Düsterer Pageturner aus Schweden

Nachttod
© Heyne

Vor sechzehn Jahren erlebte Hanna Duncker ihren persönlichen Albtraum auf der Insel Öland, von dem sie sich bis heute nicht erholt hat. Ihr Vater Lars soll damals in betrunkenem Zustand eine alte Frau misshandelt und anschließend ihr Haus angezündet haben. Zehn Jahre saß er im Gefängnis, flüchtete anschließend in den Alkohol und starb im letzten Herbst. Jetzt, Mitte Mai, ist Hanna seit gut einem Monat zurück auf Öland, nachdem sie die letzten Jahre in Stockholm verbracht hat.

Ihr erster Arbeitstag bei der Polizei in Kalmar führt sie zu ihrem neuen Chef Ove Hultmark, der damals die Ermittlungen gegen ihren Vater leitete. Während der Morgenbesprechung wird ein neuer Fall gemeldet. Auf dem Parkplatz des Möckelmossen, einem beliebten See für Ausflügler, wurde eine Leiche gefunden, bei der es sich um den sechzehnjährigen Joel Forslund handelt. Eine große Blutlache infolge einer Stichverletzung lässt an der Todesursache kaum Zweifel. Doch noch größer wird Hannas Entsetzen als ihr die Identität des Opfers, deren Nachname ihr unbekannt ist, klar wird. Joel ist der Sohn von Rebecka, Hannas engster Freundin aus Schulzeiten.

Rebecka verdächtigt Axel Sandsten, einen bekannten Unternehmensberater, der auch schon für die Polizei tätig war. Sandsten, ein früherer gemeinsamer Mitschüler, ist Joels leiblicher Vater, der zur Zeit ihrer Beziehung häufig gegenüber Rebecka gewalttätig wurde. Aber auch Fanny, eine Mitschülerin Joels, gerät in Verdacht, da sie in der Schule durch Gewalt gegenüber jüngeren Schülern aufmerksam wurde. Eine letzte Nachricht auf Joels Smartphone enthält zudem eine eindeutige Drohung.

Neue Krimiserie aus Öland

Bereits zwischen 2008 und 2014 wurde die Insel Öland, die von Kalmar aus über die rund sechs Kilometer lange Ölandsbron erreichbar ist – unter dieser liegt der Kalmarsund -, zum Schauplatz grausiger Verbrechen. Das sogenannte Öland-Quartett aus der Feder von Johan Theorin sorgte auch in Deutschland für gewisses Aufsehen. Nun also „Nachttod“, der Auftakt einer Trilogie von Johanna Mo, die in Schweden problemlos die Charts stürmte; ebenso wie die Spiegel-Bestsellerliste, wie zwei wenig diskrete Aufkleber auf dem Buchcover verkünden. Nun sind skandinavische Krimis gemeinhin dafür bekannt, dass sie von einer düsteren Grundstimmung getragen werden. Ermittler wie Verdächtige haben in der Regel mit zahlreichen privaten Problemen (Beziehung, Familie, Drogen) zu kämpfen und wer dies mag, findet hier vorzügliche Krimikost.

Hanna hat den Namen ihrer Eltern behalten, wodurch sie immer wieder auf neugierige Blicke und heimliche Kommentare stößt. War es mutig oder dumm nach Öland zurückzukehren? Nicht alle Insulaner sind begeistert, was durch anonyme Drohanrufe bestätigt wird. Und insgeheim hofft Hanna immer noch, dass es damals vielleicht doch ganz anders gewesen war und ihr Vater nicht der brutale Mörder ist, für den ihn alle halten. Auch ihre (einst) beste Freundin Rebecka hat einige Probleme. Ex-Mann Sandsten setzt ihr gelegentlich noch immer zu, ein inzwischen beendeter Seitensprung belastet die Beziehung zu Petri, Joels Schwiegervater und Vater der gemeinsamen sechsjährigen Tochter Molly und zu allem Überfluss ist jetzt auch noch Joel tot. Ermordet und die Polizei tappt im Dunkeln. Dies liegt vor allem daran, dass Hanna und ihr Partner Erik Lindgren ausnahmslos auf Zeugen und Verdächtige stoßen, die ihrerseits etwas zu verbergen haben. Ein „ganz normales“ Leben führt jedenfalls niemand und so dauert es, bis die Wahrheit ans Licht kommt, die bei aller bis dahin schon vorhandenen Tragik noch mal eins oben draufsetzt.

Im März und September 2022 geht es weiter

„Nachttod“ liest sich sehr kurzweilig, nicht zuletzt, da es Mo gekonnt versteht, an den zahlreichen Kapitelenden gute Cliffhanger zu platzieren. Erzählt wird die Geschichte aus drei Perspektiven: Die Ermittlungen von Hanna und Erik, das Leben Rebeckas nach dem Tod ihres Sohnes und – mit Rückblicken – die letzten Stunden in Joels Leben. Ein packender Pageturner mit überraschenden Wendungen und einer ebensolchen Auflösung. Am Ende ist der Fall geklärt, doch wichtige Fragen bleiben offen. Kein Wunder, im März und September 2022 folgen mit „Finsterhaus“ und „Dunkelwald“ die Fortsetzung beziehungsweise der Abschluss der Trilogie.

  • Autorin: Johanna Mo
  • Titel: Nachttod
  • Originaltitel: Nattsångaren. Aus dem Schwedischen von Ulrike Brauns
  • Verlag: Heyne
  • Umfang: 495 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Juli 2021
  • ISBN: 978-3-453-42580-4
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite


Wertung: 13/15 dpt


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