Charles Portis – True Grit (Buch)

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Am 17. Februar dieses Jahres verstarb Charles Portis. Ein Grund, das bekannteste Werk dieses großen amerikanischen Autors in Erinnerung zu rufen. War sein erster Roman „Norwood“ bereits ein Erfolg in Amerika, so wurde er 1968 mit „True Grit“ weltberühmt. Dabei beruhte sein Erfolg vor allem auf einer Verfilmung, die ein Jahr später erschien. 1969 verkörperte John Wayne den trinkfreudigen US-Marshal Rooster Cogburn, wofür er seinen einzigen Oscar erhielt. „Der Marshal“ wurde von Henry Hathaway verfilmt und versammelte Filmgrößen wie Glen Campbell, Robert Duvall und Dennis Hopper in weiteren Rollen. Die weibliche Hauptrolle der Mattie Ross spielte Kim Darby. 2010 kam der Film erneut ins Kino, dieses Mal unter dem Originaltitel „True Grit“ und unter der Regie der legendären Coen-Brüder. In den Hauptrollen spielten Jeff Bridges (Rooster Cockburn), Matt Damon und Josh Brolin, die Rolle der Mattie spielte Hailee Steinfeld.

„Was weiß ich denn von Ihnen? Dass Sie reden können – ja, und Whiskey trinken und auf Ratten schießen. Alles andere war Geschwätz. Es heißt von Ihnen, Sie seien mutig. Deshalb bin ich zu Ihnen gekommen. Ich zahle aber nicht für Geschwätz.
„Du kriegst gleich ein paar hinter die Ohren.“
„Wie wollen Sie das denn machen von dem Schweinetrog aus, in dem Sie da liegen? Ich würde mich schämen, in diesem Dreck zu hausen! Wenn ich so riechen würde wie Sie, dann würde ich nicht in einer Stadt leben, sondern oben im Gebirge, wo’s keinen stört außer Hasen und Salamandern.“

Sollte jemand die Verfilmungen (oder den Roman) nicht kennen, was man umgehend ändern sollte, kurz zum Inhalt dieses großen Western-Klassikers, der, es sei vorweggenommen, auch nach über fünf Jahrzehnten noch großen Lesespaß erzeugt. Die 14-jährige Mattie Ross erfährt, dass Tom Chaney ihren Vater ermordet und bestohlen hat. In Fort Smith, Arkansas, kümmert sie sich zunächst um die Überführung des Leichnams und fragt den örtlichen Sherif nach dem besten Mann, um den Vater zu rächen. Dieser empfiehlt den wenig zimperlichen US-Marshal Reuben „Rooster“ Cockburn, der keiner Auseinandersetzung aus dem Weg geht und die Waffe schnell bei der Hand hat.

„Wharton wird nach dir suchen.“
„Wenn er Pech hat, findet er mich.“

Er hat nur ein Auge (John Wayne trug übrigens die Augenklappe links, Jeff Bridges rechts) und trinkt eindeutig zu viel. Aber er ist ein erfahrener Haudegen und kann das von Mattie gebotene Geld gut gebrauchen. Tom Chaney hat sich vermutlich ins Indianerterritorium zurückgezogen und dort einer Bande angeschlossen. Bevor die Jagd beginnt, gesellt sich noch der Texas Ranger LaBoeuf hinzu, der Chaney wegen eines ermordeten Gouverneurs jagt und auf das ausgelobte Kopfgeld aus ist. Obwohl sich die beiden Männer heftig sträuben, lässt es sich Mattie nicht ausreden die Beiden auf ihrem gefährlichen Ritt zu begleiten.

„Harold, du und dein Bruder – geht mal beiseite. Von euch beiden will ich heute nichts. Wenn ihr aus der Schusslinie geht, passiert euch nichts.“
„Was hast du eigentlich vor? Das Verhältnis ist vier zu eins. Rechnest du mit einem klaren Unentschieden, oder was?“

Abgesehen von der durchaus spannenden Jagd bietet „True Grit“ vor allem giftige Dialoge, die der frechen Mattie zu verdanken sind. Köstlich, wie sie die Erwachsenen immer wieder in ihre Schranken weist, wobei insbesondere Cockburn und LaBoeuf sehr großmäulig auftreten; echte Kerle halt. Nun ja. Erstaunlich dagegen der weinerliche Tom Chaney, der wiederholt mit seinem Schicksal hadert. Auch die üblichen Ingredienzien eines Western sind weitgehend vorhanden: Schießereien, lange Ritte und eine beeindruckende landschaftliche Kulisse. Allein die Indianer fehlen ein wenig. Dank der ausdrucksstarken Sprache des Autors kommt man sich wie im Kino vor, welches selbst heute noch bestens im Kopf abläuft. Wiederholung hin oder her: „True Grit“ ist in jedem Format (Buch wie Film) ganz großes Kino!

Cover © rowohlt

  • Autor: Charles Portis
  • Titel: True Grit
  • Übersetzer: Richard K. Flesch
  • Verlag: rowohlt
  • Erschienen: 09/2011
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 219
  • ISBN:978-3-4980-4276-9
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite 
    Erwerbsmöglichkeiten – nur noch antiquarisch erhältlich

    Wertung: 13/15 Shootouts


Über den Autor

Jörg Kijanski

Großer Krimifan seit Jugendzeiten, zudem seit 2005 vor allem als Redakteur für die Krimi-Couch und Histo-Couch tätig. Inzwischen haben sich über tausend Rezensionen angehäuft. Neu seit Sommer 2019 auch bei booknerds.de am Start.

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Charles Portis – True Grit (Buch)

von Jörg Kijanski Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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