Ian Rankin – Das Gesetz des Sterbens (Buch)

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Ian Rankin - Das Gesetz des Sterbens; Cover © Manhattan VerlagJa, tatsächlich: ‚Das Gesetz des Sterbens‘ ist der inzwischen 20. Band der Reihe um John Rebus des schottischen Krimiautors Ian Rankin. Der erste Band erschien 1987, also noch in einer Zeit, in der man als Literaturkritiker kaum dazu stehen konnte, ernsthaft Krimis zu lesen, geschweige denn diese zu rezensieren. Aber keine Sorge, dies soll kein Nostalgiekurs werden – auch wenn Nostalgie und vieles, was damit zu tun hat, irgendwie auch Gegenstand des Buches ist. Denn, dass in den vergangenen Jahren Ian Rankin das ein oder andere mal versucht hat, seinen Chefermittler John Rebus in den wohlverdienten Ruhestand zu verabschieden, das gehört auch mit zur Lektüre dieses Buches.

Seine Leser wollten sich nicht mit dem Ruhestand von Rebus abfinden und reagierten mit akutem Liebesentzug auf die Versuche Rankins, einen anderen Ermittler beziehungsweise einen etwas anderen Ansatz zu etablieren. Also hat er sich wieder seinem beliebten Ermittler zugewandt, der nun zwar wirklich im Ruhestand ist, aber in beratender Rolle seinen KollegInnen aus seinem alten Dezernat unter die Arme greift. Natürlich sind auch Detective Inspector Sioban Clarke und Big Ger Cafferty, der große, alte Widersacher, der mal eben schnell eine Krebserkrankung hinter sich gebracht hat und sich bester Gesundheit erfreut.

Ja, es sind einige Ungereimtheiten, die so nicht wirklich in den übergreifenden Erzählkosmos der vorherigen Rebus-Romane passen wollen. Dieser schien so organisch an sein Ende geführt worden zu sein  – und nun muss Rankin wieder ran, die Meta-Erzähltext-Ebene wieder aufdröseln; schade, aber wahrscheinlich unausweichlich. Doch ganz trüben diese ungelenken Stellen die Lesefreude nicht. Denn sein Talent für gut geplottete Kriminalfälle, pointierte Dialoge und die richtige Menge an Zigarettenqualm, Bier und verwegenen Nuschel-Szenen hat er behalten.

Es beginnt mit einem Mord an einem Anwalt und einem versuchten Mord an Big Ger Cafferty. Bei der Leiche findet sich eine Warnung: »Ich bringe dich um, für das, was Du getan hast« Selbige hat auch Cafferty erhalten, doch verschweigt er dies den ermittelnden Detectives. Überhaupt versucht er den Anschlag als einen Unfall, als einen Dumme-Jungen-Streich zu kaschieren. Mit der Polizei reden will er sowieso nicht. So also bietet sich die große Bühne für Rebus, der der einzige ist, mit dem Cafferty reden möchte. Parallel dazu arbeitet der als Protagonist einer anderen Reihe von Rankin eher erfolglose Malcolm Fox an internen Ermittlungen, die sich wundersamer Weise tangential mit den Haupt-Ermittlungen verbinden.

Aus dieser Exposition entwickelt sich eine an Fallen reiche Handlung mit durchaus launigen Dialogen und leichtem Heimatkrimi-Flair. Die Auflösung – nun ja, originell ist anders, aber Rankin scheint es nicht primär um diese Auflösung, sondern um das übergreifende Konzept der Handlung gegangen zu sein. Und das hat es motivisch durchaus in sich. Natürlich kann man ‚Das Gesetz des Sterbens‘ rein auf der Handlungsebene lesen und seine Freude daran haben. Doch seine Interpretation des romantischen Wiedergängermotivs, die in den Personenkonstellationen schön zum Tragen kommt. Auch der feine Humor und die Selbstironie, wenn er immer mal direkt, mal subtil auf alte Männer verweist, die nicht wissen, wann ihre Zeit vorbei ist und die nicht loslassen können.

Insgesamt betrachtet, ist ‚Das Gesetz des Sterbens‘ ein facettenreicher Thriller, der weitaus mehr in sich trägt als seine Spannungshandlung. Die Schwächen liegen ganz klar dort, wo Rankin als deus ex machina in die eigentlich für seinen Chefermittler Rebus schon angeschlossene Rahmenhandlung eingreifen muss: Hier wird es ungelenk, fast schon naiv und albern. Vielleicht ist dass auch die Rache Rankins an seinen Lesern, die sich nicht an seine anderen Ermittler und Krimireihen gewöhnen wollten und ihren Rebus immer wieder laut zurückforderten.

Cover © Manhattan Verlag

  • Autor: Ian Rankin
  • Titel: Das Gesetz des Sterbens
  • Teil/Band der Reihe: Teil 20 der John-Rebus-Reihe
  • Originaltitel: Even Dogs in the Wild
  • Übersetzer: Conny Lösch
  • Verlag: Manhattan
  • Erschienen: 16.05.2016
  • Einband: Gebunden
  • Seiten: 480
  • ISBN: 978-3442547722
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 10/15 dpt

10 Punkte


Über den Autor

Dominik Nuese-Lorenz


Dominiks Nerd-Schreibtisch

Als gebürtiger Freiburger und aufgewachsener Rheinländer bin ich inzwischen seit doch einigen Jahren im Dreieck Bamberg-Bayreuth-Nürnberg gelandet. Nach fast zehn Jahren als Pressepsprecher eines Kinder- und Jugendbuchverlages kam 2012 die Zeit, in der ich meine angedache Doktorarbeit endlich realisieren wollte und beschäftige mich daher gerade mit – grob gesagt – Postnationalen Entwürfen der deutschen Gegenwartsliteratur.

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Ian Rankin – Das Gesetz des Sterbens (Buch…

von Dominik Nuese-Lorenz Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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