/itv Der Freund britischer Krimiserien wird wohl kaum verpasst haben, dass seit 2006 Robert Lewis (Kevin Whately), der einstige Adlatus des Inspector Morse aus der gleichnamigen Vorgängerserie zu „Lewis“, nun selbst als Detective Inspector unterwegs ist. Lewis zog sich nach dem Unfalltod seiner Frau erst einmal auf die Jungferninseln zurück, um mit sich wieder ins Reine zu kommen, und nach seiner Rückkehr hat er sich eigentlich auf einen etwas ruhigeren Beruf gefreut. Doch als er zu einem Mordfall gerufen wird und den Fall auch im Handumdrehen mit seiner Gewitztheit abschließt, steht für ihn fest, dass er sehr wohl noch Lust auf ermittlerische Tätigkeiten hat. Und schon ist er wieder mittendrin im kriminalistischen Geschehen.

Ihm zur Seite steht Detective Sergeant James Hathaway (Laurence Fox), und fortan geht das ungleiche Ermittlerduo, welches man – so viel vorweg – unweigerlich in sein Herz schließen muss, in der Universitätsstadt Oxford auf Verbrecherjagd. Doch diese Serie, deren Staffeln aus vier Episoden in Spielfilmlänge bestehen, ist beileibe kein schablonenhaftes „Whodunnit“-Krimikino, denn das Niveau und der Anspruch, der „Lewis“ innewohnt, liegt deutlich über dem einer durchschnittlichen „Tatort“-Folge. Das mag auch am Umfeld liegen, denn die Fälle ereignen sich – ganz oxford-like – zumeist in kulturellen und künstlerischen Kreisen.

Lewis - Szenenfoto © itv/edel MotionWas bei „Lewis“ auffällt, ist, dass die rund neunzigminütigen Filme stets eine gewisse Ruhe in sich tragen, ohne in Langeweile auszuufern. Sie sind angenehm unaufgeregt und unhysterisch, ihnen wohnt eine beinahe typisch britische Zurückhaltung inne. Doch in starkem Kontrast hierzu steht die beeindruckende Ereignisdichte – in diesen eineinhalb Stunden gibt es dermaßen viele Wendungen, dermaßen viel Inhalt und einen solchen Ereignisreichtum, dass man als Zuschauer überhaupt nicht die Möglichkeit geboten bekommt, auf Durchzug zu schalten.

Einerseits werden geschickt falsche Fährten gelegt, sodass man nur in den seltensten Fällen eine Ahnung bekommt, wer denn nun wirklich das Verbrechen begangen haben mag. Selbst wenn die Dinge eigentlich auf der Hand liegen, wird dem Zuschauer eine lange Nase gemacht – und all diese Verstrickungen, Irrungen und Wirrungen wirken erfrischend unkonstruiert. Hinzu gesellt sich ein feinsinniger, zuweilen hochintellektueller, extrem trockener Humor, der sich besonders in den Dialogen zwischen Hathaway und Lewis äußert.

Lewis - Szenenfoto © itv/edel MotionLewis galt an Morse‘ Seite als der Belesene, doch der ehemalige Theologiestudent James Hathaway ist keinesfalls auf den Kopf gefallen. Extrem kulturbeflissen, gelingt es dem Sergeant immer wieder, seinem Vorgesetzten ein Schnippchen zu schlagen, und jene Gelegenheiten lässt sich der schlaksige, hochgewachsene Blondschopf nur seltenst entgehen. Der verbale Austausch der beiden ist es dann auch, der die besondere Würze der Serie ausmacht. Auch die persönlichen Geschichten der beiden Protagonisten werden nicht außen vor gelassen – sowohl Hathaway als auch Lewis haben ihr Päckchen zu tragen, und das gibt dem Ganzen noch eine warmherzig-emotionale Note mit auf den Weg und verleiht gerade diesen beiden Charakteren einiges an Tiefe und Persönlichkeit.

Lewis - Szenenfoto © itv/edel MotionGerade die Ungleichheit des Zweiergespanns ist meist der Schlüssel, der die beiden zum Abschluss der Fälle bringt: Während Lewis mit viel Intuition, Instinkt und Erfahrung glänzt, brilliert sein Sergeant dank seiner Beobachtungsgabe und seiner Fähigkeit, hochkomplex zu denken und zu analysieren. Gemeinsam ergänzen sie sich perfekt und bilden ein Bollwerk, das die Verdächtigen nach und nach aussiebt und den tatsächlichen Täter langsam argumentativ und investigativ an die Wand drückt.

Die Vermischung mit Kultur und Kunst in Verbindung mit Leichtigkeit einerseits, intellektuellem Anspruch andererseits und viel Spannung lässt „Lewis“ zu einer qualitativ hochwertigen, vielschichtigen Krimiserie mit einigen Alleinstellungsmerkmalen avancieren. Keine der zwölf hier dargebotenen Episoden plus der Pilotfolge von „Inspector Morse“ (Original mit Untertitel) zeigt auch nur die kleinsten Schwächen – klassische Krimikost auf Top-Niveau, sodass ausschließlich die Höchstwertung in Frage kommt.

Szenenfotos und Cover © edel Motion/itv

  • Titel:
    Lewis – Der Oxford-Krimi – Collector’s Box 1
  • Staffeln: 1 bis 3 + Pilotfolge von „Inspector Morse“
  • Episoden: 4 pro Staffel
  • Originaltitel: Lewis
  • Produktionsland und -jahr: GB, 2006-2008
  • Genre:
    Krimi
  • Erschienen: 29.08.2014
  • Label: edel Motion
  • Spielzeit:
    ca. 1270 Minuten auf 13 DVDs
    (inklusive Bonusmaterial)
  • Darsteller:
    Kevin Whately
    Laurence Fox
    Clare Holman
    Rebecca Front
    uvm.
  • Produktion: Chris Burt
  • Idee: Colin Dexter
  • Musik: Barrington Pheloung
  • Extras:
    Hinter den Kulissen
    Fotogalerie
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    16:9 Widescreen
    Sprachen
    :
    D/GB (Lewis), GB OmU (Inspector Morse)
    Ton:
    Dual Mono (Staffel 1), DD2.0 (Rest)
    Untertitel:
    D
  • FSK: 12

Wertung: 15/15 dpt

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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