Ash vs Evil Dead – Staffel 1 (Serie, VoD, Amazon Prime)

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Ash vs Evil Dead_5 © 2016 Starz EntertainmentWird der Titel »Evil Dead« erwähnt, in Deutschland auch unter dem Namen »Tanz der Teufel« bekannt, stellen sich bei eingefleischten Fans die Nackenhaare in freudiger Erwartungshaltung auf. Ultimativer Horrorspaß, verbunden mit lustig anzusehendem Splatter, innovative Kameratechnik, witzige Sprüche  und ein gut aufgelegter Hauptdarsteller namens Bruce Campell sind vorzufinden. Diese Filmreihe, die bisher drei Teile und eine etwas grimmigere Frischzellenkur im Jahr 2013 vorzuweisen hat, wird seit 2015 als Serie fortgeführt. »Ash vs. Evil Dead« ist die konsequente Fortführung des dritten Teils »Armee der Finsternis« und mischt alles mit den Horrorelementen aus den Teilen eins und zwei. Da der erste Film nach seiner wechselvollen Zensurgeschichte nun endgültig von seinem Bann freigesprochen wurde und bald als 16er- Fassung ungeschnitten in den Läden stehen und frei verkäuflich sein wird, ist die Gelegenheit günstig, um euch diese Reihe mit der Serienbesprechung schmackhaft zu machen. In diesem Sinne, lasst uns mit Ash ein paar blöde Sprüche klopfen und ein paar böse Dämonen verkloppen. (Anmerkung: Aus Spoilergründen geht der Autor dieser Besprechung nur auf die erste Staffel konkret ein. Die zweite Staffel wurde zum Zeitpunkt, als der Text geschrieben wurde, zu zwei Dritteln gesehen und das Gesehene fließt zumindest in die Gesamtwertung ein.)
 
Ash vs Evil Dead_7 ©2016 Starz EntertainmentDas Buch der Toten, auch unter dem Namen Necronomicon, ist seit den Vorfällen in der Hütte vor über 30 Jahren im Besitz von Ashley »Ash« Williams. Er hat es tief in einer Kiste in seinem Wohnanhänger vergraben. Er arbeitet immer noch als Fachverkäufer in einem Elektromarkt und macht seinen Job mehr oder minder dafür, um junge, scharfe Mädels anzubaggern. Die Serie beginnt damit, dass sich Ash zum Ausgehen hübsch macht. Das Männerkorsett wird umgeschnallt, die Holzhand angelegt und schon kann es auf Sauftour gehen (siehe Trailer am Ende des Beitrags, der nichts für Zartbesaitete ist, was ja auch für die komplette Serie gilt). In der Bar genehmigt er sich zu seinem Drink auf der Damentoilette noch eine Brünette im besten Alter. Als es endlich rund geht, verwandelt sich die Schöne in einen Dämon mit hässlicher Fratze und kündigt Ash an, dass sie ihn kriegen werden und er nichts dagegen unternehmen kann. In einer Rückblende fällt Ash wieder ein, dass er bei einem Kifferabend mit einer Frau das Necronomicon aus seinem Gefängnis befreite und aus diesem hat vorlesen lassen. Das beschwört die Dämonen von damals erneut herauf und Ash hat wieder alle Hände voll zu tun, um das Unheil einzudämmen. Doch eine zweite Kraft ist im Spiel, die Ash auf den Fersen ist und ihm die Suppe gehörig versalzen könnte.

Ash vs Evil Dead_15 ©2016 Starz EntertainmentWie es oben angedeutet wird, bekommt jeder Horror- und Splatterfan Freudentränen bei dem Gedanken daran, dass der »Tanz der Teufel« weitergetanzt wird. 30 Jahre nach Ashs letztem Kampf gegen das Böse und seine Schergen beginnt die Schlacht von Neuem. Durch eine geistige Umnebelung mittels eines Joints animiert Ash aus Versehen die Dämonenschar und lässt sie über die Erde wandeln, und damit bekommen wir als Zuschauer wieder feinste Splatterkost und witzige Sprüche geboten, garniert wird das Ganze mit einer sanften Prise feinster Horrorstimmung, die, wie man es vor allem von den ersten beiden Evil Dead- Filmen kennt, gekonnt eingefangen wird und einen wichtigen Gegenkontrast zum Humor bildet beziehungsweise sich beides gut ergänzt. Sam Raimi, der die Ur-Trilogie als Regisseur verwirklichte, wirkt an der Serie als Produzent mit und überlässt jüngeren Geistern das Schaffensfeld. Und diese generieren eine Serie ganz im Geist der Filme. Alleine der Einstieg mit der Bar ist zum Brüllen komisch, und die darauf folgende Szene in dem Farmhaus zeigt gleich den kompletten Gegensatz in Stimmung und Aufbau der Szene. Genau diese Mischung ist es, welche diese Serie auszeichnet und die sich wie ein roter Faden durch die bisherigen zwei Staffeln zieht. Es werden Besessene zersägt, Dämonen zerfetzt, dabei ein Spruch nach dem anderen geklopft, gruselige Stimmung wechselt sich mit dem derbsten Gekröse ab, und dabei wird von der Kameraeinstellung bis zu den Dämonen selbst das Original immer wieder zitiert.
 
Ash vs Evil Dead_2 © 2016 Starz EntertainmentDoch wo soll das alles hinführen? Ist es schon das ganze Potential der Serie, richtig krasses Gekröse zu zeigen, was aus Fansicht größtenteils handgemacht zu sein scheint? Mitnichten, denn sie führen die Geschichte um das Buch Necromonicon und seine Verbindung zu Ash fort und bauen eine Mythologie darum auf, mit neuen Dämonen und neuen Gesichtern, die sich allesamt gut einfügen. Man merkt allen Beteiligten an, dass sie Freude an diesem Projekt haben. Allen voran Bruce »Das Kinn« Campbell, der in seiner Paraderolle voll aufgeht. Bruce ist Ash und Ash ist Bruce. Beide sind kaum voneinander zu unterscheiden. Aber auch die zwei Sidekicks Pablo und Kelly, die neu eingeführt werden, stehen Ash in nichts nach. Anfangs wirkt es noch ein wenig ungewöhnlich, dass Ash Weggefährten hat, doch dieses Gefühl verfliegt schnell und spätestens ab der Hälfte der ersten Staffel hat man auch diese Charaktere in sein Herz geschlossen. Auch bei den Dämonen gibt es in der Serie nicht mehr nur besessene Menschen, sondern es werden auch subtilere Wesen eingeführt. Besonders hervorzuheben ist der Dämon, den sie mit dem Necromonicon heraufbeschwören, um dem Chaos ein Ende zu setzen und genau das Gegenteil erreichen. Tricktechnisch sieht der zwar irgendwie seltsam aus, aber der Horroreffekt verstärkt sich damit nur noch. Über die letzten drei Folgen der ersten Staffel braucht es dann nur noch wenige Worte. Es! Geht! Zurück! Zur! Hütte! Was dort dann abgeht und wie alles zusammenhängt, sollte jeder, der mit »Evil Dead« etwas anfangen kann, selbst anschauen. Es sei soviel verraten: Es geht die Post ab. Auf die zweite Staffel soll an dieser Stelle aus Spoilergründen nicht eingegangen werden. Zum Anfixen: Sie beschreitet neue Pfade, ohne das Original zu vergessen. Ashs Vergangenheit wird beleuchtet und spielt eine essentielle Rolle für den weiteren Verlauf.

Ash vs Evil Dead © 2016 Starz EntertainmentAlles in allem haben die Macher viel gewagt mit dieser Serie und viel richtig gemacht. Ernster Horror und übertriebener Splatter mit einer Story, die für das Serienformat erst auf den zweiten Blick umsetzbar scheint. Hat man sich an das Serienformat erst einmal gewöhnt, bekommt man »Evil Dead« in Reinkultur geboten. Davon darf es gerne weitere Fortsetzungen in Serienform geben. Eine dritte Staffel wurde von STARZ schon bestellt.

Szenenfotos © STARZ Entertainment

  • Titel: Ash vs Evil Dead – Staffel 1
  • Originaltitel: Ash vs Evil Dead Season 1
  • Produktionsland und -jahr: USA 2015
  • Genre:
    Horror, Comedy
  • Erschienen: 01.09.2016
  • Label: Renaissance Pictures
  • Darsteller:
    Bruce Campbell
    Ray Santiago
    Dana Delorenzo
    Jill Marie Jones
    Lucy Lawless
  • Regie:
    Sam Raimi (Pilotfolge)
    Michael J Basset

    David Frazee
    Michael Hurst
    Tony Tilse
    Rick Jacobson
  • Drehbuch:
    Ivan Raimi
    Sam Raimi
    Tom Spezialy
    Rob Wright
    u.a.
  • FSK: 18
  • Sonstige Informationen:
    Exklusiv bei Amazon Prime streamen

Wertung: 12 von 15 Waldhütten

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Über den Autor

Marc Richter

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„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm.“ (Stephen King „Der Mann in Schwarz“) – wenn ich sage, dass ich von Kindesbeinen an lese, dann ist das sicher verklärt durch Erzählungen der Eltern/Großeltern oder auch das schwache Langzeitgedächtnis. Vielmehr war ich ein Lesemuffel, nicht anders lässt sich erklären, warum ich lieber Lustige Taschenbücher statt richtige Bücher gelesen habe.
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von Marc Richter Artikel-Lesezeit: ca. 5 min
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