Octave Uzanne – Das Ende der Bücher

Das Ende der Bücher - Cover
© Favoritenpresse

Der Titel dieser Rezension lässt Spekulationen zu. Machen wir unsere Seite dicht? “Das Ende der Bücher” bedeutet auch das Ende von booknerds.de? Mitnichten, geneigte Leserschaft.

“Das Ende der Bücher” ist vielmehr ein Essay des französischen Schriftsteller und Verlegers Octave Uzanne und stammt aus dem Jahr 1894. Über 100 Jahre später gibt es noch immer Bücher, worüber wir sehr froh sind. Auch Bodo von Hodenberg, denn dieser gründete gerade im letzten Jahr mit der “Favoritenpresse” einen neuen Verlag. In Zeiten einer Pandemie durchaus ein herausforderndes Unterfangen. Weil Herr von Hodenberg Bücher und Bildbände liebt, schließt sich somit fast der Kreis.

Wovon handelt das antiquarische Essay des Franzosen?

Nach einem Vortrag der Londoner Royal Society, bei dem der Wissenschaftler William Thomson vom Ender der Menschheit referierte, treffen sich einige der Zuhörer in einem Club, um bei ein paar Flaschen Champagner den Abend Revue passieren zu lassen.

Beflügelt vom Vortrag des Wissenschaftlers, spinnen die acht unterschiedlichen Persönlichkeiten, eigene Zukunftsszenarien. Der Naturgelehrte und Vegetarier Julius Pollok sprach unter anderem davon, dass die Nahrung zukünftig in Form von Pulver und Kapseln konsumiert werden würde und die Schlachtung von Tieren rein zum Massenkonsum von Fleisch enden wird. Ein anderer sprach wiederum vom Ende der Malerei, nachdem die Entwicklung der Photomalerei ein unaufhaltbarer Schritt sei.

Letztlich spricht Uzanne vom Ende der Bücher. Nicht unbedingt vom Ende des Mediums an sich, sondern eher von der Ablöse an der Spitze der Medienlandschaft. Während damals das gedruckte Wort, vor allem durch Tageszeitungen und diversen Nachschlagewerken, eine Vormachtstellung inne hatte, skizzierte Uzanne eine Zukunft ohne gedruckte Medien. Mit Erfindung des Grammophons ging er davon aus, dass in Zukunft Inhalte ausschließlich durch das Gehör konsumiert werden. Zu umständlich sei das Falten großflächiger Zeitungen oder zu schwer das Halten von Büchern. Nachrichten, Texte und Bücher würden auf Zylinder gespeichert und die Hörerschaft kann diese überall abspielen, sogar mit tragbaren Einheiten. Statt Bibliotheken gäbe es Phonotheken und an öffentlichen Plätzen solle es Automaten mit Hörschläuchen geben, damit alle Personen kostengünstig zu Inhalten kämen.

Doch seien Sie versichert, dass das Buch bei allen Bewohnern dieses Erdballs ausgedient haben und der Buchdruck bedeutungslos geworden sein wird, sieht man einmal von den Diensten ab, die er im Handel und in privaten Beziehungen noch leisten mag.

Während im Jahr 1895 als der Text letztlich erschien, dieses Szenario ziemlich utopisch klang, waren schon einige Jahre danach entsprechende Erfindungen auf dem Weg in die Massenproduktion. In einem Nachwort von Prof. Dr. Jochen Hörisch, wird dieser Paradigmenwechsel ebenso thematisiert. Das gebundene Buch im quadratischen Format, kommt mit zahlreichen schwarz-weiß Illustrationen von Steph von Reiswitz daher.

Fazit: “Das Ende der Bücher” gibt einen interessanten Einblick in mögliche Zukunftsszenarien am Ende des 19. Jahrhunderts. Wir freuen uns gemeinsam, dass sich nicht alles bewahrheitet hat.

  • Autor: Octave Uzanne
  • Titel: Das Ende der Bücher
  • Originaltitel: Contes pour les bibliophiles
  • Übersetzer: Marcus Seibert
  • Verlag: Favoritenpresse
  • Erschienen: 2021
  • Einband: Hardcover
  • Seiten: 48
  • ISBN: 978-3-96849-001-4
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten


Wertung: 12/15 dpt


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