Kubo der tapfere Samurai (Spielfilm, Stop-Motion)

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Animationsfilme haben in Ihrer Popularität die klassischen Trickfilme weit hinter sich gelassen und sorgen in den Kinos zuverlässig für gute Besucherzahlen und häufig auch Unterhaltung für die ganze Familie. Was mit den Filmen von Pixar begonnen hat, ist längst nicht mehr auf einige wenige Studios beschränkt. Das Animationsstudio LAIKA hat sich auf eine besondere Nische spezialisiert: Wer hat als Kind Stop-Motion-Filme mit dem heimischen Fundus an Legofiguren gedreht und sich wie ein großer Regisseur gefühlt? Mit diversen Apps lassen sich die in mühevoller Kleinstarbeit erstellten Sequenzen heute ganz unproblematisch mit diversen Effekten aufpeppen. Nichts desto trotz ist es eine Unmenge an Arbeit, auch nur wenige Sekunden umzusetzen.

Puppentheater für die ganze Familie?
Die Filmemacher bei LAIKA haben sich bereits mit dem Stop-Motion-Film ‚Coraline‘ einen Namen gemacht, kennen sich also bestens aus mit der Verknüpfung von Handwerk und modernster Technik. Wer so richtig verstehen will, wie viel Liebe zum Detail und handwerkliches Geschick in den Film investiert wurden, der sollte sich unbedingt die großartig gemachten Making-of-Videos auf der DVD/Blu-ray anschauen. Viele der Schauplätze werden in einer Art Modellbau tatsächlich physikalisch gebaut und dann mit digitalem Compositing nachbearbeitet, um Details hinzuzufügen. Aber auch die physikalisch vorhandenen Kulissen enthalten bereits eine Vielzahl an Details: Korrekt beschriftete Schildchen an den Häusern in Kubos Dorf, Pflanzen, und nicht zu vergessen, Figuren mit einem detaillierten Mienenspiel. Dieses wird beispielsweise nicht am Computer umgesetzt, sondern mit Hilfe zahlreicher winziger Masken, die den Figuren in den entsprechenden Momenten aufgesetzt werden. Der Detailgrad der Animationen, der dabei erreicht wird, ist beeindruckend! Einzelne Haarsträhnen wehen im Wind, Metallsplitter fliegen durch die Gegend, Wasser und Laub werden täuschend echt animiert und die Schöpfer entwickeln immer wieder neue Ideen für gelungene Sinnestäuschungen. Ein wirkliches Kunstwerk sind die Origami-Animationen, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn Kubo seine Magie einsetzt.

Tapfere Krieger, mächtige Götter, mystische Magie
Kubos Eltern sind ein mächtiger Samurai-Krieger und eine Göttin, die sich von ihresgleichen abgewandt hat. Leider ist sein Vater schon lange verstorben und seine Mutter ist schwer krank. Er verfügt jedoch über ein besonderes Geschenk, und zwar magische Kräfte, zu deren Beherrschung es für den kleinen Jungen aber noch ein weiter Weg ist. Für ihren Lebensunterhalt läuft Kubo jeden Tag in die einige Meilen entfernte Stadt und erzählt die Geschichten seiner Mutter, wie nur er es kann: Mit einem Stapel bunter Papiere und einem Instrument mit zwei Saiten beginnt alles, und dann fängt der Junge zu spielen an und das Papier formt sich selbst zu Kriegern, Drachen, Waffen und anderen wundersamen Dingen. Seit Kubo denken kann, hat seine Mutter ihm eine Regel eingebleut: Seid bei Sonnenuntergang zu Hause und NIEMALS im Dunkeln draußen. Doch eines Tages kommt es, wie es kommen muss: Was einerseits eine Katastrophe für Kubos Mutter ist, ist auch der Beginn einer abenteuerlichen Reise für den kleinen Krieger. Alles was seine Mutter ihm mit auf den Weg geben kann, ist eine Art Talisman in Form eines Affen. Merkwürdig…

Technisch einwandfrei und stilistisch unverbraucht
Der gesamte Datenträger ist in diesem Fall ein rundes Gesamtpaket. Die deutsche Synchronisation ist hervorragend, die Animationen sind lippensynchron. Die orchestrale Hintergrundmusik des Films untermalt stets treffend die jeweilige Stimmung, und die ungewohnten Artworks im japanischen Stil verwöhnen das Auge mit neuen Eindrücken und wirklichen tollen Farbkombinationen.

Die japanische Lebensart wurde genau recherchiert und findet Eingang in Handwerk, Musik, Architektur und Kleidung. Daraus entsteht ein einzigartiger unverbrauchter Stil. Die Origami-Schlachten, in denen der kleine Held Tiere aus Papier zum Leben erweckt, sind einer der Höhepunkte dieses stilsicheren Artdesigns.

Darüber hinaus ist die Ausstattung der (in meinem Fall) DVD als sehr gelungen zu bewerten. Der Film steht auf DVD in Deutsch, Englisch, Türkisch und Italienisch zur Verfügung, und auf den Blu-ray Discs sind noch einige Sprachen mehr. Auch auf der DVD sind als Bonusmaterial „Kubos Reise“, ein Special zu den Hintergründen der Geschichte und den Vorlagen in der japanischen Mythologe und „die Regionen der Erde“ ein Making of der einzelnen Szenenbilder, die in jeder denkbaren Klimazone angesiedelt sind, enthalten. Danach hat man Lust, den Film gleich noch einmal zu schauen.

Fazit
Ein ganz besonderer Film, der tatsächlich jung und alt vor dem Fernseher zusammenbringt. Voller ungewöhnlicher und ungewöhnlich schöner Bilder. Stellenweise erinnerte mich Kubos Reise ein wenig an Zelda – ein zeitloser Klassiker eines anderen Mediums. Ich bin gespannt, ob man in Zukunft noch mehr von dem kleinen Samurai sehen wird. Wenn man technisch die Wahl hat, rate ich im Übrigen zum Kauf der Blu-ray. Die hohe digital nachbearbeitete Anteil des Films gibt hohe Auflösungen besonders gut her, somit kommt der vermutliche Vorteil stark zum Tragen.

Cover und Stills © Universal Pictures Home Entertainment

Wertung: 12/15 dpt

Infos zum Film findet ihr hier (DVD) beziehungsweise hier (Blu-ray) auf Universal Pictures Home Entertainment.

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Über den Autor

David J. Weigel

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Zur Zeit darf ich im schönen Hannover studieren… Das ist diese unscheinbare aber irgendwie sympathische Halbmillionen-Stadt an der A7 zwischen den großen Metropolen. Besonders im Spätsommer, da kann man Glühwürmchen im Stadtpark sehen…

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von David J. Weigel Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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