M. R. Carey – Die Berufene (Buch)

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M. R. Carey - Die Berufene (Cover © Knaur)Melanie ist ein 10-jähriges Mädchen, das in einer unterirdischen Militärbasis lebt – doch sie ist kein normales Mädchen. Wie viele andere Kinder lebt sie als „Hungernde“ in einer Zelle und wird von Doktoren erforscht. Ein Pilz, der England vor Jahren ins Chaos gestürzt, zahlreiche Menschen infiziert und in menschenfleischfressende Zombies verwandelt hatte, scheint bei diesen Kindern anders zu wirken. Auch sie zehren nach Menschenfleisch, aber sie können klar denken, wenn auch nicht kontrolliert.

So läuft der Alltag, wie Melanie ihn bisher kennt, meist folgendermaßen ab: montags bis freitags hat sie in den verschiedensten Fächern Unterricht, an dem alle Kinder teilnehmen und der sehr „Hoch“ ist. Samstags haben sie frei, und sonntags nehmen die Kinder Nahrung zu sich, da der Pilz die Körper so verändert hat, dass sie nicht einmal mehr Wasser benötigen. Danach gibt es eine Dusche mit Chemikalien, durch die die Kinder den Duft des Menschenfleischs nicht wahrnehmen können, sodass sie auch keine Probleme damit haben, sich in der Nähe der Lehrer und Doktoren aufzuhalten. Doch diese benutzen diese „Blocker“ auch selbst.

Die Wochen vergehen und vergehen, und jeden Morgen ereignet sich gleiche Prozedur. Sämtliche Kinder werden an Rollstühle geschnallt, sodass sie weder Arme noch Beine oder Kopf bewegen können. Melanies Lieblingsunterricht ist der von Miss Justineau, das sie immer so schöne Geschichten erzählt. Am meisten faszinieren Melanie die griechischen Mythen und die Geschichte über die Büchse der Pandora.

Doch als Dr. Caldwell ein neues „Versuchtier“ braucht, um Forschungen über den Pilz auszustellen, wählt sie hierfür Melanie, obwohl Miss Justineau vehement davon abgeraten hat. Für Dr. Caldwell stellt Melanie jedoch das beste Forschungsobjekt dar, da sie ihrer Meinung nach ein faszinierendes Gehirn besitzt. Miss Justineau trifft schnell auf die Truppe um Caldwell und den Sergeant. Als sie gerade mit ihren Untersuchungen anfangen will, ertönt die Evakuierungssirene. Dr. Caldwell will die Sicherheitsluke gerade in dem Moment schließen, als Hungernde bereits durch sie in den Forschungsraum dringen…

Melanie gelingt es, mit Miss Justineau, Dr. Caldwell, Sergeant Parks und Private Gallagher zu fliehen. Nach anfänglichen Missverständnissen wird Melanie mitgenommen, und die Gruppe macht sich auf den weg nach Becaon, wo sich ein zentraler Stützpunkt befindet. Auf ihrer Reise, die einige gefährliche Augenblicke bereit hält, sieht sich Melanie zum ersten Mal damit konfrontiert, was sie wirklich ist

Liest man den Klappentext, so erwartet man etwas völlig anderes. Dies bedeutet allerdings keineswegs, dass der Roman enttäuscht – es handelt sich eher um einen dystopischen Zombie-Roman, der zudem einiges an Überaschungen mit sich bringt. Die Charaktere sind Carey hierbei gut gelungen. Die wichtigsten davon beschreibt er vielschichtig und aus verschiedenen Perspektiven, doch auch die Nebenfiguren haben feine Charakterzüge, diese sind jedoch nicht so detailreich wie bei den Protagonisten.

Der Schreibstil dieses Romans entpuppt sich leider als etwas zäh. An manchen Stellen wirkt der Handlungsbogen dadurch etwas überstrapaziert, und es scheint kaum etwas zu geschehen. Dies liegt vor allem daran, dass die Gruppe sehr lang unterwegs ist und immer wieder ein neues Problem für die Gruppe aufkommt. Es entsteht hierdurch früh das Gefühl, dass der Autor das Buch einfach noch etwas umfangreicher gestalten wollte und deshalb nachträglich zusätzliche Szenen eingebaut hat.

Die Story an sich ist ansprechend, und die Idee, dass ein Pilz dazu in der Lage ist, das Gehirn des Menschen lahmzulegen, ist wirklich originell. Doch ab und an hätte Carey etwas mehr geschehen lassen und den Spannungsbogen anziehen können. Auch der Titel, sowohl der deutsche als auch der Originaltitel, sind eher irreführend.

„Die Berufene“ war leider nicht so ganz das Buch, das sich nicht mehr aus der Hand legen ließ, bis auch die letzte Seite gelesen war – doch die Ideen und das Konzept halten einen dennoch neugierig am Buch fest. So darf man gespannt sein, ob es noch weitere an die Story anknüpfende Bücher geben wird oder ob Carey das Ende offen lässt und den Lesern dadurch die Chance gibt, sich ihre eigenen (Wunsch-)Gedanken zu dem Buch zu machen.

Cover © Knaur Verlag

  • Autor: M. R. Carey
  • Titel: Die Berufene
  • Originaltitel: The girl with all the gifts
  • Übersetzer:
    Charlotte Lüngstraß-Kapfer
    Momo Evers
  • Verlag: Knaur
  • Erschienen: 10/2014
  • Einband: Paperback
  • Seiten: 512
  • ISBN: 978-3-426-51513-6
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite beim Verlag
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 10/15 dpt


Über den Autor

Pauline P.

Informationen folgen bald.

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M. R. Carey – Die Berufene (Buch)

von Pauline P. Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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