Linda Nagata – The Red 2: Prüfungen (Buch)

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Linda Nagata - The Red 2: Prüfungen (Cover © Cross Cult)An dieser Stelle sei angemerkt: Wer den letzten Band noch nicht gelesen hat, sollte dies definitiv nachholen. Denn im Laufe dieser Rezension wird auf Ereignisse eingegangen, die am Ende des vorherigen Romans stattfanden.

Denn in diesem führten James Shelley und die ihm untergebenen Soldaten eine nicht genehmigte Militäroperation durch. Sie entführten die Person, die für die nuklearen Anschläge in den USA verantwortlich und auf Grund ihres Reichtums unantastbar war. Sie brachten sie in ein Land, in welchem ihr der Prozess gemacht werden sollte und kehrten anschließend nach Amerika zurück, wo sie sich der Justiz stellten.

Zu Beginn von „Prüfungen“, dem zweiten Teil aus Linda Nagatas „The Red“-Reihe, sitzt diese Gemeinschaft im Gefängnis. Gemeinsam warten sie auf das Gerichtsverfahren, das aufgrund ihrer illegalen Aktivitäten bevorstehen wird. Sie wollen ihr Vorgehen in aller Öffentlichkeit verteidigen, obwohl sie wissen, dass gegen sie Stimmung betrieben wird. Am Ende kommt der Prozess allerdings zu einem überraschenden Abschluss, womit jedoch für James Shelley selbst noch längst nicht alle Probleme gelöst sind.

Denn noch immer existiert das „Rot“, jene künstliche Intelligenz, die immer wieder James Shelley manipulierte und deren Zerstörung das Ziel der nuklearen Anschläge war. Noch immer existieren die Superreichen, die wiederholt irgendwo auf der Welt Krieg anzetteln, um sich noch weiter zu bereichern. Und noch immer haben es einige Leute auf James Shelly persönlich abgesehen und schrecken vor nichts zurück, um ihn zu erwischen. Sogar nicht davor, das Leben Unschuldiger aufs Spiel zu setzen.

Der Anfang der „The Red“-Reihe war mit „Morgengrauen“ grandios geworden. Es war sehr spannend zu lesen, voller überraschender Wendungen und guten Charakterisierungen. So viel vorab: Der Nachfolger „Prüfungen“ kann hingegen das Qualitätsniveau des Vorgängers nicht halten.

Das liegt allerdings nicht an der Qualität der Darstellungen. Man hat das Gefühl, dass Linda Nagata sich sehr viele Gedanken darüber gemacht hat, wie sie die Ereignisse des letzten Romans in die Fortentwicklungen ihrer Protagonisten einbaut. Bestes Beispiel hierfür ist die Beziehung zwischen Hauptcharakter James Shelley und seinem Vater. Aufgrund der Geschehnisse aus dem letzten und dem Anfang des aktuellen Bandes müssen sie, deren Umgang miteinander allerhöchstens durch emotionale Kälte gekennzeichnet war, wieder lernen, wie normale Menschen mit dem jeweils anderen umzugehen.

Dass ihnen die nötige Zeit dafür natürlich nicht bleibt, ist abzusehen. Denn nach dem ersten Drittel des Romans, das sich mehr dem Prozess widmete, übernimmt in den letzten beiden erneut die Military Action die Zügel der Handlung. Was für die Spannung genau die richtige Entscheidung war, da der Beginn von „Prüfungen“ sich sehr zog. Das erste Drittel ging für das eingangs geschilderte Gerichtsverfahren drauf, was die Autorin in aller Ausführlichkeit schildert. Wodurch sie den Leser jedoch schnell langweilt. Das Problem hierbei ist, dass man auf Grund des Vorgängers hauptsächlich Action gewöhnt ist. Die mehr von Intrigen und juristischen Winkelzügen geprägte Handlung ist hier natürlich ein absoluter Gegensatz. So begrüßenswert es auch ist, dass Linda Nagata die gesetzlichen Auswirkungen der Aktionen aus „Morgengrauen“ detailliert schildert, so bemerkt man allerdings schnell, dass das nicht ihre Stärke ist. Sie ist eindeutig kein John Grisham.

Danach wird es jedoch nur bedingt besser. Die aus dem letzten Band gewohnte Spannung kommt zwar wieder auf, doch gleichzeitig hat man irgendwie das Gefühl, dass die Autorin hier hauptsächlich den Plot des letzten Drittels von „Morgengrauen“ recycelt- zu häufig hat der Rezensent ein Déjà-vu. Nur dass hier eben die Handlung von einem auf zwei Drittel ausgewälzt wird und viele interessante Aspekte trotzdem zu kurz kommen. So hat James Shelley eine neue Freundin, da die vorherige ist bei den Anschlägen gestorben ist. Diese hat zwar eine andere Herkunft, ist aber dennoch eine alte Bekannte. Doch davon mal abgesehen ist ihre Hauptfunktion genau dieselbe wie bei ihrer Vorgängerin. Sie hat als pures Love Interest zu dienen und darf sich ab und an Sorgen um ihren Freund machen.

Gleichzeitig hat man nie das Gefühl, dass dieses vom nuklearen Terrorismus erschütterte Amerika glaubwürdig rübergebracht wird. Es wird am Rande gestreift, allerdings nicht wirklich thematisiert. Auf die eigentliche Handlung hat das keine Auswirkungen.

Dass man, bei aller Kritik am Ende von „Prüfungen“ dennoch kaum den nächsten Teil erwarten kann, liegt an dem, was man da zu lesen bekommt. Ohne zu viel zu verraten wird hier die Beziehung zwischen James Shelley und dem „Rot“ auf ein neues Level gehoben. Die Konsequenz, die sich daraus ergibt, ist schockierend, ebenso wie die Radikalität, mit der der Hauptcharakter diese Auswirkungen akzeptiert. Hoffentlich wird der dritte Band qualitativ ähnlich wie der erste!

Cover © Cross Cult

  • Autor: Linda Nagata
  • Titel: The Red 2: Prüfungen
  • Teil/Band der Reihe: The Red 2 (3)
  • Originaltitel: The Red: The Trials
  • Übersetzer: Helga Parmiter
  • Verlag: Cross Cult
  • Erschienen: 03/2017
  • Einband: Broschiert
  • Seiten: 520
  • ISBN: 978-3-95981-154-5
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 8/15 dpt


Über den Autor

Götz Piesbergen


Ich darf mich vorstellen? Wunderbärchen! :D

Mein Name ist Götz Piesbergen, wobei ich in den Weiten des World Wide Web auch noch ein paar andere Pseudonyme verwende. Ich bin ein Vielschreiber und Vielleser, der quasi alles verschlingt, was Buchstaben hat (hmm, lecker! :D). Und da ich zu den Leuten gehöre, die ihre Meinung im Netz gerne kundtun, bespreche ich auch die Sachen, die ich lese oder zocke oder sehe.

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von Götz Piesbergen Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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