Roy Stuart (Fotograf) – Lovers and Madmen

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Leading Grandmaster of no Taboos
Roy Stuart ist eine Größe der Aktfotografie. Seine Bildbände sind gefragt, nicht selten wandern sie für horrende Beträge von mehreren hundert Dollar über die Ladentische. In der Kunstwelt höchst geschätzt und als Ikone angesehen, erregen seine freizügigen, expliziten und sich stets um einen unverkennbar sexuellen Kontext bewegenden Bildarbeiten abseits der heimischen Gefilde nicht selten harschen Ärger und extreme Reaktionen.

Seine Bildbände „Roy Stuart Volume I-III“ landeten auf dem Index, und der ebenfalls bei Edition Skylight erschienene Lovers and Madmen-Vorgänger Glympstorys barg nicht minder das Potential, anzustoßen. Zeitweise waren auch andere Teile von Stuarts Werken gerichtlich verboten, er selbst sah sich bereits des Öfteren rechtlichen Schritten gegen seine Person und Arbeit ausgesetzt. Auch sein neuer Band, der nach zwei Jahren Abstinenz entstanden ist und von Fans lang erwartet wurde, beinhaltet äußerst explizite Fotografien, die bis hin zu Oralverkehr und Penetration reichen. Bei allen expliziten Darstellungsweisen, die Stuart verwendet, ist eins jedoch deutlich: Sein künstlerischer und thematischer Ansatz, das Lustvolle abzubilden.

„Sex, Fotografie und Film nicht der Pornoindustrie überlassen“
Der Klappentext des aktuellen Werkes Lovers and Madmen zitiert den Künster folgendermaßen: „[Lovers and Madmen] ist die Fortsetzung seiner [Stuarts] erotischen Abenteuer, die er uns in diesem siebten Band erzählt. Roy Stuart ist der Meinung, dass man Sex, Fotografie und Film nicht der Pornoindustrie überlassen sollte“
Schaut man sich unter diesem Aspekt das 320 Seiten umfassende Werk an, wird man feststellen, dass die zitierten Aussagen durchaus ihren Beweis in den Bildstrecken finden. Geschichten um lustvolle Episoden folgen aufeinander. Eine sanfte Verführung hier, dort ein hitziger Akt. Alles dreht sich um Sexualität und Menschen, die eben jene leben.

Wie in seinem gesamten künstlerischen Schaffen zuvor, arbeitet der 1955 geborene Amerikaner auch hier grundsätzlich mit Models, deren Körper natürlich belassen und weitestgehend frei von den Gesetzmäßigkeiten populärer und verbreiteter Standards der Erotik- und Pornoindustrie sind. Er verfolgt den eignen Anspruch, trotz expliziter Abbildung sexueller Handlungen und fast ausschließlichem Fokus auf die aufgeführten Themenfelder, keine Pornografie zu schaffen. Stuart grenzt sich in Gesprächen und Interviews regelmäßig vehement und engagiert von Machenschaften und Produkten der Pornobranche ab, wie er es formuliert.

Diese Grenze sehen viele seiner Kritiker nicht. Für sie sind seine Werke nichts anderes als der Output eben jener Industrie, die Stuart ablehnt. Bei allen Statements und Behauptungen bleibt das letztendliche Urteil im Ermessensraum des jeweiligen Betrachters. Wer in Stuarts Werk Pornografie erkennen möchte, dem wird dies auch gelingen. Um eine klare Einordnung vornehmen zu können, ist die ohnehin schon verwischte Grenze von erotischem Akt, erotischen Medien im Allgemeinen und Pornografie in Stuarts Werk kaum erkennbar.

Bilder, die Geschichten erzählen
Was Lovers and Madmen allerdings nicht abzusprechen ist, ist die Inhaltsebene: Zwischen allen Handlungen steckt in der Tat eine erzählte Geschichte. Diese ist zwar häufig minimalistischer Natur, dennoch lassen sich Figuren, Handlungen, Motivationen und Emotionen erkennen. Damit gelingt den Künstlern schon mehr, als manch anderen Knipsern, die für sich die Schaffung von erotischem Akt beanspruchen, aber dann doch nur banale Tiefbefriedigung und erotische Kunst mit Befriedigung von Schaulust verwechseln. Eingestreute Zitate, Textteile und Statements erklären den künstlerischen Hintergrund und drehen sich um die Inhalte der Geschichten. Vor allem wird die Lust deutlich.

Die Settings versprühen häufig mehr als nur das Optische. Nicht selten sinnlich oder aufreizend, zeigen die Strecken eindeutig, dass Stuart durchaus Empfindungen dieser Art abbilden kann und doch seiner Differenzierung und Abgrenzung zum gängigen Porno treu bleibt.

DVD als Extra
Dem Buch liegt eine DVD bei, die im Band enthaltene Fotostrecken als Bewegtbildversionen zeigt. Zusätzlich finden sich Ausschnitte zu Stuarts früherem filmischem Schaffen. Einen Blick zu riskieren ist durchaus sinnvoll, da sich der künstlerische Ansatz sowohl in den Fotografien als auch in der Filmversion erkennen lässt. Jedes Medium funktioniert auf seine Weise. Stil und Ästhetik der Videos folgen den im Fototeil gesetzten Standards. Zudem fungiert der 60-minütige Inhalt quasi als Making of der im Band enthaltenen Inhalte.

Cover © Edition Skylight

Wertung: 12/15 dpt

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Über den Autor

Marcus Offermanns

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Jahrgang 1980; gefühlt seit Geburt an Cineast und Film-Nerd. Nach Ausbildung und Studium den Weg zur „Schreibenden Zunft“ gefunden und dabei geblieben. Getippt wird am liebsten über Filme, Serien oder Bücher. Genres sind mir egal, wichtig sind Figuren und deren Geschichten oder Bezüge zu meinen Interessen. Und bei Filmen: tolle Bilder! Weitere Hobbys: Kurz- und Städtetrips, Reisen/Road Trips/Outdoor Adventures, Festivals (Musik und Film) und Sport (Fußball, Wrestling, etc.) – natürlich nur drüber reden, nicht selber machen :-)
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von Marcus Offermanns Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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