Parenthood – Staffel 4 (3DVD)

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Parenthood S4 Cover © Universal Picturs Home EntertainmentFans der Serie werden es bereits vor einiger Zeit enttäuscht vernommen haben, dass nach der sechsten Staffel dieser US-amerikanischen Familienserie Schicht mit „Parenthood“ ist. Umso bewusster sollte man nun also die verbliebenen Staffeln genießen. Dieses Mal muss sich der Zuschauer mit 15 Episoden zufrieden geben, während die fünfte, noch nicht erschienene Staffel wieder über die volle Länge von 22 Episoden läuft, die finale sechste jedoch nur 13 Folgen hat und somit genau so kurz ausgefallen ist wie die Debütstaffel.

Da die einzelnen Handlungsstränge ineinander doch sehr miteinander verwoben (verworren) sind, versuchen wir uns in der Rezension der vierten Staffel (die ersten drei wurden ebenfalls hier besprochen) mal ein etwas Struktur und nehmen uns die einzelnen Familien der Braverman-Geschwister sowie deren Eltern separat vor.

Parenthood Szenenfoto Staffel 4 © Universal Pictures Home EntertainmentFamilie Adam Braverman: Chaos, Krankheit, Pubertät

Wie gewohnt geht es beim Braverman-Clan drunter und drüber. Mit Bruder Crosby versucht Adam Braverman, das gemeinsame Tonstudio „Luncheonette“, welches durchaus erfolgreich geworden ist, möglichst gut in Schuss zu halten, wobei finanzielle Interessen, private und zeitliche Probleme sowie unterschiedliche Vorstellungen von Ordnung und Struktur für erste Reibungen sorgen. Nichte Amber (Sarah Bravermans Tochter) unterstützt die beiden nach besten Kräften, steht manchmal aber ratlos da. Zudem gibt es da eine Nachbarin gegenüber des Studios, die für Unruhe der etwas anderen Art sorgt.
Damit nicht genug, denn zu Hause bleibt es turbulent: Der autistische Sohn Max macht zwar sehr gute Fortschritte in mancherlei Hinsicht, aber sein Selbstbewusstsein beschert ihm hierbei so einige Probleme, die das Ganze sowohl daheim als auch in der Schule heftig eskalieren lassen. Obendrein hat er es sich zum Ziel gesetzt, Schulsprecher zu werden. Und dann kommt da noch die Pubertät hinzu, etwas, womit Max erst einmal klar kommen muss – ebenso mit den ersten Gefühlen hinsichtlich Liebe und Sexualität. Und dann muss ja auch noch Nora, das in der dritten Staffel geborene jüngste Kind, liebevoll um- und versorgt werden. Das älteste Kind, die flügge werdende Haddie, verlässt die Braverman-Familie, um in einer anderen Stadt zu studieren. Alles scheint sich letztendlich doch ganz gut zu entwickeln. Doch als bei Adams Frau Kristina Krebs diagnostiziert wird, ist die gesamte Sippe zutiefst erschüttert.

Parenthood Szenenfoto Staffel 4 © Universal Pictures Home EntertainmentFamilie Sarah Braverman: Chaos, Liebe, Kinderglück?

Sarah, die mit dem Lehrer Mark Cyr liiert ist, versucht, ihr neues Leben mit dem Charmanten, nahezu perfekten, aber durchaus auch etwas biederen Mann, zu genießen und in Ordnung zu bringen, doch ihre Beziehung gerät stark ins Wanken, als sich zwischen Sarahs neuem Arbeitgeber, dem kauzigen Fotostudiobesitzer Hank Rizzoli, eine recht sonderbare Beziehung aufbaut. Da stellt sich die Frage, inwiefern ihre Beziehung zu Mark dies aushält. Als Sarahs Tochter Amber sich in einen Kriegsveteranen verliebt und auch Sohn Drew mit der Liebe (und mehr) klarkommen muss, ist die ohnehin schon völlig planlos erscheinende Mutter, die stets zu viel auf sich nimmt, völlig von der Rolle. Und als in ihrer Familie noch ungeplantes Kinderglück „droht“, läuten alle Alarmglocken schrill. Von den Problemen der restlichen Sippe wollen wir gar nicht erst anfangen. Doch insbesondere Sarah bereitet einem doch sehr häufig Augenverdrehmomente und man möchte ihr am liebsten ins Gesicht sagen: „Verdammt noch mal! Bekomm Dein Leben endlich mal auf die Reihe!“

Parenthood Szenenfoto Staffel 4 © Universal Pictures Home EntertainmentFamilie Crosby Braverman: Erziehung, Werte, Mama

Nachdem sich Crosby und Jasmine mehr als berappelt haben, was ihre Beziehung angeht, was zum Ende der dritten Staffel in ihrer Hochzeit endete, und auch Crosby in seiner Rolle als Jabbars Vater wächst, scheint es anfangs sehr gut zu laufen für die kleine Familie. Doch Jasmine tut sich mit Crosbys Flapsig- und Flatterhaftigkeit ebenso schwer wie Crosby mit Jasmines doch sehr dominanter Art. Zudem gehen die Vorstellungen der beiden, wie Jabbar zu erziehen ist, teilweise sehr weit auseinander, und so passiert es nicht selten, dass bei diesem frischgebackenen Ehepaar – er hat endlich sein Boot abgetreten – die Fetzen fliegen. Als dann noch Jasmines Mutter ihren Job verliert, sie um Asyl bei der kleinen Familie bittet und ihre eigenen Erziehungsmethoden gleich mitbringt, ist Action angesagt.

Parenthood Szenenfoto Staffel 4 © Universal Pictures Home EntertainmentFamilie Julia Braverman-Graham: Stress, Rebellion, Muttergefühle?

Der unerfüllte Kinderwunsch – die Anwältin und ihr Ehemann Joel haben so ziemlich alles versucht – ist bald Geschichte, denn es scheint alles darauf hinauszulaufen, dass der zehnjährige Victor von ihnen adoptiert wird. Doch einerseits ist da Tochter Sydney, die zu Recht eifersüchtig ist, zum anderen hat Julia Probleme damit, Victor als Sohn zu akzeptieren, denn der macht es ihr mit seinem ablehnenden und rebellischen Verhalten nicht gerade einfach. Überfordert, wie sie ist, wirkt sich das auch auf ihre berufliche Leistung aus, und nachdem ihr ein gravierender Fehler unterläuft, muss sie sich entscheiden, was für sie wichtiger ist: Beruf oder Familie?

Parenthood Szenenfoto Staffel 4 © Universal Pictures Home EntertainmentZeek und Camille Braverman: Langeweile als Liebestöter

Beim alten Ehepaar – den Eltern der vier Braverman-Geschwister – kriselt es erneut, denn so recht weiß Zeek nichts mehr mit sich und seinem Rentnerdasein anzufangen, und so wird er von seiner Familie dazu verdonnert, sich eine Beschäftigung zu suchen. Hierbei überschätzt er sich in seiner Rolle als Familienoberhaupt, Kriegsveteran und „Macher“ mehrmals, stößt aber in einem Veteranentreff auf den jungen Ryan York, für den er nahezu väterliche Gefühle entwickelt (und der zudem mit Enkelin Amber anbandelt). Eine Herausforderung ist gefunden, und Ehefrau Camille darf aufatmen. Nur: Zeek ist eben… Zeek.

Parenthood Szenenfoto Staffel 4 © Universal Pictures Home EntertainmentAlles wie gehabt. Langeweile oder nicht?

Diese Serie ist uramerikanisch, ja. Es werden durchaus einige Klischees bedient, richtig. Und es ereignen sich selbst für eine Großfamilie doch sehr viele Dinge gleichzeitig, was unrealistisch anmutet, durchaus. Doch „Parenthood“ ist eine Familienserie mit fiktiven Personen und fiktiven Ereignissen. Eine, die unterhalten soll – mit Humor, mit Drama und mit allem, was zum Leben dazugehört – und das ist am besten möglich, wenn man es gebündelt darbietet und wie hier einen kleinen Kosmos erschafft: Den Braverman-Kosmos. Ist man bereit, sich darauf einzulassen, so funktioniert die Sache mit der Unterhaltung vorzüglich: Man amüsiert sich über die vielen komischen Situationen, leidet mit den Protagonisten, man fiebert mit und freut sich über die Erfolge. Man ist enttäuscht, wenn es für jemanden nicht so gut läuft. Man würde so mancher Person bei dem, was sie da zusammeneselt, am liebsten mit den Couchpantoffeln in den Hintern treten und sie von gewissen Dingen abhalten. Und wenn auf dem Bildschirm die Tränen laufen, so kribbelt es durchaus auch beim Zuschauer in den Tränensäckchen.

Parenthood Szenenfoto Staffel 4 © Universal Pictures Home EntertainmentDie Emotionalität, die in dieser Serie erzeugt wird, überträgt sich ohne Umwege auf den Sehenden, und so entwickelt „Parenthood“ ganz ohne Abnutzungserscheinungen auch in der vierten Staffel wieder einen Sog, dem kaum zu entkommen ist – vorausgesetzt, man hat eine Ader für Familienfernsehen, das manchmal etwas too much ist, gerne auch mal etwas soapy, aber letztendlich doch wieder ziemlich viel Reales in sich birgt. Und es bleibt stets spannend, dem Geschehen dieser zwischen den Extremen Dysfunktionalität und bedingungslosem Zusammenhalt hin und her pendelnden Familien und Familienteilen beizuwohnen. Katastrophen wechseln sich mit wunderbaren Ereignissen ab, das Negative wird vom Positiven aufgewogen – und klar, es ist gelegentlich auch mal etwas Stirnrunzeln angesagt, weil es mitunter mal in Cheesiness abzudriften droht. Aber gleichermaßen macht gerade das den speziellen Charme von „Parenthood“ aus. Zumal im Starken Kontrast dazu die Unperfektheit der Charaktere steht.

Wie nach jeder Pause – oder wenn man die Serie noch nicht kennt – muss man sich auf den ganz eigenen Beat der Serie eingrooven, denn hier sind die Dialoge nicht perfekt durchstrukturiert – im positiven Sinn. Passend zu den wild ineinander übergreifenden Handlungssträngen wird bei „Parenthood“ gerade in Streit- und Stresssituationen wild durcheinander geredet und auch -geschrien, sodass man als Zuhörer von den Wortlawinen erst einmal erschlagen wird. Doch gerade das macht es letztendlich so lebensnah, denn mal ganz ehrlich: Wo finden emotionale, hitzige Familiengespräche statt, in denen einer brav nach dem anderen spricht?

Letzten Endes haben Crew und Cast einmal mehr alles richtig gemacht: Es wurde mit brillanten Darstellern eine weitere Staffel erschaffen, die praktisch keine Logiklöcher aufweist, eine hohe Handlungsdichte besitzt und somit den Zuschauer fünfzehn mal etwa eine dreiviertel Stunde lang in ihren Bann zieht. Und bei der man am liebsten sofort wissen möchte, was in der folgenden Staffel passieren mag. Mochte und liebte man also die vorhergehenden Staffeln, ist ein Blindkauf der vorliegenden vierten Season somit alles andere als ein Fehler.

Obendrein, und das muss man sagen, ist dies eine Familienserie, die all jene erfreuen dürfte, die es auch mal nicht a) von negativen Ereignissen und Intrigen durchtränkt oder b) total auf durchgeknallt getrimmt haben möchten, sondern mal etwas Bodenständiges in dieser Richtung sehen wollen.

Parenthood  Staffel 4 © Universal Pictures Home Entertainment

Der komplette Clan (obere Reihe: Mark Cyr, Sarah Braverman, Drew Holt, Crosby Braverman, Max Braverman, Adam Braverman, Joel Graham, Julia Braverman-Graham; Mittlere Reihe: Amber Holt, Jasmine Trussell-Braverman, Camille Braverman, Zeek Braverman, Kristina Braverman, Nora Braverman, Haddie Braverman und Victor Graham; ganz vorn: Jabbar Trussell-Braverman und Sydney Graham).

Cover und sämtliche Pics © Universal Pictures Home Entertainment

  • Titel: Parenthood
  • Originaltitel: Parenthood
  • Staffel: 4
  • Episoden: 15
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2012
  • Genre:
    Familienserie, Drama, Comedy
  • Erschienen: 17.11.2016
  • Label: Universal Pictures Home Entertainment
  • Spielzeit:
    ca. 617 Minuten auf 3 DVDs
  • Darsteller:
    Peter Krause
    Lauren Graham
    Dax Shepard
    Monica Potter
    Erika Christensen
    Sam Jaeger
    Savannah Paige Rae
    Max Burkholder
    Joy Bryant
    Miles Heizer
    Mae Whitman
    Bonnie Bedelia
    Craig T. Nelson
    Tyree Brown
    Sarah Ramos
    Xolo Maridueña
    Ray Romano
    Mia Allan/Ella Allan
    Jason Ritter
    Matt Lauria
    Kurt Fuller
    Skyler Day
    Tina Liffort
    und viele, viele mehr
  • Regie: Lawrence Trilling
  • Produktion: Patrick Ward
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    1,78:1 (16:9)
    Sprachen/Ton
    :
    Dolby Digital 5.1 (D, GB)
    Untertitel:
    D, GB
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite

Wertung: 14/15 Emotiönchen

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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Parenthood – Staffel 4 (3DVD)

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 7 min
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