Düsterer Polizeithriller aus London

Saubermann
© Polar
R & B wurden sie genannt. Wenn Chief Inspector Roberts den Rhythmus gab, dann war Brant der dunkelste Blues.

Mit diesem Satz beginnt „Saubermann“, der erste Roman der Tom-Brant-Reihe, von der bereits drei später spielende Romane bei Polar erschienen sind. Man erahnt also gleich zu Beginn, dass es düster und womöglich recht brutal zugehen wird, wobei die Grenzen zwischen Gut und Böse oft vermischt sind.

Erstens, Roberts war am Arsch. Zweitens, das ganze Revier war am Arsch und er selber am allerdicksten Arsch. All die keinen Nebeneinnahmen, Betrügereien, Vernehmungsmethoden, seine ganze Art, hundertpro wäre er noch vor Jahresende geliefert. Der Met stand eine große Säuberungsaktion ins Haus und sie ganz oben auf der Liste. Es sei denn …

Ein Unbekannter macht Jagd auf Drogendealer, ermordet sie und hängt sie öffentlichkeitswirksam an Laternenpfählen auf. Derweil jagt ein weiterer Mörder die Mannschaft des englischen Cricketteams. Roberts und Brant ermitteln, werden dabei von ihren eigenen Problemen eingeholt. Roberts ist 62 Jahre alt, zu alt für den Job und dennoch motiviert es den jüngeren zu zeigen. Derweil wendet sich seine 15-jährige Tochter zunehmend von ihm ab, während sich seine Frau in einem Sexclub mit jungen Männern vergnügt. Brant, dem ein Ruf von Brutalität und Inkompetenz vorauseilt, sieht derweil interne Ermittlungen gegen sich aufkommen. Womöglich hat er einmal zu oft den pakistanischen Kioskbesitzer um ein Schutzgeld gebeten, dem Pizzaboten einmal zu oft nicht die Rechnung bezahlt.

Sex, Drugs & Rock’n’Roll

„Saubermann“ bezeichnet eine saubere Verhaftung ohne Tricks, ein sogenannter „White Arrest“, wie der Roman im Original heißt. Ken Bruen ist durch die Brant-Reihe sowie vor allem durch die Jack-Taylor-Reihe hierzulande eingefleischten Krimifans kein Unbekannter. Er schreibt Polizeithriller, die er offenbar selber gerne liest, wie auch seine Protagonisten. Einer der gesuchten Mörder, die übrigens alle recht schnell bekannt sind, hat beispielsweise ein Faible für die Burke-Romane von Andrew Vachss, während Brant selbst ein großer Fan von Ed McBain ist, jenem Autor, der das Genre des Polizeiromans wie kein anderer Autor prägte. 

Als er Der Schakal las, war er erleichtert. Danach Die Hunde des Krieges, und als seine Psychose voll erblühte, sah er sich selbst als Shannon, den Helden des Buches. Eines Tages, so dachte er, würde Frederick Forsythe ein Buch über in schreiben.

In den kurzen Kapiteln geht es um Alkohol und Drogen, schnellen wie käuflichen Sex, Musik und Literatur. Zahlreiche Songtitel werden zitiert und geben somit auch interessante Einblicke auf die damalige musikalische Zeit (Ende der 1990der Jahre). Die eigentlichen Ermittlungen bleiben eher hintergründig, die Protagonisten und deren Einstellung zum Leben im Allgemeinen und zum Polizeiberuf im Besonderen stehen mehr im Fokus. Im Ergebnis wirken die Ermittler wegen ihrer privaten Probleme und einem nicht zu unterschätzenden Maß an Resignation keineswegs sympathisch. Gerade Brant scheint ausgebrannt, versucht mit einem Mix aus Gewalt und Erpressung seine Ziele zu erreichen, zu denen auch sexuelle Gefälligkeiten zählen.

Wer temporeiche Action und düsteren Noir mag, der wird an „Saubermann“ seinen Gefallen finden. Gut, dass weitere Titel bereits in deutscher Übersetzung erhältlich sind.

  • Autor: Ken Bruen
  • Titel: Saubermann
  • Originaltitel: A White Arrest (1998). Aus dem Englischen von Karen Witthuhn
  • Verlag: Polar
  • Umfang: 224 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: August 2021
  • ISBN: 978-3-948392-28-4
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite


Wertung: 11/15 dpt


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