Die dunkle Seite des Mondes (Spielfilm, DVD/Blu-ray)

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Die dunkle Seite des Mondes (Poster ©Alamode Film)Aus Buch mach Film, ein bewährtes Konzept und doch immer wieder eine Gratwanderung. Auch mit Martin Suters exzellentem Roman „Die dunkle Seite des Mondes“, der bereits 2000 erschien, wurde diese Reise mutig angetreten. Das Ergebnis ist ein Film, in dem sogar das einsame Pilzesammeln des Protagonisten spannend ist.

WIe nicht anders zu erwarten, wenn aus 320 Buchseiten 90 Filmminuten werden müssen, wird der Haupthandlungsstrang des Romans herausdestilliert. Der erfolgreiche Wirtschaftsanwalt Urs Blank (Moritz Bleibtreu) ist Experte für Fusionsverhandlung und versteht es, seine Forderungen gnadenlos durchzusetzen. Doch als sich nach einer gelungenen Fusion der Gründer des übernommenen Unternehmens vor seinen Augen erschießt, kommt sogar sein Weltbild ins Wanken. In einem ersten Impuls packt er seine Sachen und will seinem Job den Rücken zukehren, doch sein Partner Pius Ott (Jürgen Prochnow) besteht darauf, dass er zumindest die noch laufenden Fusionsverhandlungen mit einem weiteren Pharmaunternehmen zu Ende führt. Blank lenkt widerwillig ein.

Nach der Beerdigung des Unternehmers, der Blank aus der Ferne beiwohnt, entschließt er sich spontan zu einem Spaziergang durch den Wald neben dem Friedhof und verläuft sich prompt. Doch er stößt zufällig auf einen kleinen Markt und Lucille (Nora von Waldstätten), die dort gerade ihren Stand abbaut, erbarmt sich seiner und fährt ihn zu seinem Wagen zurück. Sie spürt seine Verwirrung und lädt ihn für den nächsten Tag zu einer Party ein. Blank hat eigentlich nicht vor hinzugehen, aber als sich bei seiner Heimkehr sein gewohntes Leben an der Seite seiner Frau überhaupt nicht mehr vertraut anfühlt, geht er doch.

Er beginnt eine Affäre mit der lebensfrohen Lucille, die sich vorgenommen hat, den steifen Anwalt ein wenig lockerer zu machen. Zu diesem Zweck nimmt sie ihn zu einem Freund mit, der sich auf Pilztrips spezialisiert hat. Nach einem furchtbaren Horrortrip ist für Blank nichts mehr, wie es war. Er hat keinerlei Kontrolle mehr über seine Gewaltimpulse. In der Hoffnung, es könne sich um eine umkehrbare Entwicklung handeln, zieht er sich in eine abgelegene Pension im Wald zurück und sucht fieberhaft nach dem einen unbekannten Pilz, den er durch einen unglücklichen Zufall bei seinem Experiment mit den halluzinogenen Pilzen eingenommen hat. Wird er wieder zu sich zurückfinden oder hat der Pilztrip einfach nur die hässliche Seite zutage gefördert, die ohnehin in Blank schlummerte bzw. in gewaltfreier Form sowieso schon sein Leben bestimmte?

Zeitgleich mit Blanks Suche nach sich selbst beginnt auch Pius Otts Jagd auf Blank, will er doch verhindern, dass dieser Unternehmensgeheimnisse an die Öffentlichkeit bringt, die nicht nur die laufenden Fusionsverhandlungen unterminieren, sondern auch Otts persönliches Aus bedeuten würden. Ein spannender Wettlauf beginnt.

Stephan Ricks Romanverfilmung bleibt der Vorlage im Großen und Ganzen treu und streicht und strafft an den richtigen Stellen. Die Figur des Urs Blank im Film, dessen zunehmende innere Zerrissenheit Moritz Bleibtreu phantastisch herauszuarbeiten versteht, ist dem Zuschauer sympathischer als die Figur im Buch. Das trifft sich gut, denn der Film konzentriert sich in erster Linie auf seine Person. Dabei werden die wichtigen Figuren, die ihn umringen – seine Frau, Lucille und sein Geschäftspartner Ott – trotzdem nicht vernachlässigt und sind hervorragend besetzt, sodass der Film nicht den Weg vieler Thriller geht, bei denen sich der Zuschauer im Nachhinein nur an den Hauptdarsteller erinnern kann.

„Die dunkle Seite des Mondes“, benannt nach dem gleichnamigen Pink-Floyd-Album, das zu Zeiten seines Erscheinens gerne zur musikalischen Untermalung so mancher Drogenexperimente herhalten musste, gewährt einen Blick in die Abgründe der menschlichen Psyche und illustriert, wie fragil unsere Sozialisierung doch ist. Das Tier im Menschen lauert geduldig unter der zivilisierten Oberfläche, bis seine Stunde schlägt und wehe, wenn es losgelassen!

Das besonders Schöne an diesem Film ist, dass er dem Zuschauer nicht, wie so oft bei Romanverfilmungen, die Lust auf das Buch vermiest, sondern eher als eine Art Teaser für dieses eingesetzt werden könnte. Andersrum kann ein Leser des Buches auch mit seinem Vorwissen den Film genießen, weil dieser schlicht sehr gut ist.

Poster © Alamode Film

  • Titel: Die dunkle Seite des Mondes
  • Produktionsland und -jahr: Deutschland/Luxemburg, 2016
  • Genre:
    Thriller, Romanverfilmung
  • Erschienen: 14.01.2016
  • Label: Alamode Film
  • Spielzeit:
    97 Minuten
  • Darsteller:
    Moritz Bleibtreu
    Jürgen Prochnow
    Nora von Waldstätten
  • Regie: Stephan Rick
  • Drehbuch: Catharina Junk
    Stephan Rick
  • Kamera: Felix Cramer
    Stefan Ciupek
  • Schnitt: Florian Drechsler
  • Musik: Gast Waltzing
  • Extras: Trailer, Interviews mit Moritz Bleibtreu, Jürgen Prochnow, Stephan Rick und Martin Suter, Making of, Audiodeskription
  • Technische Details (DVD/Blu-Ray)
    Video:
    16:9, 2.35:1
    Sprachen/Ton
    :
    D
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 12/15 dpt

 

 


Über den Autor

Christina Brunnenkamp


„Mit viel Faulheit fing es an“ hieß mein allererstes Druckschriftbuch – und was bin ich froh, dass meine Kinder weniger moralisierende Bücher lesen können! Trotzdem habe ich seit jener Zeit immer ein Buch zur Hand, sei es in Papierform oder elektronisch. Schon vor Langem wurde ich deshalb von meinen Freunden zum Leseratgeber erkoren – und weil ich so gerne Menschen zum Lesen anstifte, teile ich meine Leseeindrücke heutzutage online.

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von Christina Brunnenkamp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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