Exil

Es geht heiß her…

Pharmaingenieur Xhafer findet eines Tages an der Eingangstür zu seinem Reihenhaus eine tote Ratte vor. Es liegt die Vermutung nahe, dass das Tier aus seiner Arbeitsstelle stammt. Dort fühlt sich der gebürtige Kosovare zuletzt gemobbt. Dies äußert sich mitunter darin, dass wichtige E-Mails nicht an Xhafer weitergeleitet werden. Dadurch kommt der Enddreißiger zu spät zu einem Meeting. Die dortige Stimmung ist angespannt. Es ist heiß, die TeilnehmerInnen schwitzen (mag auch daran liegen, dass der Film großteils im Sommer 2018 gedreht wurde) und sind ziemlich gereizt.. In weiterer Folge wird dieser kleine, stickige Raum öfters Teil der Handlung. Generell beschränkt sich der Film auf wenige Schauplätze.

Angesprochen auf die neuen Umstände in seiner Firma, erhält Xhafer von seiner gebürtigen deutschen Frau Nora, allerdings wenig Aufmerksamkeit. Ihre zwei Töchter und der neugeborene Junge halten die Frau ziemlich auf Trab, vor allem weil sie ebenfalls an ihrer Promotion arbeitet. Um etwas Druck abzulassen, trifft sich Xhafer mit der albanischen Reinigungskraft des öfteren auf einen Quickie in der Toilette. Blöd nur, dass die beiden eines Tages von deren Sohn erwischt werden.

Die Stimmung wird immer angespannter. Ein brennender Kinderwagen, Verdacht der Untreue der Ehefrau und noch mehr Ratten. Die Verzweiflung und die Aggressivität, geschuldet durch die Verzweiflung, wächst von Tag zu Tag. Diese Anspannung wird vor allem in der Hintergrundmusik durch Klopf- und Kratzgeräusche verdeutlicht. Die Mimik des Hauptdarstellers Mišel Matičević bleibt während des gesamten Films beinahe unverändert.

Xhafer verdächtigt seinen Kollegen Urs für diese Vorkommnisse verantwortlich zu sein. Kurz darauf begeht dieser in der Firma Selbstmord. Die Paranoia nimmt zu und die Stimmung des Films wird immer beklemmender.

Alltagsrassismus, Midlife Crisis oder doch nur Einbildung?

Der Film von Regisseur und Drehbuchautor Visar Morina, lässt die Frage durchaus offen, ob Xhafer tatsächlich gemobbt wird oder nicht. Alleine durch die beklemmenden Situationen der Ausgrenzung, des Tuscheln und der Überforderung mit der familiären Situation zu Hause, wird das Publikum regelrecht erdrückt. All diese Erfahrungen sind nachvollziehbar und wurden vielleicht sogar schon selbst erlebt. Je mehr und je öfter das passiert, desto eher liegt der Verdacht nahe, es würde systematisch passieren. Ist einmal die Saat des Misstrauens verstreut, pflanzt sich diese unaufhörlich fort. Doch nicht alleine das Thema Rassismus wird in “Exil” behandelt. Die Unterschiede zwischen Karriere und Familie, Heimat und Zugehörigkeit sowie Einbildung und Realität sind steter Begleiter in Xhafers Gefühlwelt.

Fazit:
Ohne die Moralkeule zu schwingen, gelingt es Morina einen bedrückenden Film abzuliefern, der das Publikum durchaus nachdenklich hinterlässt. Nicht nur um die Frage zu klären, ob es sich um reine Einbildung des Protagonisten handelte, sondern auch um eigenes Erlebtes oder Beobachtetes zu reflektieren.

  • Titel: Exil
  • Produktionsland und -jahr: Belgien, Deutschland, Kosovo, 2020
  • Genre: Drama
    (alle Genres, in die der Film passt)
  • Erschienen: 22.01.2021
  • Label: Almode Film
  • Spielzeit:
    121 Minuten auf 1 DVD
  • Darsteller:
    Mišel Maticevic
    Sandra Hüller
    Rainer Bock
  • Regie: Visar Morina
  • Drehbuch: Visar Morina
  • Kamera: Matteo Cocco
  • Schnitt: Laura Lauzemis
    Hansjörg Weißbrich

    Visar Morina
  • Musik: Benedikt Schiefer
  • Extras:
    Trailer
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    2.35:1 (16:9)
    Sprachen/Ton
    :
    Deutsch
    Untertitel:
    D
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite 
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 10/15 dpt

Fotos © Almode Film

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