Almut Hielscher & Uta König – Mord am Waterberg (Buch)

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Almut Hielscher und Uta König - Mord am Waterberg (Cover © Pro Talk Crime)Deutsch-Südwest-Afrika: Das heutige Namibia war vor 113 Jahren eine deutsche Kolonie und gleichzeitig Schauplatz eines der dunkeln Kapitel deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts: Die Stämme der einheimischen Völker, der Herero und der Nama, erhoben sich gegen die deutschen Koloinalherren, die ihnen Land wegnahmen und sie an den Rand der wirtschaftlichen Existenz brachten. Zunächst gab es kleinere Übergriffe auf Farmen, Eisenbahnlinien und Handelsstationen. Der deutsche Gouverneur Theodor Leutwein versuchte zu verhandeln. Diese Milde zeigte keine große Wirkung und wurde vom Generalstab missbilligt, also wurde der Generalleutnant Lothar von Trotha neuer Oberbefehlshaber der Schutztruppe. Sein Ziel war die völlige Vernichtung des Gegners. Er ließ Verstärkung kommen und am 11. August 1904 kam es am Waterberg zur Entscheidungsschlacht, bei der die Deutschen sich nicht mit Ehre geschweige denn Taktikvermögen bekleckerten, und bei dee die Herero große Verluste einnahmen und schließlich nach Südosten fliehen konnten. Von Trotha ließ sie bis an den Rand des Omaheke-Sandfeldes verfolgen und erließ seinen berüchtigten Schießbefehl, der praktisch zum Genozid an den Herero aufforderte. Die deutsche Schutztruppe musste sich anschließend mit den ebenfalls aufständischen Nama unter ihren Kapitänen (Häuptlingen) Hendrik Witbooi und Jakob Morenga in einem jahrelangen Kleinkrieg auseinandersetzen. Dieser „totale“ Krieg kostete durch Krankheiten, Hunger und Durst, Kampfhandlungen, Überfälle, Flucht und menschenunwürdige Zustände in den Internierungslagern schätzungsweise bis zu 64.000 Herero (etwa 70% des gesamten Herero-Volkes), 10.000 Nama sowie 1.365 Siedler und Soldaten ihr Leben.

Harter Tobak also. Und eine spannende Kulisse, um einen Krimi vor diesem Hintergrund und in dieser Gegend anzusiedeln. Genau das tun Almut Hielscher und Uta König. Ihre Protagonistin heißt Katrin und reist nach Namibia, um ihre ermordete Schwester Anna nach Deutschland zu holen. Sie beginnt vor Ort zu recherchieren und entwickelt sich dabei von der grauen Kontrollmaus zur abenteuerlustigen Hobbydetektivin. Die Rolle der ernsten, großen Schwester hat sie nie gemocht, sie tat immer alles, um ihren Eltern zu gefallen und ist lieber vorsichtig und geht auf Nummer Sicher als Risiken einzugehen.

Klingt an sich spannend. So wird neben der Lösung des Falls, bei dem immer wieder Parallelen zur deutschen Kolonialgeschichte gezogen werden, auch der Entwicklung der Heldin viel Raum gegeben. Alles ist im Präsens geschrieben. Und leider muss man generell sagen, dass der Roman trotz des geschichtsträchtigen Hintergrundes relativ flach bleibt. Zwar liest man weiter, weil man wissen will, was es mit dem Mord auf sich hat, doch irgendwie fehlt der Krimi-Handlung jeglicher roter Faden. Die Charaktere bleiben flach und und einseitig. Die ganze Sprache ist hölzern und nicht realitätsnah, was sich vor allem in den Dialogen niederschlägt. So unterhalten sich Menschen nur auf Papier.
Auch andere Dinge, wie zum Beispiel Landschaftsbeschreibungen, leiden unter der oberflächlichen, einfachen Sprache. Insgesamt führt das alles leider dazu, dass man zwischendurch unfreiwillig schmunzeln muss, und man die gesamte Geschichte sowie die Entwicklung der Heldin nicht immer wirklich ernst nimmt.

Was hätte man daraus machen können?! Man hat das Gefühl, die beiden Autorinnen – beide selbst Journalistinnen und Namibia-Expertinnen, was sich durchgehend zeigt und die wirkliche Stärke des Buches ausmacht – sind der selbst gestellten Aufgabe nicht durchgehend gewachsen gewesen. Aber es ist auch schwierig und erfordert einiges, den gesamten Hintergrund, vor dem sich alles abspielen soll, in passender Weise mit einzubauen und ihm gerecht zu werden. So ist das Ergebnis ein ziemlich durchschnittlicher Roman geworden, der unterhält und der sich gut zum Ausschalten eignet, aber dessen Potenzial leider nicht ausgeschöpft wird.

Cover © Pro Talk Crime

  • Autor: Almut Hilscher und Uta König
  • Titel: Mord am Waterberg
  • Verlag: Pro Talk Crime
  • Erschienen: 2017
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 249
  • ISBN: 978-3-939990-40-6
  • Sprache: Deutsch
  • Sonstige Informationen:
    Infos auf der Verlagsseite

Wertung: 7/15 dpt

 

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Über den Autor

Philipp Roettgers

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„I was born in ’89, the year of “ … but seriously … „three days before the Wall came down …“ Seit einigen Jahren lebe ich in Bonn und studiere dort „English Literatures and Cultures“. Ich spiele Schlagzeug, und schreibe für die Musikmagazine Intro, Betreutes Proggen und The Dutch Progressive Rock Page. Im Sommer bin ich auf Festivals unterwegs und helfe dort teilweise aus, unter anderem auf dem Burg Herzberg Festival. Meine Heroen: Hermann Hesse, Hunter S. Thompson, Der Dude („The Big Lebowski“), Steve Hogarth, Genesis, David Eddings, The Beatles, Dennis Hopper, Bela B. und Monty Python.
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von Philipp Roettgers Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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