Lena Talis – Die tausend Farben des Meeres

Gute Einstimmung auf den nächsten Urlaub in Griechenland

Die Hochzeitsvorbereitungen sind weit fortgeschritten, da erfährt Mila van

Die tausend Farben des Meeres
© Emons

der Holst, dass ihre große Liebe, Jannik Tersteegen, von Korfu aus mit ihr Schluss gemacht hat. Stilvoll per Facebook; alle „Freunde“ erfahren es vor ihr. Kurzerhand fliegt Mila nach Korfu, wo sie Jannik am nächsten Tag zur Rede stellt. Dieser gesteht Mila, dass er bei seinem letzten Trip nach New York eine andere Frau kennen gelernt habe; vor vier Monaten. Mila erscheinen seine Worte seltsam gekünstelt, gleichwohl scheint nur Alkohol zu helfen. Zwei Longdrinks später schläft Mila ein und erwacht am nächsten Morgen an einem steilen Abhang mit Verletzungen. Es fehlte nicht viel und sie wäre noch weiter und damit in den sicheren Tod gestürzt. In unmittelbarer Nähe findet sie einen alten Revolver, aus dem kürzlich geschossen wurde. Aber was war geschehen? Sollte sie Jannik nach seinem Geständnis erschossen haben? Mila hat einen totalen Filmriss.

Mila lernt Leo Bardés kennen, einen einflussreichen Bauern, der sich mit seinen modernen Ideen zum Olivenanbau nicht gerade beliebt gemacht hat. Gemeinsam steigen beide den besagten Abhang hinunter um sicher zu gehen, dass dort nicht Janniks Leiche liegt. Stattdessen finden sie eine andere, bereits verweste Leiche. Derweil muss sich Kommissar Achilleas Gazakis, der eigentlich seine letzten Dienstjahre in Ruhe absitzen wollte, vorübergehend mit einer neuen Kollegin abfinden. Hanna Bitter von Europol geht einer großen Geldwäsche nach und ihr Informant ist seit geraumer Zeit nicht mehr zu erreichen. Als sich dann auch noch die albanische Mafia an Milas Fersen heftet, droht die Situation vollends außer Kontrolle zu geraten. Mila verbleiben nur wenige Tage, um wenigstens Janniks verschwundenen Laptop zu finden, hinter dem plötzlich alle her sind.

 Liebeserklärung an Korfu

Lena Talis verbringt ihren Urlaub gerne auf Korfu und so entstand die Idee, dort einen Krimi spielen zu lassen. Man kann getrost sagen, dass sie mit ihrem Roman ihrer Lieblingsinsel eine literarische Liebeserklärung zukommen ließ, denn Korfu wird sehr ausführlich vorgestellt und bildet die traumhafte Kulisse der Handlung. Während die Touristen, die meist nur für wenige Stunden per Kreuzfahrtschiff anlanden, sich auf die bekannten Sehenswürdigkeiten stürzen und so vom eigentlichen Leben der Inselbevölkerung nichts mitbekommen, lässt es sich die Autorin nicht nehmen, vor allem die viel zitierte griechische Gastfreundschaft immer wieder in Szene zu setzen. Wer auf Korfu oder überhaupt in Griechenland einen Urlaub plant, der findet hier eine durchweg gelungene Einstimmung – und ausführliche Informationen zum Thema Olivenanbau und Verarbeitung.

„Woher können Sie so gut Deutsch?“ „Ich habe in Hamburg BWL studiert und elf Jahre in der Speicherstadt gelebt. Geschäfte, verstehen  Sie?“ „Das organisierte Verbrechen lernt also das Geschäftemachen an deutschen Universitäten. Das ist mir neu.“

Denn Oliven, vor allem deren Öl, sind das zentrale Thema des Romans, was den Auftritt der albanischen Mafia erklärt. Mit Olivenöl lässt sich EU-weit viel Geld verdienen, mit gestrecktem Öl folglich noch viel mehr. Gut, Drogen spielen auch eine Rolle.

Viele Grüße von MacGuffin

Korfu wird stimmungsvoll in Szene gesetzt, die Spannungskurve ist nicht zuletzt dank kurzer Kapitel konstant oben, es passiert eine Menge. Selbst der schon oft gesehene MacGuffin spielt eine zentrale Rolle, hier in Form von Janniks verschwundenem Laptop, welcher erst gegen Ende der Geschichte – welch’ Überraschung – gefunden wird. Es gibt nur einen kleinen Haken, denn das Handeln der Beteiligten überzeugt nicht immer. Mila und Leo finden am Fuße des Steilhangs einen Leichnam, aber ruft man deswegen die Polizei? Der Verlobte verschwindet spurlos von heute auf Morgen, man ist in größter Sorge, aber deswegen zur Polizei gehen? Nein, gibt ja doch nur Ärger.

Wenngleich das Handeln in den jeweiligen Situationen „erklärt“ wird, so bleibt ein fader Beigeschmack oder sagen wir anders: An einigen Stellen wirkt der Plot gewaltig konstruiert, wozu die wendungsreiche Auflösung ins Bild passt. Im normalen Leben würde man sich in einigen Situationen „vermutlich“ (nun ja, eher sicher) anders verhalten. Zitat: „Das alles war so verrückt, dass Mila ihm glaubte.“ Dazu passen die Ermittlungen der Polizei, von denen der Leser weitgehend nichts mitbekommt, so sie denn überhaupt stattfinden. Sieht man hierüber hinweg, so ist „Die tausend Farben des Meeres“ durchaus mehr als „nur“ ein Urlaubskrimi. Eine Karte der Insel mit Eintragung der für die Handlung relevanten Orte, zu Beginn oder am Ende des Buches, hätte den positiven Eindruck abgerundet.

  • Autor: Lena Talis
  • Titel: Die tausend Farben des Meeres
  • Verlag: Emons
  • Umfang: 303 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Mai 2021
  • ISBN: 978-3-7408-1151-8
  • Sonstige Produktinformationen:
    Verlagsseite


    Wertung: 11/15 dpt


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