Über die Recherchen zum größten Roman über den deutschen Widerstand

Wer wir sind
© dtv

Am 1. Oktober 2012 erschien der große Roman von Sabine Friedrich über den Deutschen Widerstand. „Wer wir sind“ ist ein Monumentalwerk mit über 2.000 Seiten, sodass man seitens des Verlages (dtv) überlegte, hieraus eine „Widerstands-Trilogie“ zu extrahieren. Deren zweiter Teil „Was sich lohnt“ ist kürzlich erschienen; ein Anlass, sich nochmals mit dem „Werkstattbericht“ zu „Wer wir sind“ zu befassen, der damals ebenfalls am 1. Oktober 2012 erschien.

Auf 128 Seiten beschreibt Sabine Friedrich mit teils sehr persönlichen Einblicken in ihr Privatleben, wie der Roman entstand und welche Recherchen sie hierfür unternahm. Ursprung war ein Artikel im „Spiegel“, der zum 50. Jahrestag des misslungenen Attentats auf Hitler über die Witwen der Männer des 20. Juli 1944 berichtete. Geplant war danach ein Theaterstück, doch später folgten mehrere Zeiten in Berlin, wo die Autorin sich, abgekoppelt von Familie und Freunden, eine Wohnung nahm und auf Spurensuche ging. Was wurde aus den Gebäuden, in denen damals die Todesurteile gesprochen wurden? Was aus den Häusern, in denen die Widerständler einst lebten? Widerständler wie Adam von Trott zu Solz, Peter Graf Yorck zu Wartenburg, Hans von Haeften, Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg und Helmut James Graf von Moltke, um nur einige der wichtigsten Personen aus dem Kreisauer Kreis zu nennen, von dem der eingangs erwähnte, aktuelle Roman „Was sich lohnt“ handelt.

Was wurde aus den Schlössern Klein Oels, Kreisau, Liebenberg, Tressow und anderen? Teils sind sie verfallen, teils kann man heute in ihnen Zimmer mieten. Erinnerungsstätten sind sie ohnehin. Wie umfangreich die Recherchen der Autorin gewesen sein müssen, lässt sich dennoch nur erahnen. Sechs Jahre oder zwölf Semester hat sie an dem Meisterwerk „Wer wir sind“ gearbeitet, verschiedene Varianten ausprobiert und immer wieder verworfen. Der Hinweis auf die verwendeten Quellen bzw. die herangezogene Literatur umfasst sechzehn enggedruckte Seiten.

Bei ihren Recherchen in Berlin, in Schlesien und weiteren Stätten, konnte sich Sabine Friedrich einen guten und fundierten Einblick verschaffen, um sich in die damalige Zeit hineinzuversetzen. Nun ja, inspirieren zu lassen, trifft es besser. Das Ergebnis sind ihr Lebenswerk „Wer wir sind“ sowie die beiden bisher erschienenen Teile der Widerstands-Trilogie „Einige aber doch“, in dem es um die „Rote Kapelle“ geht und „Was sich lohnt“, wo der Kreisauer Kreis im Fokus steht.

Wer wissen möchte, wie ein auf historischen Fakten und Zeugnissen (Tagebüchern, Briefen, Notizen, Akten, Fotos und vielem mehr) basierender Roman entsteht und sozusagen der Autorin dabei über die Schulter schauen möchte, sollte zugreifen. Dass das Buch bereits im Jahr 2012 erschien ändert nichts an einem gehaltvollen Einblick in die „Werkstatt“.

  • Autor: Sabine Friedrich
  • Titel: Wer wir sind. Werkstattbericht
  • Verlag: dtv
  • Umfang: 128 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Oktober 2012
  • ISBN: 978-3-423-21403-2
  • Sonstige Informationen:
  • Produktseite

Wertung:  12/15 dpt 


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