Mordserie wird von Geheimnissen überschattet

Der Puppenmacher
© Kampa

Im Rheinwald vor den Toren des verschlafenen Städtchens Chur in Graubünden hört der Knecht Toni einen Schrei und findet kurz darauf eine wunderschöne Frau an einem Baum sitzend. Doch etwas stimmt hier ganz und gar nicht, denn ihr Gesicht wirkt engelsgleich wie bei einer Puppe. Ein zweiter Schrei versetzt Toni in Panik, so dass er zur nahegelegenen Gasfabrik rennt, um von dort die Polizei zu rufen. Walter Caminada, ein heimlicher Star des Landjägerkorps, und Leutnant Peter Marugg, seines Zeichens ein ebenso junger wie fähiger Erkennungsfunktionär, eilen zum Tatort. Zunächst glaubt Marugg, es mit einer Puppe zu tun zu haben, denn die Augen der Frau sind aus Glas, ihr Gesicht aus einer feinen Wachsschicht. Caminada merkt aber sofort, dass der Rest einem menschlichen Körper entspricht. Kurz darauf stoßen die beiden Ermittler auf die Leiche einer weiteren Frau, bei der es sich Bernadette, die schöne Frau des Schneiders Strebel, handelt.

Zunächst ist die Identität der ersten Leiche unklar, genau wie die Todesursache, dann droht plötzlich Ärger, denn es handelt sich um Freya von Planta, eine bekannte wie umstrittene Frauenrechtlerin, die sich seit einiger Zeit viele Feinde geschafft hat, da sie vehement für das Frauenstimmrecht bei Wahlen eintritt. Die Ereignisse drohen die Ermittler zu überrollen, denn weitere Morde folgen, während nicht wenige Zeugen und Verdächtige mit ihren Aussagen zurückhaltend sind. Denn fast alle haben ihre Geheimnisse, die nicht in die Öffentlichkeit dringen dürfen.

Sympathische Ermittler stehen vor schwierigen Aufgaben

Die eigentliche Geschichte spielt im Jahr 1952, verweist aber auf Ereignisse, die Jahrzehnte zurückliegen. Der damalige Zeitgeist im beschaulichen Chur, der Hauptstadt des Kanton Graubünden, ist ein miefiger. Frau haben noch immer kein Stimmrecht bei Wahlen und jene, die darum kämpfen, werden hart angegangen. Auch in Sachen Sexualität geht es erzkonservativ zu, wenngleich nicht wenige Personen es mit den eigenen Bedürfnissen nicht ganz so streng nehmen.

Im Rest von Europa, außer im kleinen Liechtenstein, dürfen die Frauen schon länger wählen, und deswegen ist noch kein Sonntagsbraten schwarz geworden, oder?

Verdächtige gibt es zur Genüge, wenngleich diese ihre Geheimnisse wahren wollen und daher nicht die ganze Wahrheit erzählen und mitunter auch bei ihren Aussagen von dieser abweichen. So ist es vor allem der Knecht Toni, der die ganze Geschichte ins Rollen bringt, der mit seiner Aussage die beiden Protagonisten zunächst auf eine falsche Spur lockt. Caminada, erfolgreichster Landjäger im Kanton Graubünden, ist ein sympathischer Kauz, der seinen Partner und engen Freund Marugg auch deswegen benötigt, damit dieser an der Schreibmaschine die Zeugenaussagen festhalten kann. Caminada selbst leidet nämlich an einer Lese- und Schreibschwäche. Marugg hingegen, der Meister der Spurensicherung, fühlt sich im kleinen Chur zunehmend eingeengt. Hätte man doch nur die technischen Möglichkeiten wie in Zürich, wo Fahrzeuge und ein Funknetz für Polizisten selbstverständlich sind.

Philipp Gurt erzählt seine Geschichte in ruhigem Tonfall, wenngleich die beiden Helden durchaus in brenzlige Situationen geraten. Ein bisschen Action ist also garantiert, weit mehr geprägt ist die Story aber von einheimischen Dialekt, in den man sich erst einlesen muss. Dann wird es köstlich amüsant. Der Posten ist die Polizeiwache, die Schroter sind die Polizisten; was noch die einfachen Begriffe sind. Ist man in der Geschichte jedoch erst einmal eingestiegen, findet man ein spannendes Krimirätsel, in dem mehrere Morde aufzuklären beziehungsweise deren Hintergründe zu durchdringen sind. Gute Serie, gerne mehr davon.

  • Autor: Philipp Gurt
  • Titel: Der Puppenmacher
  • Verlag: Kampa
  • Umfang: 334 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: August 2021
  • ISBN: 978-3-311-12040-7
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite


Wertung: 12/15 dpt


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